Johnny Cash

Cash, Johnny, eigentlich John R. Cash, angeblich aber J. R. Cash, amerikanischer Countrysänger, * Kingsland (Arkansas) 26. 2. 1932, † Nashville (Tennessee) 12. 9. 2003. Cashs Vorfahren stammten aus Schottland; seine Behauptung, er habe auch Cherokee-Indianer unter seinen Ahnen, nahm er später zurück.

Johnny Cash, Sohn des Farmers Roy Cash und dessen Frau Carrie Rivers Cash, wuchs in Dyess (Arkansas) auf. Roy Cash hatte seine Farm im Rahmen des von Präsident Franklin D. Roosevelt aufgelegten New-Deal-Programms erhalten. Das harte Leben auf der Farm brachte es mit sich, dass Johnny Cash und seine sechs Geschwister bereits als Kinder bei der Feldarbeit helfen mussten. Im Alter von 12 Jahren schrieb John Cash seinen ersten Song und begann Gitarre zu spielen. Nach dem Abschluss der High School arbeitete er bei der Autofirma Pontiac.

1950 ging Cash zur Army und wurde in der Bundesrepublik Deutschland in einer Nachrichtenabteilung in Landsberg eingesetzt. In seiner Freizeit vervollständigte er seine gitarristischen Fähigkeiten, schrieb Songs und gründete mit fünf Kameraden die Country-Gruppe The Landsberg Barbarians. 1953 gelang es ihm, mit »Hey Porter« erstmals einen Song zu veröffentlichen; »Hey Porter« wurde in der Army-Zeitung Stars and Stripes abgedruckt.

1954 verließ Johnny Cash die Armee, ging nach Memphis (Tennessee) und arbeitete als Vertreter für elektrische Hausgeräte, zeitweise auch als Ansager beim Rundfunk. Als er auf das Country-Trio The Tennessee Three traf, nahm auch seine musikalischen Ambitionen wieder auf und bestritt mit dem Trio zahlreiche Auftritte in und um Memphis. Zu dem Trio gehörten der Gitarrist Marshall Grant, der Gitarrist Luther Perkins und der Steel-Gitarrist Red Kernodle, der die Gruppe allerdings bald verließ. Im selben Jahr heiratete Cash seine erste Frau Vivian Liberto; das Paar ließ sich 1967 scheiden. Mit Vivian Liberto hatte Cash vier Töchter, von denen die Älteste, Rosanne, später ebenfalls eine musikalische Karriere als Countrysängerin einschlug.

Beeindruckt von dem Erfolg, den der junge Elvis Presley mit seinen ersten Aufnahmen hatte, versuchten Cash, Perkins und Grant 1955, ebenfalls bei dem Label Sun Records, bei dem Presley seien Platten veröffentlichte, einen Vertrag zu bekommen. Label-Eigner Sam Phillips sah indes für die von dem Trio vorgeschlagenen Gospel-Songs keinen Markt und gab den Musikern erst einen Vertrag, als die sich von ihm überreden ließen, es als Country-Gruppe zu versuchen. Perkins wechselte zur elektrischen Gitarre, Grant zum Bass und Cash wurde von Phillips von John zu Johnny umbenannt. Phillips hatte allerdings nicht übersehen, dass Cash mit »Hey Porter« schon einen guten Country-Song geschrieben hatte und der von dem Sänger ins Spiel gebrachte Song »Cry cry cry« versprach ihm einigen Erfolg. Die Single mit den beiden Songs wurde Mitte 1955 veröffentlicht und bestätigte Phillips Hoffnungen: in Memphis erreichte die Single den ersten Platz der örtlichen Hitparade, in den landesweiten Charts stieg der Song bis auf Platz 14. Ein für Cash willkommener Nebeneffekt des Engagements bei Sun Records war, dass er mit seiner Band auch im Rahmen von Presleys Konzerten auftreten konnte. 1956 hatte Cashs Erfolg eine derartige Dimension erreicht, dass er seine Arbeit als Vertreter aufgeben und endgültig eine Karriere als Musiker beginnen konnte.

Bereits in den ersten Monaten seiner Karriere legte Johnny Cash die Grundsteine seiner Kariere. Seine Songs »Folsom prison blues« und »I walk the line« gelangten in die Top-Ten der Country Charts und in die Top-Twenty der allgemeinen Hitparaden. Er trat in der Radio-Show Grand Ole Opry auf und gehörte damit zum Kreis der etablierten Country-Musiker.

Gegen Ende der 1950er-Jahre öffnete er seine Musik vorsichtig der Pop- und Rockmusik. 1958 wechselte er von Sun Records zu Columbia Records und veröffentlichte Anfang 1959 das Album »The Fabulous Johnny Cash«, das erste seiner Alben, das in den allgemeinen Charts Erfolg hatte.

1960 trat Cash erstmals im Gefängnis San Quentin auf, unter seinen Zuhörern angeblich der Country-Musiker Merle Haggard. Dem ersten Auftritt folgten später weitere Auftritte in San Quentin und anderen Gefängnissen. Der Druck der ständigen Konzertreisen begann seinen Tribut zu fordern: Cash wurde tabletten- und alkoholabhängig, trennte sich von seiner Familie und hielt sich häufig im Greenwich Village in New York auf. Seine Karriere dümpelte vor sich hin.

1963 wendete sich das Blatt für den Musiker. Sein Album »Blood, sweat and tears« kam in die Hitparaden, die Single »Ring of wire« gar in die Top Twenty der US-Charts. An dem Song waren als Co-Autoren auch Merle Haggard und die Country-Sängerin June Carter beteiligt.

Abgesehen von diesen Erfolgen allerdings näherte sich Cashs Leben einem Tiefpunkt: Ende 1965 war er wegen Drogenbesitzes kurzzeitig inhaftiert worden, 1967 fand man ihn, aufgrund seines Drogenmissbrauchs in lebensbedrohlicher Situation, in einem Hotelzimmer in Georgia. Noch im selben Jahr ließ sich seine Frau von ihm scheiden.

Auf den Erfolg seiner Musik hatte seine persönlichen Probleme keinen Einfluss. Seine Platten waren auch in den allgemeinen Pop-Charts immens erfolgreich, Anfang 1968 erhielt er gemeinsam mit June Carter einen Grammy und heiratete im März die Sängerin. Sein im Folsom-Gefängnis aufgenommenes Album »Johnny Cash at Folsom Prison« geriet zum Erfolg nicht nur in den USA – wo die Platte 122 Wochen lang in den Hitparaden verzeichnet wurde – sondern auch in Großbritannien.

Cashs Erfolg reichte schon gegen Ende der 1950er-Jahre über den Kreis der Country Music hinaus. Seit Mitte der 1960er-Jahre hatte er die neuen Strömungen im Rock und in der Folk Music beobachtet, 1964 mit »It ain´t me babe« einen Song von Bob Dylan aufgenommen. Anfang 1969 kam es dann in Nashville zu gemeinsamen Plattenaufnahmen, doch erschien von diesen Duetten nur »Girl from the North Country« auf Dylans LP »Nashville skyline«. Für die Liner Notes, die Cash zu dem Album beigesteuert hatte, erhielt er im folgenden Jahr einen Grammy.

Auf der anderen Seite nahm Cash »Then Holy land«, ein Album mit Gospel-Musik auf. Immensen Erfolg hatte er mit dem Live-Album »Johnny Cash at San Quentin«, das vier Wochen lang die Top-Position der allgemeinen US-Charts einnahm und auch in Großbritannien in die Top Ten gelangte. Vor allem der Song »A boy named Sue« wurde millionenfach verkauft, obwohl der nicht von Cash, sondern von Shel Silverstein geschrieben worden war. Cashs Reputation war mittlerweile so groß, dass er bei dem Fernsehsender ABC eine eigene Show erhielt, in der er neben Carl Perkins und der Carter Family regelmäßig mit seiner Band The Tennessee Three auftrat.

Die 1970er-Jahre waren zwar einerseits eine Zeit der Konsolidierung für Johnny Cash – die Platten kommerziell weiterhin mehr oder weniger erfolgreich, stetig der Strom der Auszeichnungen -, andererseits schien er auf der Suche nach neuen Zielen, die er in der Religion fand. 1971 war er nach Israel gereist und hatte unter dem Titel »Gospel road« einen Film gedreht. An dem Album »Man in black« war der Fernsehprediger Bill Graham an einem Duett mit Cash beteiligt; 1973 stand Cash gemeinsam mit Graham und Cliff Richard im Wembley-Stadion auf der Bühne. Die Bezeichnung Man in black ging auf Cash über. Religiösen Themen widmete er sich in der Folge immer wieder, bis an sein Lebensende. So erschien 1972 das Album »A thing called love«, an dessen Aufnahmen auch der Evangel Temple Choir teilgenommen hatte; der Kreis schloß sich 2004 mit der CD-Box »My mother´s hymn book«, die vor allem religiös bestimmte Lieder enthielt.

Cash war spätestens gegen Ende der 1970er-Jahre zu einer Ikone der Country Music geworden. In den 1980er-Jahren veröffentlichte er selbst nur wenige Platten, vorrangig Best-of-Sammlungen unter verschiedenen Titeln. Dafür tat er sich mit den alten Haudegen der Country Music einerseits, der frühen Rockmusik andererseits zusammen: Mit Kris Kristofferson, Waylon Jennings und Willie Nelson bildete er 1985 The Highwayman, mit Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Roy Orbison veröffentlichte er 1986 die LP »Class of ´55«. Mit »Heroes« erschien im selben Jahr ein Platte, die er gemeinsam mit Jennings eingespielt hatte. Auf seiner Platte »Water from the wells of home« von 1988 waren Paul McCartney, The Everly Brothers, Waylon Jennings, Emmylou Harris, Hank William Jr. und seine Tochter Rosanne Cash zu hören. Den Schlusspunkt des Jahrzehnts setzte er mit »Boom Chicka Boom«.

Anfang der 1990er-Jahre war Cash in einigen Fernsehfilmen und -serien aufgetreten und es schien, als liefe seine jahrzehntelange Karriere langsam aus. 1993 zeigte der Inhaber und Produzent des Hip-Hop- und Metal-Labels Def American, Rick Rubin, Interesse an Johnny Cash und bot ihm einen Vertrag an. Cash unterschrieb und besiegelte damit eine der fruchtbarsten Zusammenarbeiten der Rockgeschichte.
Gemeinsam mit Cash entwickelte Rubin einen neuen Klang für Cash, reduzierte die Arrangements zahlreicher Songs auf die nur von einer akustischen Gitarre begleiteten Stimme des Sängers. Das Ergebnis, »American Recordings«, bedeutete für Cash ein unerwartetes Comeback. Rubin produzierte weitere CDs mit Cash, zog Musiker wie Carl Perkins, Joe Strummer und Tom Petty mit dessen Band hinzu. Cash sang eigene Lieder wie Songs anderer Musiker, doch machte er jede Komposition, jeden Text gleichermaßen zu seiner Sache. Die letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte CD der American-Serie, »The man comes around«, brachte ihm einen letzten großen Erfolg, als sie bis auf Platz zwei der Country-Charts stieg.

Zu dieser Zeit war Johnny Cash bereits ein schwer kranker Mann. Er litt an einer Erkrankung es Nervensystems, die der Parkinson-Krankheit ähnlich, seine Bewegungsmöglichkeiten drastisch einschränkte. Um weiter aufnehmen zu können, richtete er sich neben seinem Wohnhaus in einem kleinen Blockhaus ein Studio ein. Hier entstanden zahlreiche Aufnahmen der American-Serie.

Im Mai 2003 starb seine Frau June Carter. Wenige Tage später ging Johnny Cash wieder in sein Studio und im Juli 2003 trat er noch einmal öffentlich auf.

Johnny Cash starb am 12. September 2003 in Nashville. Nach seinem Tod wurden unter dem Titel »Personal file – Homrecordings« zahlreiche Aufnahmen veröffentlicht, die Cash im Laufe der Jahrzehnte eingespielt hatte, ohne zunächst an eine Veröffentlichung zu denken. Die fünfte und letzte CD der American-Serie, »A hundred higways«, kam 2006 auf den Markt und enthielt auch den letzten von ihm komponierten Song. »Liebe the 309«. Die CD erreichte den ersten Platz der Country-Hitparade.

Am Ende seiner Karriere setzte Johnny Cash sich mit Hilfe Rick Rubins selbst ein Denkmal: Der unbestechliche Amerikaner, dessen Leben auf den Säulen Familie, Religion, Liebe zur Heimat ruht. Cash hatte alle Höhen und Tiefen des Daseins als Musik-Star durchlebt. Er war immens erfolgreich und sah seine Karriere abfallen. Er war drogen- und alkoholabhängig gewesen und hatte seine Sucht bezwungen. Er hatte sich an seinem Land gerieben und war für unterprivilegierte Menschen eingetreten, nicht zuletzt mit seinen Gefängnisauftritten, für die er sich nicht bezahlen ließ. Er hat für seine Musik zahlreiche Ehrungen erhalten und dem American Songbook nicht wenige Songs hinzugefügt. Und schließlich hat er nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Country Music nicht nur als »Redneck Music« angesehen wurde und zumal in Europa bei einem jungen Publikum Anerkennung fand. Vor allem mit den Aufnahmen der American-Serie gewann er neue Zuhörer für die Country Music und zeigte mit seinem ausgesparten Gitarrespiel und brüchiger Stimme, dass es abseits der polierten Produktionen aus Nashville auch eine andere, authentische amerikanische Musik gibt.