Keith Richards

Richards, Keith, auch Keith Richard, britischer Rockmusiker (Gitarre, Gesang, Komposition), * Dartford (Kent) 18.12.1943

Keith Richards hatte als Kind wenig Berührung mit Musik. Zwar hörte seine Mutter Schallplatten etwa von Billie Holiday, Louis Armstrong und Duke Ellington, und sein Großvater mütterlicherseits, Augustus Theodore Dupree, war in den 1930er-Jahren mit seiner Big Band Gus Dupree and his Boys durch Großbritannien getourt, doch erwachte sein Interesse an Musik erst, als ihm seine Mutter eine Gitarre schenkte. Unablässig übte der Junge und eiferte seinem Idol Scotty Moore nach; Moore war der Gitarrist in Elvis Presleys Band. In der Grundschulzeit sang Keith Richards im Schulchor – begabt mit einer schönen Sopranstimme -, und trat im Rahmen einer Aufführung von G.F. Händels »Messiah« vor Queen Elizabeth II. in der Westminster Abbey auf.

An der Schule war er zwar Mick Jagger, der mit seinen Eltern zeitweilig im selben Bezirk Londons  wohnte, begegnet, die beiden Schüler hatten aber keine weitere Notiz voneinander genommen. Ab 1959 besuchte Richards das Sidcup Art College, widmete aber der Gitarre mehr Zeit als seiner Ausbildung. Er hatte inzwischen den Blues entdeckt, kannte die Musik von Little Walter, Muddy Waters und Big Bill Broonzy und spielte die Gitarrenriffs Chuck Berrys nach.

1961 traf er zufällig Mick Jagger in einem Vorortzug wieder. Jagger trug einen Stapel Schallplatten unter dem Arm und Richards sprach ihn auf diese an. Es stellte sich heraus, dass die beiden die Vorliebe für dieselbe Musik teilten und Jagger systematisch Platten sammelte. Jagger hatte mit seinem Freund Dick Taylor schon eine Band gegründet und lud Richards ein, sich ihr anzuschließen. Wenig später taten sich die drei auf Vermittlung von Alexis Korner mit Brian Jones und Ian Stewart zusammen, die Keimzelle der Rolling Stones. Bald danach, Mitte 1962, brach Richards seine Ausbildung am College ab und zog mit Jagger und Jones in eine gemeinsame Wohnung. In diese Zeit fiel die Gründung der Band The Rolling Stones, die im Juli 1962 das erste Mal auftrat. Noch im selben Jahr übernahm, Andrew Loog Oldham das Management der Gruppe und veranlasste Richards 1963, sich fortan nur noch Richard zu nennen. Loog Oldham auch war es, der angesichts des Erfolges der Beatles Jagger und Richards überredete, wie Lennon und McCartney selbst Songs für die eigene Band zu schreiben, weil er vermutete, das eine Bluesband, die nur die Kompositionen anderer Musiker interpretiert, keinen großen Erfolg beim Publikum würde haben können. Seitdem arbeiten Jagger und Richards mal mehr, mal weniger eng zusammen und mehr als einmal kam es zum Bruch zwischen den beiden Musikern. Dennoch gehören die Glimmer Twins, wie sie bald genannt wurden, zu den erfolgreichen Songschreiber-Duos und stehen in einer Reihe mit Leiber/Stoller und Lennon/McCartney. The Glimmer Twins nennen sich Richards und Jagger auch, wenn sie gemeinsam die Produktion einer Schallplatte übernehmen.

Richards spielt bei den Stones in der Regel Gitarre, einige Male griff er aber auch zum Bass. Auf vielen Platten der Band sang er wenigstens einen Song und übernahm damit in etwa die Rolle bei den Stones, die Ringo bei den Beatles füllte; in der Tat ist er kein großer Rocksänger. Am Background-Gesang ist Richards allerdings obligat beteiligt und trägt damit wesentlich zum spezifischen Klang der Band bei.
Vielleicht noch mehr als Mick Jagger verkörpert Richards das, was die Rolling Stones sind. So gibt es von ihm auch weit weniger Soloproduktionen oder Kollaborationen mit anderen Musikern. 1978 nahm er eine Single mit zwei Cover Versions von Chuck Berry und Jimmy Cliff auf, und im Jahr 1986 gründete er mit The X-pensive Winos eine eigene Band – dies als Reflex auf die Weigerung Jaggers, mit den Stones auf Tournee zu gehen. Ohnehin ist das Verhältnis zwischen Richards und Jagger keineswegs frei von Eintrübungen. Mehr als einmal gab es die gemeinsame Band lediglich auf dem Papier und die beiden Musiker gingen getrennte Wege, nahmen Solo-Platten auf und gingen auf Tournee – stets weniger erfolgreich als die Stones. Richards hat denn auch nie ernsthaft an einer Solokarriere parallel zu seinem Engagement bei den Rolling Stones gearbeitet und daher gibt es von ihm nur eingie wengie Solo-Platten. Anderen Musiker dagegen half er oft bei deren Aufnahmen und achtete dabei keineswegs auf große Namen. So spielte er für Ron Wood, Ian McLagan, John Phillips, Tom Waits, Aretha Franklin, Tim Ries, Sheryl Crow, George Jones, Lecon Helm, Hubert Sumlin und Toots & The Maytals.

Keith Richards hat wesentlich das Image des Rockgitarristen geprägt. Unter Gitarristen ist er hoch angesehen und dies weniger wegen stupender Fingerfertigkeit, als wegen seines umfassenden Verständnis des Instrumentes und seines eigenen, unverwechselbaren Klangs, der von vielen Gitarristen kopiert wurde und wird. Bei den Rolling Stones ist seine Rolle als Instrumentalist ein wenig unklar, denn er spielt gleichermaßen Rhythmus- wie Lead-Gitarre. Insgesamt ist sein Spiel in der Tradition des Blues zu sehen, in dem er Rede und Gegenrede in seinem Spiel vereint und deshalb auch schon mal die Rollen wechselt. Die Verzahnung mit dem Spiel des zweiten Gitarristen der Band, Ron Woods, überlässt Richards zwar nicht dem Zufall, gestaltet sie aber nach Gutdünken. Es kommt also selbst in den durch und durch geplanten Konzerten der Stones vor, dass er brachial dazwischenfährt und seinen Kommentar mittels Gitarre abgibt.

Er spielt gleichermaßen akustische und elektrische Gitarre, und wenn er auch etwa 1000 Gitarren besitzt und im Laufe seiner Karriere auch immer wieder mal verschiedene Modelle verschiedener Hersteller benutzt hat, so wird sein Name mit der Telecaster-Gitarre der amerikanischen Firma Fender verbunden. Häufig besitzen diese Gitarren als sogenannte »Fat Tele« in der Halsposition einen Humbucker-Tonabnehmer. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist Richards allerdings auf der Bühne auch häufiger mit einer ES 335 der amerikanischen Firma Gibson zu sehen.

Richards benutzt diverse Open Tunings, besonders häufig Dropped D und Open G, wobei er bei dieser Stimmung fünf Saiten seines Instrumentes auf einen G-Dur-Akkord stimmt, Grundton und Quinte also zweifach. Sein Spiel selbst ist stark von Techniken der Country-Musik bestimmt, er ist in der Handhabung des Plektrums, dem Picken einzelner Saiten durchaus ein Virtuose. Richards benutzt nur wenige Effektgeräte und setzt dieses selten ein. Verzerrer, Wah-Wah-Pedal und gelegentlich auch ein Leslie-Kabinett.

Richards hängt das Image des wenigstens leidenschaftlichen, wenn nicht besessenen Rockmusikers an. Sein Alkohol- und Drogenkonsum – sicherlich zeitweise nicht unerheblich -, wird ihm quasi als lässliche Sünde angesehen, die man eben einem Rocker zugestehen muss. Dass er nach eigener Auskunft mittlerweile seit vielen Jahren keine Drogen nimmt, änderte nichts an diesem Image. Äußerlich gibt er sich unkonventionell, seine Bewegungen sind so charakteristisch, dass sie zum Topos von Filmschauspielern wurden. Richards bewegt sich auf der Bühne häufig in stark gebückter Haltung, lässt die Spielhand schlenkern, richtet sich unversehens auf und geht breitbeinig langsamen Schrittes zum Bühnenrand, nimmt für Sekunden die obligate Pose des Übergitarristen, ein, humpelt aber ebenso unvermittelt wieder in den Hintergrund der Bühne. Der amerikanische Schauspieler Johnny Depp, sonst eher auf Elemente des Spiels von Stummfilmstars bauende, imitierte dieses Bewegungsbild für die Figur des Jack Sparrow in den Piratenfilmen »Fluch der Karibik«. Bei dem zweiten Film, der Reihe spielte Richards den Vater Jack Sparrows, Captain Teague Sparrow – allzuviel Arbeit dürften die Maskenbildner nicht gehabt haben.

Richards lebte von 1967-1977 mit Anita Pallenberg zusammen, mit ihr hat er zwei Kinder, den Sohn Marlon (* 1969) und die Tochter Dandelion, eigentlich Angela (* 1972). Seit 1983 ist er mit Patti Hansen (* 1957) verheiratet; mit ihr hat er die Töchter Theodora (* 1985) und Alexandra (* 1986).

Auszeichnungen

1994 Grammy in zwei Kategorien (mit The Rolling Stones)

Diskografie

Run Rudolph Run (1978)
Talk is Cheap (1988)
Live At The Hollywood Palladium (1991)
Main Offender (1992)
Eileen (1993)
Wingless Angels (19969
The New Barbarians – Buried Alive (2006; Konzertaufnahmen von 1979)
The First Barbarians – Live From Kilburn (2007; Konzertaufnahmen 1974)

Weblinks

www.keithrichards.com (Offizielle Website des britischen Rockgitarristen Keith Richards)