Sister Rosetta Tharpe

Sister Rosetta Tharpe, eigentlich Rosetta Nubin, amerikanische Blues- und Gospel-Musikerin (Gesang, Gitarre), * Cotton Plant (Arkansas) 20.3. 1915, † Philadelphia (Pennsylvania) 9.10. 1973

Biografie

Rosetta Nubin begann bereits im Alter von vier Jahren im Rahmen der Predigten, die ihre Mutter, Katie Bell Nubin als Evangelistin der Church of God in Christ hielt, öffentlich aufzutreten. Angekündigt wurde sie als »Little Rosetta Nubin, the singing and guitar playing miracle«. Als ihre Eltern in der zweiten Häflte der 1920er-Jahre nach Chicago zogen, lernte sie Blues und den jungen Jazz kennen und brachte sich die für sie neuartige Musik selbst bei; in der Öffentlichkeit, bei den Zeltmissionen ihrer Mutter, sang sie weiterhin Gospel.
1934 heiratet sie Thomas Thorpe, ebenfalls Prediger bei der Church of God in Christ, doch währte die Ehe nur kurze Zeit. Rosetta Nubin behielt den Namen, wandelte ihn aber in Tharpe um. Noch mit Thorpe gemeinsam war sie nach New York gegangen, wo sich ihr die Möglichkeit bot, ihrer Musik aufzunehmen und auf Schallplatte zu veröffentlichen.
Die erste Schallplatte erschien bei Decca Records als Rückseite einer Aufnahme des Jazzorchesters von Lucky Millinder. Die Mischung von Gospelgesang und wilden Blues- und Jazz-Soli, von Rosetta Tharpe auf akustischer und elektrischer Gitarre vorgetragen, erregte zwar den Unwillen orthodoxer Kirchenbesucher, stieß aber bei einem säkularen Publikum auf Zustimmung Tharpe trat in dieser Zeit unter anderem mit Cab Calloway und Benny Goodman auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg – sie gehörte zu den wenigen Gospel-Musikern, die für das V-disc-Programm Aufnahmen für die kämpfende Truppe produzierte -, tat sie sich mit der Sängerin Marie Knight zusammen. Als Knight eine größere Öffnung zur Pop-Musik anstrebte, trennte sich das Duo, da Tharpe ihre musikalische Heimat im Gospel sah. Doch tat die Trennung von Knight auch ihrer Karriere nicht gut: Die Gospel-Hörerschaft goutierte die Rückkehr der Sängerin und Gitarristin nicht, und allmählich nahm ihr Erfolg und damit ihre Bekanntheit bei einem größeren Publikum ab.
In Europa indes, wo in den 1950er- und 1960er-Jahre Blues und Gospel von einer jungen Generation neu entdeckt wurde und entsprechend Festivals den Blues- und Gospel-Veteranen Auftrittsmöglichkeiten boten, war sie neben Größen wie Muddy Waters, Otis Spann, Brownie McGhee und Sonny Terry zu sehen und zu hören.
Nach einem Herzinfarkt 1970 schränkte sie ihre Konzerttätigkeit stark ein; 1973 erlitt sie einen weiteren Infarkt, an dem sie starb.
Die Platten, die Sister Rosetta Tharpe veröffentlichte und einige Filme zeigen eine Sängerin, die einerseits stark in der Gospel-Tradition verwurzelt, andererseits aber eine höchst außergewöhnliche Gitarristin war. So sang sie traditionelle Gospel-Songs in durchaus konventioneller Manier, führte dann aber Gitarrensoli vor, die weit voraus wiesen: Sie spielte elektrische Gitarre in einer eigenen Finger-Slide-Technik, durchsetzte die Linien mit diversen Bendings und dürfte zu den ersten Musikern gehören, die die elektrische Gitarre als eigenständiges Instrument sahen, das im Zusammenwirken mit dem Verstärker zu eigener Ausdruckskraft fähig war; in dieser Hinsicht ist sie – zu einem weit früheren Zeitpunkt – neben Jimi Hendrix zu stellen und bewies wie dieser, dass die wesentlichen Anregungen zum Spiel der elektrischen Gitarre – sei es in Jazz wie Rock – von Blues-Musikern ausgingen. Das Gitarrespiel etwa von Chuck Berry ist ohne die Spieltechnik von Sister Rosetta Tarpe – die diese schon in den 1930er-Jahren zeigte – undenkbar.



Diskografie

Gospel Train (1956)



Literatur

Wald, Gayle: Shout, Sister, Shout! – The Untold Story of Rock-and-Roll-Trailblazer Sister Rosetta Tharpe; Boston 2007