Afroamerikanische Musik

Afroamerikanische Musik, Sammelbegriff für in Amerika entstandene Musik der nach Amerika in die Sklaverei verschleppten Afrikaner und ihrer Nachkommen; der Begriff ist eher unscharf, zumal mitunter nicht zwischen den unterschiedlichen Spezifika hinsichtlich der USA, Lateinamerika und der Karibik unterschieden wird. Auch wird der Anteil der von den nach Amerika eingewanderten Europäern an der Musik der schwarzen Sklaven mit dem Begriff nicht erfasst.

Seit dem 16. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts verschleppten portugiesische, spanische und englische Handelsunternehmen vermutlich mehr als zehn Millionen Afrikaner nach Südamerika und in die Südstaaten der USA; oft waren die Afrikaner zuvor von arabischen Menschenhändlern gefangen genommen worden. Die Menschen stammten zum großen Teil zwar aus den westlichen Gebieten Afrikas, zum Teil aber auch aus anderen Teilen des Kontinents. Die Afrikaner brachten zwar ihre Musik als Teil ihrer Kultur mit nach Amerika, durften sie aber in der Regel nicht ausüben, da von den Sklavenhaltern befürchtet wurde, sie könnten die Musik als Verständigungsmittel nutzen und somit Aufstände verabreden. Das Wissen um die Wurzeln ihrer Kultur ging den schwarzen Sklaven dennoch nicht vollständig verloren, sondern fand ihren Ausdruck etwa im Instrumentenbau. Auch wurden Eigenheiten der verschiedenen Musik aus Afrika auf die in Amerika ausgeübte Musik übernommen.

Zur afroamerikanischen Musik der USA zählen Spirituals, Ragtime, Worksongs, Blues, Jazz, Gospel, Soul, Hip Hop und Teile der Rockmusik. Subsumiert wird diese Musik mitunter unter dem Begriff Schwarze Musik. Als Elemente schwarzafrikanischer Musik gelten insbesondere bestimmte metrische und rhythmische Eigenheiten – wie etwa der Off Beat –, wie auch melodische Besonderheiten wie etwa die Blue Notes, also die niedrig intonierte Terz und Septime. Eben die vorgenannten Elemente finden sich aber mittlerweile auch in anderer amerikanischer Musik, die in jüngerer Zeit unter dem Begriff Americana zusammengefasst werden.

In der Karibik und in Lateinamerika verlief die Entwicklung zwar ähnlich wie in den USA – auch hier vermischte sich die schwarzafrikanische Musikkultur – sofern überhaupt geduldet – mit der Musik der europäischen Einwanderer, doch war die auf diese Weise entstandene lateinamerikanische Musik robuster gegen Einflüsse aus dem Norden, während umgekehrt die lateinamerikanischen Musik einigen Einfluss auf die Musik der USA allgemein, aber eben auch auf die Schwarze Musik nahm.

Literatur

Lomax, John A./Lomax, Alan: Negro Folk Songs; New York 1936
Dauer, Alfons M.: Geschichte des europäischen und afrikanischen Sklavenhandels; in: Jazzforschung, Jg. 10, Graz 1978