Jug Band

Jug Band, von englisch jug für »Krug« und band für »Gruppe«, Musikerformationen unterschiedlicher Größe, die auf einfachen Instrumenten Blues-Stücke und Tanzlieder spielten; zum Instrumentarium gehört neben Gitarre, Banjo, Waschbrett, Löffel, Kistenbass und Kamm (Kazoo) auch Glasflaschen unterschiedlicher Größe. Durch stoßartiges Hineinblasen in die Flaschen wurden perkussive, je nach Größe der Flasche mehr oder weniger tiefe Töne erzeugt; die Flaschen übernahmen die Rolle des Bassinstruments.

Jug Bands gehören zur Volksmusik der USA. Wesentliches Kennzeichen der Jug Bands ist das Instrumentarium, das hauptsächlich aus Haushaltgegenständen oder selbst gefertigten Instrumenten besteht. Von beeindruckender Klangwirkung ist der von den Glasflaschen abgegebene Ton: Manche Musiker stellen dazu große Ballonflaschen neben sich, andere befestigen kleiner Flaschen an einer Art Schulter-Tragegestell, das es ihnen ermöglicht, neben dem Jug auch ein weiteres Instrument zu spielen.

Jug Bands, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkamen, spielten vor allem Blues und einfache Lieder, manchmal beeinflusst vom Ragtime und frühem Jazz. Die Musiker schlossen sich häufig Medicine Shows an und lieferten das musikalische Begleitprogramm dieser Shows. Auch traten Jug Bands in den Vaudeville Shows auf. Zwar gehörten zu den ersten Volksmusik-Gruppen, deren Musik aufgenommen wurde, auch Jug Bands wie The Louisville Jug Band, die Birmingham Jug Band, Will Shade’s Memphis Jug Band und die Jug Stompers mit Gus Cannon. Das Publikumsinteresse an der hemdsärmeligen Musik nahm aber im Laufe der 1920er-Jahre stetig ab und erlosch in den 1930er- und 1940er-Jahren nahezu vollständig. Erst in den 1950er-Jahren, mit dem stark wachsenden Interesse junger Folk- und Blues-Musiker an den Wurzeln der amerikanischen Volksmusik, konnten auch wieder mehr Jug Bands ihre Musik auf Schallplatten veröffentlichten, zu nennen wären etwa The Rooftop Singers, die Even Dozen Jug Band und The Jim Kweskin Jug Band. Eine Reihe dieser Musiker wechselte in den frühen 1960er-Jahren – oft über Zwischenstationen in Blues-Bands – in die Rockmusik. Zu diesen Musikern gehören etwa Steve Katz, der in der Jim Kweskin Jug Band spielte und später bei Blood, Sweat & Tears die elektrische Gitarre übernahm, John Sebastian, später bei Lovin’ Spoonful, die Band The 13th Floor Elevators hatten ihre Wurzeln in einer Jug Band wie auch manche Musiker von Grateful Dead und Country Joe and The Fish. Auch die Skiffle-Bewegung der 1950er-Jahre in Großbritannien, aus der nicht zuletzt The Beatles hervorgingen, bezog wesentliche Anregungen aus der Musik der Jug Band. Weltweit bekannt wurde die britische Jug Band Mungo Jerry mit ihrem Song »In the Summertime« (1970), bei dem Paul King in die großen Flaschen blies.

Wenn auch nicht unbedingt im Zentrum des Publikumsinteresses, waren in den USA über die Jahrzehnte immer auch Jug Bands aktiv. In den 1990er-Jahren, als unter dem Stichwort Americana unter jungen Folk-, Blues-, Country- und Rockmusikern eine Rückbesinnung auf ur-amerikanische Musik einsetzte, begann sich auch das Publikum wieder für die altertümliche Musik zu interessieren. So altertümlich war die Musik der neuen Jug Bands indes nicht: Während einerseits einige Bands die Tradition zu wahren suchen und auf die Jug-Band-Musik der 1920er- und 1930er-Jahre zurückgriffen, verbanden andere die einfache Klangwelt der Jug Band mit neuen Gerätschaften wie Synthesizern und Samplern. Zu diesen Jug Bands gehören etwa Music Society, Wahsboard Jungle, The 12th Street Stompers, The No Good Redwood Ramblers und Lavay Smith & Her Red Hot Jug Band.