Prince

Prince, eigentlich Prince Rogers Nelson, amerikanischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Keyboards, Komposition), * Minneapolis (Minnesota) 7. 6. 1958, 21. 4. 2016; Prince selbst bezeichnete sich zeitweise als »Slave« und wurde – da er sich mit seinem Namen nicht mehr ansprechen ließ –, »Symbol«, »The unpronounceable Symbol« oder auch »TAFKAP« (The artist formerly known as Prince) genannt.

Biografie

Prince, Sohn einer Sängerin und eines Jazzpianisten, lernte bereits als Halbwüchsiger autodidaktisch zunächst Gitarre spielen, anschließend diverse andere Instrumente. Seit seinem 13. Lebensjahr gehörte er verschiedenen Schülerbands an, so auch der Band seines Cousins Charles Smith, Grand Central. Prince übernahm nach und nach die Geschicke dieser Gruppe und veränderte sie von einer eher instrumental orientierten Band hin zu einer Funk- und Soulband mit einem herausgestellten Sänger – sich selbst. 1976 produzierte er unter den Fittichen des Produzenten Chris Moon ein Demo-Band und gewann den Marketingexperten Owen Hunsney, dem es gelang, Prince einen Plattenvertrag bei Warner Bros. zu vermitteln.

Nach einer Kollaboration mit dem Ehemann einer seiner Cousinen – es entstand unter dem Bandnamen 94 East 1977 eine Platte, zu der Prince sich nicht bekannte und die erst Jahre später veröffentlicht wurde – legte Prince 1978 sein erstes Solo-Album vor. »For you« schaffte es zwar nur gerade so in die Verkaufs-Hitparade der USA, zeigte aber bereits alle Kennzeichen der zukünftigen Produktionen des klein gewachsenen Mannes aus Minneapolis: Er komponierte die Musik, verfasste den größten Teil der Texte, spielte sämtliche Instrumente, schrieb die Arrangements und übernahm die Produktion; für das Debüt-Album durfte der Produzent Tommy Vicari lediglich als »Executive producer« firmieren. Live-Auftritte bestritt Prince mit einer Band, zu der sein Cousin Andre Anderson (Bass) – der sich nun Andre Cymon nannte –, die Keyboardspieler Dr. Fink und Gayle Chapman, der Schlagzeuger Bobby Z und der Gitarrist Dez Dickerson gehörten. Einige dieser Musiker, obwohl zunächst ein eher wenig konzentriert zusammenwirkendes Team, sollten ihn die nächsten Jahre begleiten.

Mit der zweiten LP, »Prince« (1979), stellte sich der selbstbewusst erwartete Erfolg ein. Das Album stieg bis auf Platz vier der Verkaufscharts. Songs wie »Why you wanna treat me so bad?« und »I wanna be your lover« wurden mit ihrer Mischung von Soul, Funk und Rock unter R & B einsortiert, die Themen – allemal ging es um sexuell bestimmte menschliche Beziehungen – waren festgelegt und Prince unterstrich seine Monothematik mit Kleidung aus dem nächstbesten Sexshop, die er dem erstaunten Publikum vorführte – das Publikum der Rolling Stones, in deren Vorprogramm er 1981 auftrat, fand wenig Gefallen daran.

Dennoch waren die Alben von Prince nun Erfolgsgaranten: »Dirty Mind« (1980) und »Controversy« (1981) wirkten schon im Titel wie Kommentare seines eigenen Tuns, spalteten das Publikum ob ihrer sexuellen Eindeutigkeit, wenn nicht Obszönität, und brachten selbst den einen oder anderen seiner Musiker gegen ihn auf. Hatte Prince die Songs für die Platte wiederum allein eingespielt, so mussten sie seine Werke auf der Bühne präsentieren: Cymon ging und wurde durch den Bassisten Mark Brown ersetzt. Bedeutsamer war die Umbesetzung an den Keyboards, denn Gayle Chapman mochte bei dem pornografischen Zirkus nicht mehr mittun und wurde durch Lisa Coleman ersetzt, die wenig später Prince mit ihrer Freundin Wendy Melvoin bekannt machte. Prince erkannte das kreative Potential der beiden Frauen, und Wendy Melvoin wurde als Gitarristin Mitglied der Band, die kurz darauf den Namen The Revolution erhielt. Fortan beeinflussten Wendy & Lisa, wie sich das Duo bald nannte, maßgeblich die Musik des Meisters aus Minnesota.

Um diese Zeit hatte Prince sich als Songschreiber und Produzent durchgesetzt. Sein kreativer Ausstoß war so groß, dass er seinen ohnehin schon benutzten Pseudonymen weitere hinzufügte – im Laufe der Jahre nannte er sich Jamie Starr, The Kid, Joey Coco, Christopher Tracy, Christopher, Alexander Nevermind, Camille, Victor – und unter einigen dieser Namen für diverse andere Künstler schrieb: Songs von ihm wurden u. a. von Martika (»Love … Thy will be done«), Sinéad O´Connor (»Nothing Compares 2 U«), Sheena Easton (»Eternity«), Jill Jones (»G-Spot«) und The Bangles (»Manic Monday«) gesungen und konnten sich damit häufig in den oberen Rängen der Hitparaden platzieren. Daneben entstanden in seinem Umfeld diverse Bands, so etwa The Time, Vanity 6, Appolonia 6, The Family und Madhouse, die er unterstützte, bis er das Interesse verlor, was regelmäßig das früher oder später eintreffende Ende der jeweiligen Band bedeutete.

Die LP »1999«, 1982 veröffentlicht, enthielt einige Klassiker des umtriebigen Musikers: »Little red Corvette«, »Delirious«, »Let´s pretend we´re married« und »Lady Cab driver« – allesamt Songs, die mitunter verstörende Geschichten erzählen und in eine Musik gefasst sind, die Anfang der 1980er-Jahre aufgrund ihrer Mischung von Rock und Soul, von elektronischen und authentischen Instrumenten singulär war. »1999« war das Album, das Prince einem größeren Publikum in Europa überhaupt bekannt machte, das Album zu dem Film »Purple Rain« machte ihn 1984 weltweit populär und stellte ihn neben Michael Jackson und Madonna. War der Film selbst auch weniger erfolgreich, so wurden von dem Album innerhalb kurzer Zeit mehr als zehn Millionen Exemplare verkauft.

»Purple Rain« war – mehr noch als »1999« – der Auftakt zur bedeutendsten Phase des Musikers Prince. Die nach »Purple Rain« in schneller Folge veröffentlichten Alben – »Around the world in a day« (1985), »Parade« (1986), »Sign ´O´The Times« (1987) – markieren die Höhepunkte seiner Karriere, die Tour zu »Sign ´O´The Times« war ein Triumphzug durch die Konzerthallen der Welt.

Dann riss der Faden des Erfolgs. Das »Black Album« (1987) erschien zunächst nicht, kursierte dafür als weit verbreitete Raubkopie. »Lovesexy« (1988) war wenig Zuspruch beschieden. Für kurze Zeit stellte sich der Erfolg mit dem Album »Batman« wieder ein. Prince hatte einige Songs zu dem Film beigesteuert und etwa den Einzug Jokers in Gotham City kongenial illustriert, doch schon das folgende Album, »Graffiti Bridge« (1990) blieb in den Schallplattenläden liegen. Dann wieder waren Singles wie »Cream« oder »Get off« (1991) erfolgreich, wenn auch das Publikum den Veröffentlichungen des Musikers nicht mehr im gleiche Maße entgegengefieberte wie ehedem.

Mittlerweile hatte Prince innerhalb der Plattenfirma Warner Bros. eine einzigartige Stellung einnehmen können. Seine Macht reichte aber nicht so weit , dass er auch über die Vermarktung seiner Musik bestimmen konnte und daran entzündete sich ein Streit mit dem Label: Prince wollte mehr Musik veröffentlichen, als das Label für zuträglich für den Markt hielt. Daraufhin zog sich der Musiker in einen Schmollwinkel zurück, sah sich als Opfer, als »Sklave« der Plattenindustrie – er schrieb sich sogar »Slave« auf seine Wangen –, ließ sich nicht mehr mit seinem Namen ansprechen, sondern gab sich ein aus Sternzeichen zusammengesetztes Symbol als Namen. Es folgte eine wirre Schlacht, in der die Veröffentlichung oder Nichtveröffentlichung von Schallplatten zur Waffe wurde. Fataler war, dass die Namensverweigerung Musikjournalisten dazu brachte, sich über den Musiker und sein eigensinniges Gebaren lustig zu machen und ihm den Spottnamen TAFKAP zu geben.

Nebeneffekt der Auseinandersetzung war, dass Prince das Internet als Vermarktungsweg für Musik entdeckte und im Bewusstsein der an Rockmusik interessierten Öffentlichkeit verankerte: Veröffentlichte Warner wieder einmal eine Zusammenstellung von Prince-Musik, so konnte man von seiner Website neue, mit der folgerichtig New Power Generation genannten Band eingespielte Musik herunterladen. Das funktionierte zwar – zumal die Musik meist früher oder später auch auf CD erschien, vertrieben von diversen anderen Firmen –, doch hatte die Serie von Hitparaden-Erfolgen damit ein Ende.

In dieser Phase erschienen neben den Kompilationen aber auch einige Alben, die zeigten, dass Prince allmählich den Anschluss an die aktuellen Entwicklungen verlor: Er bestimmte nicht mehr die Trends, lief ihnen aber auch nicht hinterher, sondern setzte den eingeschlagenen Weg fort – da mochte das Publikum nicht mehr massenhaft folgen und die Fans verloren aufgrund der Vielzahl von Veröffentlichungen die Übersicht.

Als 2000 der Vertrag mit Warner Bros. ausgelaufen war, hatte der Spuk ein Ende. Prince nannte sich wieder Prince und veröffentlichte wieder CDs, mitunter zwar zunächst nur auf seinem Internet-Portal NPG Music Club (New Power Generation Music Club), doch kamen diese CDs über kurz oder lang auch in den regulären Handel. Zunächst erschien 2001 auf einem kleinen unabhängigen Label, Redline Entertainment, die CD »The Rainbow Children«, die jedoch kaum beachtet wurde, dann 2003 »N.E.W.S«, ein Konzeptalbum, den vier Himmelsrichtungen mit je einem einzigen Stück gewidmet.

Erst mit »Musicology« konnte Prince an die alten Erfolge wieder anknüpfen, erhielt für seine Musik zwei Grammys und feierte größte Erfolge mit der anschließenden Tour. Ähnlich erfolgreich das 2006 folgende Album »3121«, das in den USA den ersten Platz der Album-Verkaufscharts erreichte. Während Warner noch eine letzte Zusammenstellung auf den Markt brachte, erinnerte Prince sich an die Rezepte der alten Zeiten. Für die CD »Planet Earth« (2007) holte er Wendy & Lisa wieder in sein Studio, was sich unmittelbar auf den Klang seiner Produktion auswirkte. Für die Vermarktung hatte sich der Musiker ebenfalls etwas Neues ausgedacht und die CD einer britischen Sonntagszeitung als Gratisgabe beilegen lassen. Wenn auch unter Protest der britischen Schallplattenindustrie gelang der Mediencoup, und brachte Prince die erwünschte weltweite Beachtung.

Prince steht mit seiner Musik, vor allem den Alben »1999«, »Purple Rain«, »Parade« und »Sign ´O´ the Times« für einen Wendepunkt in der schwarzen Musik der USA. Einflüsse von Blues, Funk und Soul verband er mit Elementen des »weißen« Hardrock – um den schwarze Musiker bis dahin einen sehr weiten Bogen gemacht hatten –, flocht elektronische Klänge ebenso nahtlos in seine Songs ein wie die seinerzeit neuen Sounds der Straße in Form von Rap-Passagen. In Kompositionen wie auch seinem Auftritt im Konzert sind die Einflüsse von James Brown und Sly Stone unmittelbar erkennbar. Seine Live-Auftritte sind legendär. Stets umgibt er sich mit erstklassigen Musikern – darunter etwa die Schlagzeugerin Sheila E. und die Altsaxophonisten Maceo Parker und Candy Dulfer –, die ihn auch nach Auftritten in größten Hallen zu sogenannten Aftershows in winzige Clubs vor geladenem Publikum begleiteten wie etwa 1987 nach einem Auftritt in der Berliner Deutschlandhalle in den Jazzclub Quasimodo. Hier erweist er sich als versierter Instrumentalist, der sich auch mal ans Schlagzeug setzt. Sein ureigenes Instrument aber ist die elektrische Gitarre, und er hat ihr innerhalb der schwarzen Musik eine neue Rolle gegeben, abseits von Bluesgitarristen wie etwa B.B. King. Wiewohl der Blues in der Musik von Prince eine erhebliche Rolle spielt wie etwa das Duett mit Sheena Easton »U got the look« auf »Sign ´O´ the Times« beweist. Als Sänger ist er fest in der schwarzen Tradition verwurzelt und greift auf die Stilelemente eines James Brown wie Sly Stone zurück. In seinem mit avancierter Elektronik vollgestopften Studiokomplex Paisley Park in Minneapolis ist stets wenigstens ein Studio aufnahmebereit, da Prince seine Gesangsparts häufig völlig allein nachts aufnimmt. Ein Musiker von dieser Wirkung auf das Publikum beeinflusst beinahe zwangsläufig auch andere Musiker. Er arbeitete mit Kate Bush wie Sheena Easton zusammen, mit Ani DiFranco wie mit Mavis Staples; Tom Jones sang »Kiss« nach und bescherte sich damit einen Hit, eine Band wie Living Colour ist ohne die Musik von Prince nicht denkbar, Candy Dulfer wurde durch ihn einem weiten Kreis von Musikern bekannt, während Jill Jones und Martika ihren kurzen Erfolg nur ihm verdankten. Hip-Hop und R & B sind ohne die Musik von Prince nicht denkbar.

Prince war zweimal verheiratet: 1996-2000 mit der Tänzerin Mayte, eigentlich Mayte Jannell Garcia; mit ihr hatte er einen Sohn, der aufgrund schwerster Behinderungen wenige Tage nach der Geburt starb. Von 2001 bis 2006 war er mit Manuela Testolini verheiratet.

Mehrmals versuchte Prince, im Filmgeschäft als Drehbuchschreiber, Regisseur und Darsteller Fuß zu fassen, doch misslang ihm das stets. Oft genug schienen Filme wie »Purple Rain« (1984), »Under the Cherry Moon« (1986) oder »Graffiti Bridge« (1990) allein aus dem Blickwinkel des Musikers gemacht worden zu sein. Das anhaltende Desinteresse des Publikums an seinen Filmen ließ Prince dann zu dem Schluss gelangen, diesen Teil seiner Karriere aufzugeben. Zu »Batman« (1989) steuerte er nur einige Songs bei, veröffentlichte aber ein gleichnamiges Album, das ungleich erfolgreicher war als der Film selbst. Allemal interessant sind aber seine Konzert-Videos, in denen der Betrachter aus nächster Nähe verfolgen kann, wie die dramaturgisch vollendet Prince seine Auftritte plant und durchführt.

Wie zahlreiche amerikanische Künstler betätigt Prince sich auch außerhalb der Musik geschäftlich. So besitzt er in Las Vegas einen Nachtclub, wo er 2007 auch mehrmals auftrat; von einem dieser Auftritte wurde eine DVD veröffentlicht. Im selben Jahr kreierte er in Zusammenarbeit mit einer Kosmetikfirma das Parfüm 3121.

Auszeichnungen

Grammy 1985 in drei Kategorien
Grammy 1987
Grammy 2005 in zwei Kategorien
Grammy 2008

Diskografie

For You (1978)
Prince (1979)
Dirty Mind (1980)
Controversy (1981)
1999 (1982)
Purple Rain (1984; Soundtrack)
Around The World In A Day (1985)
Parade (1986; Soundtrack zu dem Film Under the Cherry Moon)
Sign ‚O‘ the Times (1987)
Lovesexy (1988)
Batman (1989; Soundtrack)
Graffiti Bridge (1990; Soundtrack)
Diamonds And Pearls (1991)
Love Symbol (1992)
Come (1994)
Black Album (1994)
The Gold Experience (1995)
Chaos And Disorder (1996)
Emancipation (1996)
Crystal Ball / The Truth / Kamasutra (1998)
The Vault… Old Friends 4 Sale (1999)
Rave Un2 The Joy Fantastic (1999)
The Rainbow Children (2001)
One Nite Alone… Live! (2002)
N.E.W.S (2003)
Musicology (2004)
3121 (2006)
Ultimate (2006)
Planet Earth (2007)
Mit New Power Generation
New Power Generation (1990)
Diamonds and Pearls (1991)
Cream – Remixes (1991)
Love Symbol (1992)
Goldnigga (1993)
The Beautiful Experience (1994)
Crystal Ball (1997; vier CD)
Newpower Soul (1998)
Emancipation (1996)
94 East/Minneapolis Genius (1997)
Rave un2 the joy fantastic (1999)
Rainbow Children (2001)
One Nite alone…Live! (2002)
Xpetctations (2003)
N.E.W.S. (2003)
Musicology (2004)
The Chocolate Invasion (2004)
The Slaugherhouse (2004)
3121 (2006)
Planet Earth (2007)
LOtusFLOW3R (2009)

Filme

Purple Rain (1984)
Under the Cherry Moon (1986)
Sign ‚O‘ the Times (1987)
Batman (1989)
Graffiti Bridge (1990)
Girl 6 (1996)

Weblinks

http://www.planetprince.de (Offizielle Website des amerikanischen Rockmusikers Prince)