Amen Break

Amen Break, viertaktiger Schlagzeug-Break, 1969 von der amerikanischen Band The Winstons als Teil des Instrumentalstücks »Amen, Brother« aufgenommen; der Break spielt als Sample in diversen Dancefloor-Stilen eine herausragende Rolle.

The Winstons waren eine Top-40-Band The Winstons, davon lebte, die jeweils aktuellen Songs der Top-40-Hitparade im Repertoire zu haben. Ohne Ambitionen auf eine größere Karriere als Rockband verdingten sich The Winstons, eine aus schwarzen und weißen Musikern bestehende Band, sich als Begleitband für Curtis Mayfield. Entsprechend den damaligen Gepflogenheiten betrat bei Konzerten zunächst die Band die Bühne und begann zu spielen, erst später kam der eigentliche Star des Abends hinzu. Um diese Zeit zu füllen, spielten die Bands häufig Instrumentalstücke. Eben ein solches Instrumentalstück war »Amen, Brother«. Als die Band ihre einzige Eigenkomposition, »Color Him Father« für eine Single einspielte, wurde »Amen, Brother« für die B-Seite der Single gleich mit aufgenommen.

Bis Ende der 1980er-Jahre erinnerte sich niemand an die namenlose Band und die B-Side ihrer einzigen Single. Anfang der 1990er-Jahre wurde der Break aber von einigen britischen Jungle-Musikern als Sample verwendet und erlebte eine beispiellose Karriere: Als komplettes Sample des Originals, in Bruchstücken von Samples, in Sequencern nachgebaut, im Tempo verlangsamt – die Aufnahme der Winstons läuft mit etwa 170 BPM –, aber auch beschleunigt, in seine Einzelteile zerlegt ist er seitdem Bestandteil zahlloser Produktionen der jüngeren Dancefloor-Musik.

»Amen, Brother« war bereits eine Reaktion auf einen bestehenden Song: Der amerikanische Schauspieler und Komponist Jester Joseph Hairston hatte 1963 für einen Film den Song »Amen« geschrieben, der den Winstons als Grundlage ihres Instrumentals »Amen, Brother« diente. An dem Song waren die jungen Rave-, Jungle- und Drum’n’Bass-Musiker in Großbritannien aber weniger interessiert, vielmehr dafür an dem Schlagzeug-Break.

Für einen Drum-Break ist der Amen Break relativ lang, ganz sicher handelt es sich aber nicht um ein Schlagzeug-Solo. Es sind insgesamt vier Takte, von denen die ersten drei völlig gleich sind.

Amen Break

Amen Break

Der Schlagzeuger der Band, Gregory Cylvester Coleman (* 1944, † 2006), griff seinerzeit gängige Soul-Pattern auf und konstruierte daraus ein auf den Klängen von Bass Drum, Snare Drum und Ride-Becken beruhendes Pattern. Auch der Gesamtklang des Breaks lehnte sich an seinerzeit gängige Vorstellungen vom Klang eines im Soul eingesetzten Schlagzeugs an und unterschied sich nicht von dem Schlagzeug-Klang diverser Stax-Aufnahmen. Coleman hatte Schlagzeug unter anderem für Otis Redding, The Marvelettes und eben Curtis Mayfield gespielt. So wich der Break für »Amen, Brother« nur unwesentlich von anderen ab. Bemerkenswert aber war – und das dürfte der Grund dafür sein, dass er das Interesse der Dancefloor-Musiker erregte – dass hier vier Takte, also eine komplette Periode, isoliert, ohne jeden weiteren Instrumentalklang, zur Verfügung stand, also leicht als Sample aus der Aufnahme herausgelöst und in anderer Musik verwendet werden konnte.

Der Amen Break wurde von diversen Musikern ganz oder teilweise verwendet, zumal er schon 1986 auf einer Sample-CD als Bruchstück zu finden war. So ist der Break bei Dancefloor-Produktionen wie im Hiphop, bei 2Live Crew, Dr. Dre, Nice & Smooth und bei Rockbands wie Nine Inch Nails zu hören.

Coleman hat für den so häufig verwendeten Break nie Tantiemen erhalten. Tatsächlich dürfte die Originalität des Breaks so gering sein, dass er Ansprüche an der Urheberschaft juristisch kaum hätte geltend machen können. Vermutlich würde man bei intensiver Suche eben den Amen Break oder eine nur um Nuancen abweichende Version des Breaks bei diversen Schlagzeugern finden.