Bonnie Raitt

Raitt, Bonnie Lynn, amerikanische Rockmusikerin (Gesang, Gitarre, Text, Komposition), * Burbank (Kalifornien) 8.11.1949.

Biografie

Bonnie Raitt, Tochter des Musical-Stars John Raitt, begann als Kind Gitarre zu spielen. Interessiert am Blues, brachte sie sich später selbst das Bottleneck-Spiel bei. Obwohl sie nicht beabsichtigte, eine Karriere im Musikgeschäft einzuschlagen, sang sie ab und zu in den Cherokee Studios in Los Angeles Background für Musikproduktionen etwa von Bruce Robb und Steve Cropper. Wenn sie auch durch diese Gelegenheitsengagements allmählich in eine Musik-Karriere rutschte, nahm sie 1967 ein Afrikanistik-Studium in Harvard auf; nach dem Abschluss wollte sie in Tansania als Entwicklungshelferin arbeiten. Als der Blues-Impresario Dick Waterman der Rundfunkstation der Universität ein Interview gab, wollte Raitt ihn kennenlernen und freundete sich mit dem 65 Jahre alten Blues-Veteran an. Schon bald war sie festes Mitglied seines Kreises von Musikern und setzte sogar ihr Studium aus, als Waterman Kalifornien verließ. Fortan musizierte sie in wechselnden Konstellationen mit anderen Musikern aus dem Freundeskreis von Waterman und fand sich unversehens in einer Karriere als Sängerin und Gitarristin wieder. Bald trat sie regelmäßig in den Blues- und Folk-Clubs Bostons auf und spielte mit Musikern wie Howlin’ Wolf und Sippie Wallace.

Die Bühnenkarriere mündete 1970 in eine Schallplattenkarirere, als sie von Warner Bros. Records unter Vertrag genommen wurde und 1971 ihr Debütalbum »Bonnie Raitt« vorlegte. Wenn sie sich damit auch den Respekt von Musikern und Fachjournalisten erwarb, war die Resonanz beim Publikum dürftig, zu ungewohnt war das Auftreten einer Sängerin, die virtuos Bottleneck-Gitarre spielte. Auch die 1972 und 1973 folgenden Alben, »Give it up« und »Takin’ my time«, blieben weitgehend unbeachtet in den Läden liegen.

Das Publikum wurde auf die Sängerin erst aufmerksam, als die Rockzeitschrift »Rolling Stone« 1975 ihr Bild auf dem Cover abdruckte und sie selbst sich mit Veröffentlichungen wie »Streetlights« (1974) und »Home plate« ein wenig dem Popmarkt zuwandte. 1977 veröffentlichte Bonnie Raitt die LP »Sweet Forgiviness«, hatte endlich den ersehnten Erfolg beim Publikum und mit »Runaway«, der Cover Version eines alten Titels von Del Shannon, sogar einen Hit.

Gleichzeitig begann es aber im Verhältnis zu Warner Bros. zu kriseln und nach dem unterdurchschnittlichen Erfolg von »Glow« (1979) kündigte die Firma kurz vor Fertigstellung des Albums »Tongue & Groove« 1983 den Vertrag mit der Sängerin. Ohne die Möglichkeit, Platten zu veröffentlichen und unter Drogen- und Alkoholproblemen leidend, zog Raitt sich zurück und unternahm nur noch Konzertourneen, häufig unter den Vorzeichen ihres politischen und sozialen Engagements, also z.B. im Rahmen von Aktionen von Farm Aid oder Amnesty International.

1985 unterrichtete Warner Bros. die Sängerin, »Tongue & Groove« nun doch, aber unter dem vielsagenden Titel »Nine Lives« veröffentlichen zu wollen. Raitt willigte nolens volens ein, doch das Album schaffte es nicht einmal in die Top-Hundred. Nach wie vor aber war Bonnie Raitt unter Kollegen hoch angesehen, stellte gemeinsam mit k.d. lang und Jennifer Warnes den Background-Chor für eine Roy-Orbison-Hommage im amerikanischen Fernsehen und begann – nach überwundener Alkohol- und Drogenabhängigkeit – wieder für ein eigenes Album zu arbeiten. Sie hatte den Produzenten Don Was bei einer Aufnahme für einen Disney-Song kennen gelernt und dieser hatte sich bereit erklärt, ein Album mit ihr zu produzieren; einen Vertrag bekam sie von Capitol Records.

Damit begann die zweite, ungemein erfolgreiche Karriere Bonnie Raitts. »Nick of time«, 1989 veröffentlicht, wurde millionenfach verkauft, die Sängerin erhielt nicht weniger als vier Grammys, einen für ein Duett mit John Lee Hooker. 1991 kamen drei weitere Grammys hinzu, für ihr 1994 veröffentlichtes Album »Longing in their hearts« nahm sie noch einmal eine der begehrten Auszeichnungen in Empfang. Selbst das 1995 veröffentlichte Live-Album »Road tested« fügte sich in die Reihe der Erfolge ein. Nach der Jahrtausendwende veröffentlichte Bonnie Raitt sporadisch einzelne Alben, die denen der 1990er-Jahren in nichts nachstanden, mit denen sie aber deren großen Erfolg nicht mehr gänzlich wiederholen konnte.
Mit ihren seit 1989 veröffentlichten Alben erfuhr Bonnie Raitt endlich die Anerkennung, die ihr stets hätte zukommen müssen. Über ihre Qualitäten als Sängerin gerät mitunter aus dem Blickfeld, dass sie eine hervorragende Gitarristin und eine außergewöhnliche Slide-Gitarristin ist: Songs wie »Cry on my Shoulder« oder »Storm warning« gab sie mit ihrem überlegten und dynamisch höchst ausdifferenzierten Spiel die emotionale Tiefe. Es ist kein Zufall, dass die Gitarrenbauer von Fender Bonnie Raitt als erste und einzige Frau mit einem Signature-Modell ehrten; Bonnie Raitt spielt das Stratocaster-Modell der Firma. Von vielen jüngeren Gitarristinnen wird Bonnie Raitt als eine Art Mentorin angesehen.

Auszeichnungen

1989 Grammy in vier Kategorien
1991 Grammy in drei Kategorien
1994 Grammy
1996 Grammy

Diskografie

Bonnie Raitt (1971)
Give it up (1972)
Takin’ my Time (1973)
Streetlights (1974)
Home plate (1975)
Sweet Forgiveness (1977)
The Glow (1979)
Green Ligth (1982)
Nine Lives (1986)
Nick of Time (1989)
Luck of the Draw (1991)
Longing in Their Hearts (1994)
Road tested (1995)
Fundamental (1998)
Silver Lining (2002)
Souls alike (2005)
Bonnie Raitt and Friends (2006)

Weblink

http://www.bonnieraitt.com (Offizielle Website der amerikanischen Blues- und Rockmusikerin Bonnie Raitt)