Ry Cooder

Cooder, Ry, eigentlich Ryland Peter Cooder, amerikanischer Rock- und Bluesmusiker (Gesang, Gitarre, Komposition), * Los Angeles (Kalifornien) 15.3.1947

Ry Cooder begann als Kind mit dem Gitarrespiel, das er sich selbst beibrachte. Als Jugendlicher spielte er in verschiedenen Blues- und Folkgruppen, ohne die Absicht, selbst eine Gruppe zu gründen. Als der Bluesmusiker Taj Mahal 1966 einen Gitarristen suchte, fiel sein Wahl auf Cooder, der es nicht nur auf der akustischen und elektrischen Gitarre zur Meisterschaft gebracht hatte, sondern auch jedes andere mit Saiten und Bünden ausgestattete Instrument beherrscht. Bei Taj Mahals Gruppe Rising Sons blieb er nur kurze Zeit, arbeitete noch am Debütalbum der Band mit, verdingte sich dann aber lieber als Studiomusiker, einerseits für erfolgreiche Musiker wie Gordon Lightfoot, andererseits für im Fernsehen ausgestrahlte Werbefilme.

Indifferent war auch sein Engagement in Captain Beefhearts Magic Band: Er gehörte irgendwie zur Band, nahm an den Aufnahmen zu Beefhearts erster LP teil, verabschiedete sich dann aber auch schnell wieder. Dass er bei der ersten LP von Little Feat beteiligt war, dann aber wieder verschwand, war einzusehen. Mit Lowell George verfügte die Band selbst über einen ausgezeichneten Slide-Gitarristen.

Gehörten Beefheart und Little Feat noch zum Umfeld von Frank Zappa, so wechselte Cooder Ende der 1960er-Jahre die Szene und spielte mit den Rolling Stones zusammen. Cooder hatte an den Aufnahmen an einigen Soundtracks mitgewirkt und bei seiner Arbeit an »Performance« Mick Jagger kennengelernt, der ihn für das Stones-Album »Let it bleed« (1969) engagierte. Das ihm angeblich gemachte Angebot, festes Mitglied der Band zu werden, schlug er aus. Aus seiner Zeit bei den Rolling Stones aber reklamierte er für sich, das Riff zu deren Hit »Honky Tonk Woman« erdacht zu haben.

1969 erhielt er einen Vertrag bei dem Schallplatten-Label Reprise Records, einem Unterlabel von Warner. Dieser Vertrag gab ihm die Möglichkeit, seine eigenen Vorstellungen von Musik zu verwirklichen und so hob er längst vergessene amerikanische Songs wieder ins Licht. So finden sich auf seinen in den 1970er-Jahren vorgelegten Platten Coon-Songs, Tex Mex Music, Musik von Hawaii, Country, Blues, Folk und Calypso. Er ging mit dem Jazzpianisten Earl Hines ebenso ins Studio wie mit dem mexikanischen Akkordeonisten Flaco Jiminez und den Gospel-Sängern Bobby King, Eldridge King und Terry Evans. Als Sessionmusiker arbeitete er in den 1970er-Jahren nur wenig, etwa für Randy Newman, Arlo Guthrie und Van Dyke Parks. Lieber huldigte er seinen eigenen Vorlieben, setzte sich für »Jazz« (1978) mit Ragtime und archaischem Jazz auseinander, für »Bop till you drop« (1979) »The Border« (1981) und »The slide area« (1982) mit dem Rhythm ’n‘ Blues der 1950er-Jahre. Dabei war er keineswegs ein rückwärtsgewandter Eigenbrötler, »Bop till you drop« war die erste digital aufgenommen Platte der Rockmusik.

»The Border« und »The slide area« waren Soundtracks, eine sich langsam entwickelnde Möglichkeit für Cooder, Musik zu machen. In den 1980er-Jahren wurde er geradezu Spezialist darin, bestimmte Themen mit der passenden Musik zu versehen. So holten ihn Regisseure wie etwa Wim Wenders sogar mehrfach, um die Musik für ihre Filme zu komponieren, zusammenzustellen und aufzunehmen. Cooder zeichnete verantwortlich für die Soundtracks von »Blue collar« (1979), »The long riders« (1980), »Southern comfort« (1981), »The Border«, »Paris, Texas« (1984), »Steel magnolia« (1989), »Last man standing« (1996) und weitere mehr.

Ende der 1990er-Jahre hatte er mit John Hiatt zusammengearbeitet und gründete mit ihm, dem Bassisten Nick Lowe und dem Schlagzeuger Jim Keltner – allesamt Größen ihres Faches – eine Art Feierabend-Band. Little Village, wie sich die Gruppe nannte, brachte es allerdings nur zu einer einzigen CD, die 1992 auf den Markt kam.

Zu dieser Zeit hatte sich Cooder schon wieder in seine eigenen Vorstellungen versenkt, welche Musik veröffentlicht und damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden sollte. Er nahm »A meeting with Ry Cooder« (1993) mit dem indischen Musiker V.M. Bhatt auf, und spielte 1994 für »Talking Timbuktu« mit dem westafrikanischen Gitarristen Ali Farka Touré im Duett. »Talking Timbuktu« brachte den beiden Musikern einen Grammy ein.

Mitte der 1990er-Jahre war er einem Hinweis auf den alten kubanischen Son nachgegangen und hatte auf der karibischen Insel eine Gruppe von Musikern gefunden – allesamt im Greisenalter –, die diese lateinamerikanische Liedform über Jahrzehnte am Leben gehalten hatte. Cooder produzierte unter dem Titel »Buena Vista Social Club« (1997) eine CD, die zu einem weltweiten Erfolg wurde, erst recht, als Wim Wenders die CD zum Anlass nahm, seinerseits einen Film über die Gruppe zu drehen. Der Sänger Compay Segundo, der Pianist Rubén Gonzáles, der Gitarrist und Sänger Ibrahim Ferrer, der Bassist Orlando López und der Gitarrist Eliades Ochoa erlebten daraufhin eine späte Weltkarriere und standen am Beginn einer Entwicklung, die in größerer Anerkennung lateinamerikanischer Musik mündete.

Cooder hatte sich da schon wieder anderer Musik zugewandt, der Musik lateinamerikanischer Einwanderer, die in Los Angeles ein eigenes Viertel bewohnten. 2005 veröffentlichte er unter dem Titel »Chávez Ravine« – so auch der Name des Stadtviertels – eine CD mit eben diesen Liedern. Von ganz anderer Art war »My name is buddy« (2007), ein Konzeptalbum über eine reisende Katze. Mit »I, flathead« wandte er sich 2008 wieder der musikalischen Archäologie in Kalifornien zu – bei diesen Songs geht es um einen Drag-Racing-Fahrer, einen Mann aus dem Weltraum und eine Frau aus Trona, Kalifornien. Gemeinsam mit »Chávez Ravine« und »My name is Buddy« bildet »I, flathead« die »Kalifornische Trilogie«.

Ry Cooder muss von zwei Standpunkten aus gesehen werden: Zum einen ist er einer der bedeutendsten Gitarristen der USA. Sein Spiel auf der Slide-Guitar ist von ganz eigenem Reiz und erzeugt eine geradezu bildhafte Stimmung von Weite und Einsamkeit. Manch eines der Bilder von Wim Wenders würde eines Teils seiner Wirkung beraubt, wären da nicht Ry Cooders subtiles Slide-Guitar-Spiel. Natürlich ist er ein hervorragender Rhythmusgitarrist und ein passabler Sänger, was er aber mit Bottleneck und sechs Stahlsaiten macht, ist einzigartig.

Zum anderen ist Cooder ein Musikforscher auf eigene Rechnung. Dass er 2000 die Ehrendoktorwürde der Queen’s University erhielt, ist die akademische Anerkennung dieser Arbeit. Das Etikett »Weltmusik«, häufig flugs für diese CDs vergeben, trifft den Kern der Sache indes nicht: Cooder suchte und fand regional oft auf einen sehr kleinen Bereich begrenzte Musik und brachte sie zurück ins Leben, so dass sie mitunter selbst einem Massenpublikum auffallen musste. Ihm selbst scheint es dabei weniger um eine quasi museale Rettung der Musik zu gehen, als vielmehr um einen Hinweis auf die Menschen, zu deren Leben diese Musik gehörte. So bilden seine CDs, auch die Soundtracks, die er für die Filme anderer schrieb, eine – noch nicht beendete – Gesamtschau auf die reiche Musik des Kontinents, die bei näherem Hinsehen Details von großer Schönheit offenbart.

Auszeichnungen

1988 Grammy
1993 Grammy
1994 Grammy
1997 Grammy
2003 Grammy in zwei Kategorien

Diskografie

Performance (1970)
Ry Cooder (1971)
Into the Purple Valley (1972)
Boomer’s Story (1972)
Paradise and Lunch (1974)
Chicken Skin Music (1976)
Showtime (1977)
Jazz (1978)
Bop Till You Drop (1979)
The Long Riders (1980)
Borderline (1980)
The Slide Area (1982)
Paris, Texas (1985)
Music from Alamo Bay (1985)
Blue City (1986)
Crossroads (1986)
Why Don’t You Try Me Tonight (1986)
Get Rhythm (1987)
Johnny Handsome (1989)
Little Village (1991)
Trespass (1993)
A Meeting By The River (1993; mit V.M. Bhatt)
Geronimo, An American Legend (1993)
King Cake Party (1994; mit The Zydeco Party Band)
Talking Timbuktu (1994; mit Ali Farka Touré)
Buena Vista Social Club (1997)
The End of Violence (1997)
Mambo Sinuendo (2003; mit Manuel Galbán)
Chávez Ravine (2005)
My Name Is Buddy (2007)
I, Flathead (2008)

Mit Rising Sons

Rising Sons (1992; Aufnahmen von 1965/66; mit Taj Mahal)

Weblinks

http://rycooder.njm.mine.nu (Website zu dem amerikanischen Blues- und Rockmusiker Ry Cooder)