Lyle Lovett

Lovett, Lyle Pearce, amerikanischer Countrymusiker (Gitarre, Gesang, Text, Komposition), * Klein (Texas) 1. 11. 1957.

Lyle Lovett wuchs in der texanischen Dorfgemeinschaft Klein auf, die nach ihrem bayerischen Gründer Adam Klein, Lovetts Ururgroßvater, benannt ist. Die deutsche Herkunft war ein Grund, neben Journalistik Deutsch zu studieren und Europa zu bereisen. Neben seinem Studium begann Lovett, Songs zu schreiben und – da er niemanden fand, der diese Stücke auch singen wollte – selbst aufzutreten. So gehörte er bald zu der Handvoll junger Folk- und Country-Musiker, die im Anderson Fair Retail Restaurant in Houston (Texas) regelmäßig auftraten. Auch die Folksängerin Nanci Griffith gehörte zu dieser Gruppe und sie holte ihn zu den Aufnahmen ihrer beiden ersten Alben; Lovett ist sogar auf dem Cover ihres zweiten Albums zu sehen (»Last of the true believers«, 1986).
Zu dieser Zeit hatte Lovett noch keinen einzigen seiner Songs aufnehmen können. Sein erstes Album konnte er erst einspielen, nachdem der Country-Musiker Guy Clark ihm einen Vertrag mit dem Schallplatten-Label Curb Records, einem Unterlabel von MCA Records, vermittelt hatte. Sein mit seinem Namen betiteltes Debütalbum (»Lyle Lovett«, 1986) fand allerdings wenig Verständnis beim Country-Publikum. Die eigenwilligen Songs Lovetts kamen aber bei den Hörern der Universitäts-Radiostationen an, die die typischen Nashville-Songs nicht hören mochten. Lovett hatte junge, unbekannte Musiker ins Studio geholt, Country mit Jazz gemischt und jammernde Steel Guitars weggelassen. An diesem Konzept hielt er fest und veröffentlichte 1987 »Pontiac« – immerhin war es ihm gelungen, Emmylou Harris zu sich ins Studio zu bitten. Mittlerweile hatte er eine Schar von Rock-, Jazz-, Country- und Soulmusikern um sich geschart und ging mit dieser »Large Band« auf Tour. Bis dahin hatte er seine Auftritte zumeist allein mit dem Cellisten John Hagen bestritten. Die Large band nun ermöglichte es ihm nun, seine Songs in einem breit aufgefächerten Klangbild zu präsentieren. Mit dem Album »Lyle Lovett and his Large Band« vermochte er zwar wiederum nicht das Country-Publium für sich zu gewinnen – zu schwarz war hier und da seine Musik, zu skurril und hintersinnig manch einer seiner Texte -, doch waren längst viele Rockhörer auf den Mann mit der hochgetürmten Lockenfrisur aufmerksam geworden.
Der Menschheit bekannt wurde Lovett aber so recht erst, nachdem er 1993 den Filmstar Julia Fiona Roberts geheiratet hatte; die Ehe scheiterte bereits 1995. Während dieser Zeit legte Lovett zwei seiner interessantesten Alben vor, »I love everybody« 1994 und »The road to Ensada« 1996. Er konnte sich zwar eine kleine Sottise gegen seine Ex-Ehefrau nicht verkneifen (»The one-eyed Fiona«), doch enthalten diese beiden Alben Songs mit berückend schönen Melodien, ausgetüftelten Arrangements und bösen Texten, die kühl die Hölle unter der dünnen Schicht der Zivilisation präsentierten.
Bald danach machte Lovett Ernst und veröffentlichte traditionelle Country-Songs in mustergültigen Interpretationen. Doch ging er nach der Jahrtausendwende nur noch selten ins Sutdio und seine CDs, etwa »It´s Not Big It´s Large« (2007) wurden in Europa zunächst nicht veröffentlicht.
Mit Beginn seiner Karriere als Musiker ist Lovett auch immer wieder in Kino- und Fersehfilmen als Schauspieler aufgetreten. Mitunter spielte er sich selbst, zumeist aber übernahm er kleinere Rollen eigensinniger Charaktere.
Lovett ist einer der »europäischsten« amerikanischen Musiker überhaupt. Zwar sind die Sujets seiner eigenen Songs durch und durch amerikanisch, dem Sänger selbst ist aber der oberflächliche Daueroptimismus seiner Landsleute längst abhanden gekommen. Dem routinierten Schönklang aus Nashville hat er stets misstraut und statt dessen Melancholie und Einsamkeit, die integraler Bestandteile beinahe jedes wirklichen Country-Songs sind, mit einem mitunter sarkastischen Unterton um Weniges mehr ins Zentrum geschoben. Die Musik ist nur ausnahmsweise Country Music, die Musiker seiner Large Band beherrschen beinahe jede Art von Musik von Pop bis Jazz. Country ist da nur ein Element von vielen.



Auszeichnungen

1990 Grammy
1995 Grammy in zwei Kategorien
1997 Grammy



Diskografie

Lyle Lovett (1986)
Pontiac (1988)
Lyle Lovett and His Large Band (1989)
Joshua Judges Ruth (1992)
I love Everybody (1994)
The Road to Ensenada (1996)
Step Inside This House (1998)
Live in Texas (1999)
Anthology, Vol. 1: Cowboy Man (2001)
Smile (2003)
My Baby don’t Tolerate (2003)
It’s not Big it’s Large (2007)
Natural Forces (2009)



Filme

The Player (1992)
Short Cuts (1993)
Prêt-à-Porter (1994)
Bastard out of Carolina (1996)
Breast Men (1997)
Fear and Loathing in Las Vegas (1998)
The Opposite of Sex (1998)
Cookie’s Fortune (1999)
Three Days of Rain (2002)
The New Guy (2002)
The Open Road (2008)



Weblinks

http://www.lylelovett.com (Offizielle Website des amerikanischen Sängers und Musikers Lyle Lovett)