Willy DeVille

DeVille, Willy, eigentlich William Borsay, amerikanischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Komposition, Text), * Stamford (Connecticut) 25.8.1950, † New York 7.8. 2009.

Biografie

William Borsay verließ im Alter von 14 Jahren die Schule, ging nach New York und versuchte, in der Millionen-Metropole als Musiker Fuß zu fassen. Ende der 1960er-Jahre mutete sein starkes Interesse für den Blues und archaischen Rock ´n´ Roll aber einigermaßen eigenwillig an und so fand er nur schwer Musiker, die sein Interesse teilten und ihn in seinem Plan, eine entsprechende Band zusammenzustellen, unterstützen wollten. Dennoch brachte er eine Formation zusammen, die er Billy and the Kids nannte. Im Grunde war er aber nicht zufrieden mit seiner Band, löste sie nach kurzer Zeit wieder auf und ging nach London, um dort seinen Plan umzusetzen. In Großbritannien war man aber noch weniger interessiert an einem Amerikaner, der unbedingt den Blues singen wollte.

So kehrte William Borsay 1970 nach New York zurück und gründete erneut eine Band: The Royal Pythons. In der Götterdämmerung des Progressive Rock und der beginnenden Ära des britischen Punk war für Blues, Rhythm ´n´ Blues und Rock kein Platz. So löste er 1972 seine Band wegen Uneinigkeit über die musikalische Richtung wieder auf.

Borsay wechselte nach San Francisco, in der Hoffnung, in der Bay Area leichter gleichgesinnte Musiker zu finden. Tatsächlich konnte er 1974 mit dem Bassisten Rubén Sigüenza und dem Schlagzeuger Tom Allen ein Trio bilden. Wenig später stieß der Gitarrist Fast Floyd zu der Band, die Borsay Billy DeSade & the Marquis, gelegentlich aber auch The Lazy Eights nannte. Borsay selbst gab sich den Namen Willy DeVille. Verstärkt um den Gitarristen Louis X. Erlanger gingen die Musiker – nun unter dem Namen Mink DeVille – nach New York. Der Wechsel zahlte sich für die Band aus. Nach kurzer Zeit gehörten sie zu den »Hausbands« des Clubs CBGB und damit zu den Bands, deren Musik auch auf der Sammelplatte »Live at CBGB´s« (1976) vertreten war.

Die Auftritte im CBGB und einige wenige Aufnahmen reichten den Verantwortlichen von Capitol Records, die Band unter Vertrag zu nehmen. Für die erste LP der Band engagierte Capitol den renommierten Produzenten Jack Nitzsche. »Cabretta« erschien 1976. Nichts hatte die Musik mit Punk oder New Wave zu tun: DeVille hatte mit Nitzsche eine verwandte Seele gefunden, die wie er ihre musikalische Heimat im Blues, im frühen Rock und in den Songs des Brill Buildings hatte. Mit Nitzsche produzierte Mink DeVille noch zwei weitere Alben, »Return to Magenta« (1978) und »Le chat bleu« (1980). Vor allem »Le chat bleu« – da dem Album war auch der Bluessänger und Songschreiber Doc Pomus beteiligt -, stärkte den Ruhm des eigenwillig illustren und etwas altmodischen Sängers. DeVilles Renommee war inzwischen soweit gewachsen, dass ihn Atlantic Records unter Vertrag nahm – allerdings ohne seine Band. Zwar erschienen noch einige Platten unter der Bezeichnung Mink DeVille, ab 1987 veröffentlichte Borsay seine Platten unter dem Namen Willy DeVille.

Für »Miracle« (1987) tat er sich – nunmehr in Europa erfolgreicher als in den USA – mit dem britischen Gitarristen Mark Knopfler zusammen; der Chef der Dire Straits produzierte das Album und griff für den einen oder anderen Song auch zur Gitarre. Nicht zuletzt deshalb wurde das Album dann auch in den USA zur Kenntnis genommen. Der Song »Storyboook love« wurde als Titelsong des Films »The Princess Bride« (1987; Regie: Rob Reiner) für einen Grammy nominiert und DeVille spielte ihn im Rahmen der Preisverleihung. Den Preis selbst erhielt er dann doch nicht.

1988 verließ DeVille New York und wechselte nach New Orleans. Der Wechsel erfasste ihn emotional aufs Heftigste und hatte erheblich Auswirkungen auf seine Musik. Ein erstes Zeugnis davon legte die CD »Victor Mixture« ab, die er 1990 veröffentlichte. Die CD enthält Kompositionen von Musikern aus New Orleans, die wie etwa Allen Toussaint, Eddie Bo und Dr. John zum Teil auch an den Aufnahmen mitwirkten. DeVille hatte zu dieser Zeit allerdings keinen Vertrag mit einer überregional agierenden Plattenfirma und so erschien »Victory Mixture« auf einem winzigen in New Orelans beheimateten Label. Das Album stellte dennoch einen Wendepunkt in seiner Karriere dar: Er mischte weiterhin unter seinen Rhythm ´n´ Blues Lateinamerikanisches, Soul und Cajun Music, doch erhielten diese Stilmittel einen größeren Stellenwert. So machte er aus »Hey Joe«, eine Komposition von William Moses Roberts Jr., die in der Fassung von Jimi Hendrix weltberühmt wurde, ein hitziges Mariachi-Stück. In dieser Fassung hatte das Eifersuchtsdrama um den Mann, der seine Frau erschießen will, unerwartet großen Erfolg in Europa und stieg in einigen Ländern bis auf den ersten Platz der nationalen Hitparaden. DeVille nutzte das aufflammende Interesse und tourte ausgiebig durch den alten Kontinent. »Hey Joe« wurde zu einem Fixpunkt in seinen Auftritten. In den USA weiterhin ohne Vertrag, veröffentlichte das französische Label fnac music eine Live-CD, die die Atmosphäre der DeVille-Konzerte mustergültig einfing.

Niemandem verpflichtet, finanziell abgesichert durch seine Pferdefarm, die er gemeinsam mit seiner Frau Lisa betrieb, machte DeVille nur noch gelegentlich Platten. Für »Loup Garou« (1995) holte er Brenda Lee vors Mikrofon, machte dann wieder einige Jahre Pause und veröffentlichte 1999 »Horse of a different color«, dieses Mal zeitgleich in Europa und den USA.

Dann wandte sich das Schicksal gegen ihn: Seine Frau Lisa nahm sich das Leben, er selbst wurde in einen Autounfall verwickelt, bei dem er schwer verletzt wurde. Bald stellten sich finanzielle Probleme ein, so dass er mit seiner dritten Frau Nina nach New York ging und dort in einem kleinen Apartment wohnte. Willy DeVille starb im August 2009 an Krebs der Bauchspeicheldrüse.

Die Bühne war der eigentliche Lebensraum Willy DeVilles. Als er Ende der 1970er-Jahre in Europa bekannt wurde, galt er als eleganter, etwas geheimnisvoller Vertreter der amerikanischen New Wave. Dass er eher am Blues und an der frühen Rockmusik interessiert war und sich in einem diffusen Raum zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit bewegte, konnte er mit seinen Platten nur schwer vermitteln; zweifelsfrei war dies dem europäischen Publikum zunächst auch nicht recht klar. Auf der Bühne war sein Sendungsbewusstsein allerdings ebenso unübersehbar wie seine Ironie, die durchblicken ließ, dass er im Grunde aus einer anderen Phase der Rockgeschichte stammte: Mit lang wallendem schwarzen Haar, Menjou-Bärtchen, langem Gehrock und Rüschenhemd angetan, ließ er bei jedem Lächeln den Brillant in seinem Schneidezahn blitzen, zog bei fortgeschrittenem Abend langsam seinen Gehrock aus, öffnete das Hemd und ließ sich langstielige Rosen bringen, die er mit großer Geste an das Publikum verteilte. Er mimte den Latin Lover, verdeutlichte aber, dass man diesen nur mit einer gewissen intelligenten Ironie darstellen kann. In DeVilles Musik gab es nie Kompromisse, er wusste, welche Songs er singen wollte, welchen er zu seinem machen wollte. So stammen einige Klassiker der Rockmusik aus seiner Feder: »Lilly´s Daddy´s Cadillac«, »This must be the night«, »Bamboo road«, »Demasiado corazon«. Einzigartig war sein Gesang: Er knurrte, er raspelte, er brüllte und verlieh damit seiner Musik, abseits aller Ironie, aller Rüschenhemden, allen Mardi-Gras die eigentliche Glaubwürdigkeit.

Diskografie

Mit Mink DeVille

Cabretta (1977)
Return to magenta (1978)
Le chat bleu (1980)
Coup de grace (1981)
Where angels fear to tread (1983)
Sportin‘ live (1985)

Als Willy DeVille

Miracle (1987)
Victory mixture (1990)
Backstreets of desire (1992)
Live (1993)
Loup garou (1995)
A horse of a different color (1999)
Live in Berlin (2002)
Crow Jane Alley (2004)
Pistola (2008)

Weblink

http://www.willydevillemusic.com (Offizielle Website des amerikanischen Rocksängers Willy DeVille)