Backmasking

Backmasking, zusammengesetzt aus englisch back für »zurück, rückwärts« und masking für »verdecken«, fälschlich auch Backward masking, Bezeichnung für rückwärts abgespielte Aufnahmeabschnitte, die einer neuen, normal vorwärts abzuspielenden Aufnahme hinzugefügt werden. Wird diese Aufnahme ihrerseits rückwärts abgespielt, so kann das ursprüngliche Bruchstück wieder korrekt gehört werden.

In der Regel stand – und steht – die Absicht dahinter, einen Klang durch Rückwärts-Abspielen interessant zu machen, also als Effekt zu nutzen. In diesem Sinne wird beispielsweise schon mal ein Beckenklang rückwärts abgespielt und in einen ansonsten völlig normalen Song eingebaut; gleiches wird auch mit Klavier- und Gitarrenklängen gemacht, also allemal mit anhaltenden, allmählich sich in der Lautstärke verringernden Klängen, die dann in der endgültigen Produktion aus dem Nichts aufzutreten scheinen, sich dynamisch aufbauen und abrupt enden. Bekannte Beispiele im Sinne eines zusätzlichen Effektes bieten einige Aufnahmen der Beatles, so etwa »Tomorrow Never Knows« (1966), »For the Benefit of Mr. Kite« (1967) und »Revolution No. 9« (1968).

Angeblich soll diese Technik – für deren Durchführung Tonbandgeräte notwendig sind, die das Band gleichermaßen exakt vorwärts wie rückwärts transportieren können – aber auch dazu benutzt worden sein, »geheime« Botschaften auf Schallplatten unterzubringen, die den Hörer beeinflussen oder sogar zu einem bestimmten Tun anhalten sollen, ohne dass ihm dies bewusst wird. Natürlich enthält keine einzige Schallplatte den Hinweis auf eventuell vorhandenes Backmasking. So soll der amerikanische Rockmusiker Frank Zappa die Technik 1968 benutzt haben, um mittels seines Albums »We’re Only In It For The Money« eine politische Botschaft an die Hörer zu übermitteln.

Gerade in dieser Hinsicht ist Backmasking höchst umstritten. Abgesehen von der technischen Schwierigkeit, es zu entdecken und damit zu entlarven – die Schallplattenaufnahme muss auf ein Tonband überspielt werden, und es muss ein Tonbandgerät vorhanden sein, dass diese Aufnahme dann auch rückwärts abspielen kann –, erfordern die einschlägig bekannten Beispiele beim Hörer ein höchst differenzierendes Gehör wie unbedingt auch blühende Fantasie, um die angebliche Botschaft zu entdecken. Dennoch gibt es mittlerweile zahllose Beispiele, die sich indes nur Eingeweihten offenbaren. Wie so oft, sollen auch hier die Beatles die Avantgardisten gewesen sein: In dem Song »I’m So Tired« (The Beatles, 1968), soll Lennon angeblich murmeln »Paul Is Dead, Man, I Miss Him, I Miss Him«; einen ähnlichen Inhalt soll ein in »Revolution No. 9« per Backmasking versteckter Satz haben. Beide Beispiele gehören zu dem unausrottbaren Mythos, Paul McCartney sei im Alter von 28 Jahren verstorben und werde seitdem von einem Schauspieler dargestellt.

Besonders häufig werden Heavy-Metal-Bands mit dem Backmasking in Verbindung gebracht, da diese sich gern selbst mit »satanischen«, also okkulten Themen in Verbindung bringen. So sollen die meisten Backmasking-Botschaften eben derartige Themen transferieren. Die britische Heavy-Metal-Band Judas Priest musste sich deswegen sogar vor einem amerikanischen Gericht verantworten: Die Eltern zweier Jugendlicher, ausgewiesene Fans der Band, hatten die Musiker 1985 verklagt, auf dem Album »Stained Glass« (1978) die Worte »Do It« mittels Backmasking eingefügt und damit die Jugendlichen provoziert zu haben, die auf dem Cover abgedruckten Buchstaben SUI – für englisch: Suizid –, als Aufforderung zu verstehen, sich umzubringen; einem der Jugendlichen gelang dies. Mangels wissenschaftlicher Haltbarkeit – es gibt bis dato kaum belastbare wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens – wurden die Musiker freigesprochen.

Ähnliche Vorwürfe trafen die Bands Led Zeppelin, AC/DC, The Eagles, Rush, Sweet, Black Oak Arkansas, Slayer und die J. Geils Band; zahllose weitere Beispiele mögen noch ihrer Entdeckung durch interessierte und phantasievolle Fans harren. In der Mehrzahl der bekannten Fälle aber handelt es sich um ironische Gags, die das Geraune der Fans auf die Schippe nehmen. In diesem Sinne sollen Pink Floyd, Sigur Rós, Korn, The Stone Roses, Enigma, Radiohead und Kate Bush Botschaften per Backmasking in den einen oder anderen ihrer Songs eingefügt haben. Ein besonderes und besonders interessantes Beispiel des Backmaskings fügte die britische Gruppe They Might Be Giants in die lange Liste der tatsächlich oder vermeintlichen Beispiele ein: 1999 versuchten die Musiker, mit ihrem Song »On Earth My Nina« einen Song zu konstruieren, der vorwärts wie rückwärts abgespielt gleichermaßen einen ästhetischen Sinn ergeben soll. Derartige Spielereien gab es aber schon im Kontrapunkt der Barockmusik.

Es gibt natürlich auch technische Gründe, die ein Backmasking vermuten lassen, ohne dass dies tatsächlich vorhanden ist. Da die Tonträger auf Band gespielt werden müssen, dieses dann rückwärts abgespielt werden muss, um die ursprünglich angeblich rückwärts eingefügte Botschaften hörbar zu machen, läuft nun das eigentlich aufgenommene Material rückwärts ab. Harmlose Instrumental- und Vokalklänge können dann gemeinsam mit technischen Unzulänglichkeiten eine unheilige Allianz eingehen und den phantasiebegabten Hörer zur Ausdeutung von angeblich vorhandenen Botschaften anstacheln. Die Frage, was Musiker umtreiben soll, ihre letztlich anonyme und ahnungslose Zuhörerschaft via Tonträger zu einem bestimmten Tun zu veranlassen, bleibt offen. Möglicherweise handelt es sich um ein psychologisches oder sogar sozialpsychologisches Problem; dies könnten nur seriöse, wissenschaftlich untermauerte Untersuchungen klären.

Erstaunlicherweise hat das Interesse an dem Phänomen im Laufe der 1990er-Jahre nachgelassen, angeblich, weil die CD das Finden von Backmasking-Anteilen in einem Track nahezu unmöglich macht. Das Gegenteil ist der Fall: Eine verdächtige CD kann ohne weiteres per Audio-Grabbing digitalisiert werden, diese Audio-Datei in einen Audio-Editor geladen und mit dessen Hilfe rückwärts abgespielt werden.

Literatur

Ott, Ralf: Subliminale Akustische Beeinflussung – Fakten und Fiktionen; Bonn 1996
Patterson, R. Gary: Take a Walk on the Dark Side: Rock and Roll Myths, Legends, and Curses; New York 2004