Ambient Music

Ambient, Kurzform für Ambient Music, auch Ambientmusic oder Ambient Sound, englisch für etwa »Umgebungsmusik«, zum Artefakt gewordene Musik, wie sie zur Beschallung öffentlicher Gebäude oder Einkaufszentren eingesetzt wird; der Begriff wurde um 1975 von dem britischen Musiker Brian Eno geprägt. Ambient Music zählt zur funktionalen Musik.

Musik im öffentlich zugänglichen Raum wird zwar oft mehr oder willkürlich nach Geschmacksvorlieben ausgewählt, doch gibt es auch spezielle Typen von Musik, die vorrangig zur Beschallung dieser Räume gedacht sind. So stellt etwa die amerikanische Firma Muzak Musik für derartige Zwecke her. Die Kennzeichen der Musik sind gleichzeitig die Bedingungen, die für sie gelten: Geringe Dynamik, einfach strukturiert, unauffälliger Klang, kein Gesang.
Eno griff diese Voraussetzungen auf und produzierte unter dem Titel »Music for Airports« (1978) eine LP. Nach Enos Willen sollte die Musik tatsächlich in der Öffentlichkeit eingesetzt werden: Zeitwiese war sie im Marine Air Terminal des New Yorker Flughafens La Guardia zu hören.
Entsprechend der Vorgabe Enos ist Ambient Music eine unauffällige Musik, der man zuhören kann, die sich aber dem Hörer nicht aufdrängt. Umgebungsgeräusche des Abspielorts bilden einen integralen Bestandteil der vor allem mit Hilfe von elektronischen Klangerzeugern und Effektgeräten produzierten Musik. Natürlich Geräusche spielen ebenso eine gewisse Rolle wie die Klänge einiger traditioneller Instrumente, vorrangig Klavier und Flöten; mitunter werden Vokalklänge eingesetzt, stets aber ohne Text. Schlaginstrumente dagegen fehlen ganz oder spielen eine höchst untergeordnete Rolle. Die Musik soll dem ersten Eindruck nach auch gar nicht strukturiert wirken, sondern es dem Hörer ermöglichen, sie auch mehrmals hintereinander hören zu können – er soll also gar nicht bemerken, dass sie in gewissen Abständen wieder aufs Neue abgespielt wird.
Die Musik Enos wurde von einer Reihe von Musikern aufgegriffen. Dabei ging die weitere Entwicklung in mehrere Richtungen: Zum einen wurden die Kriterien der Musik tatsächlich für funktionale Musik verwendet bis hin zur New-Age-Musik, wie sie zur Erzeugung einer besänftigenden Atmosphäre etwa in Arztpraxen verwendet wird. Zum anderen fand derartige »atmosphärische« Musik seit den 1980er-Jahren Eingang in die jüngere Tanzmusik und wurde im Kontrast zu House und Techno gesetzt, dann auch als »Musik während des Ausruhens«. Zu den Musikern und Formationen , die sich in diesem Bereich der elektronischen Musik einen Namen machen konnten, gehören etwa Aphex Twin, The Orb, Peter Baumann, Bill Laswell, aber auch Cocteau Twins, Nine Inch Nails, Michael Nyman, Dead Can Dance; kaum einer der Vorgenannten aber widmete sich dieser Art von Musik ausschließlich.
Von vielen weniger wohlmeinenden Zuhörern wird Ambient Musik als »Klangtapete« bezeichnet. Tatsächlich soll diese Musik ja auch den Eindruck unauffälliger Anwesenheit bieten, wie ihn etwa auch der französische Komponist Erik Satie mit seiner »Musique d’ ameublement« (1917) hervorrufen wollte. Die Ironie Saties ist zwar unübersehbar, die Idee als solche fand aber Anklang etwa bei John Cage und Morton Feldman, aber auch bei Steve Reich und Terry Riley, Phil Glass und La Monte Young. Deren Minimal Music hatte denn auch einigen Einfluss auf die Protagonisten der Ambient Music. Ob man auf der anderen Seite allerdings beinahe die gesamte Riege der deutschen Elektronik-Musiker von Tangerine Dream bis Can, von Klaus Schulze bis Kraftwerk dazu zählen sollte, bleibt einigermaßen fragwürdig, weichen doch deren Intentionen erheblich von denen Enos ab. Keine Frage ist dagegen, dass sich in Ambient erprobte und geläufige kompositorische Mittel wie Mittel der Klanggestaltung und –fortschreitung etwa im jüngeren Progressive Rock in großer Zahl finden lassen, so etwa bei den Bands Porcupine Tree, No-Sound und Anathema.
Ambient seinerseits ist mittlerweile natürlich in diverse Stile aufgesplittert, deren Namen noch der größte Unterschied zwischen den Ausprägungen der Musik ist: Ambient House, Ambient Techno, IDM (Intellegent Dance Music), Downtempo Music, Chill-out Music, Organic Ambient Music, Natur-inspired Ambient Music, Dark Ambient, Ambient Industrial und Space Music sind nur einige der vielen Bezeichnungen.



Literatur

Kleiner, Marcus S./Szepanski, Achim (Hrsg.): Soundcultures; Frankfurt/Main 2003



Weblink

http://ambientmusicguide.com/ (Website mit ausführlichen Informationen zur Ambient Music)