Band

Band, englisch für »Gruppe« im Sinne von Musikkapelle, in Rock- und Popmusik übliche Bezeichnung für eine Gruppe verschiedener Instrumentalisten, die unter einem gemeinsamen Namen auftreten und im Idealfall ein gemeinsames Ziel verfolgen; mitunter ist die Bezeichnung auch Teil des Gruppennamens.

Anders als in der Kunstmusik oder dem Jazz ist die Rock- und Popmusik weniger von instrumentalen Institutionen – wie es etwa Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker, Boston Pops, Akademie für Alte Musik und selbst kleine Gruppen wie LaSalle Quartet darstellen – beziehungsweise von Adhoc-Zusammenstellungen unterschiedlicher Instrumentalisten höchst individueller Intention geprägt, als vielmehr von Gruppen, die eher zufällig zusammenkamen, in der Absicht, unter einem gemeinsamen Namen eine bestimmte Musik machen zu wollen und einigen musikalische Vorstellungen gemeinsam zu formulieren. Derartige Gruppen werden seit den 1950er-Jahren Band genannt, damit andeutend, das sie quasi durch Gemeinsamkeiten verbunden sind, die in der Musik ihre Grundlage haben. Natürlich kann auch eine derartige Formation, eben eine Band, zur Institution werden, wie sie auch eine Zusammenstellung von Individuen mit höchst unterschiedlichen Vorstellungen sein kann. Ein Kennzeichne von Rock- und Pop-Bands scheint es zu sein, dass es vom Gründungsdatum an stets eine gewisse Zeit braucht, bis sich eine arbeitsfähige, konstante Besetzung herausgebildet hat; bis dahin werden Musiker ausgetauscht und auch die eigentlichen musikalischen Ziele formuliert. Wenn es auch immanente Absicht zu sein scheint, dass eine Idealbesetzung über einen möglichst großen Zeitraum existiert – in der Kunstmusik ist dies durch die Institution gegeben, wie durch die Tatsache, dass in der Regel Musik nicht in der Instrumentalistengruppe entsteht, im Jazz dagegen ist eine konstante Besetzung die Ausnahme und auch nicht a priori gewollt – so durchleben auch die meisten Rock- und Pop-Bands Veränderungen. So ist unter Rockhörern der Begriff »klassische Besetzung« durchaus geläufig und meint eine bestimmte Besetzung einer über einen sehr langen Zeitraum existierenden Band. Deep Purple, Little Feat oder Yes etwa haben jeweils eine klassische Besetzung gehabt, in der die bedeutendste Musik dieser Formationen entstand.

Der Begriff Band selbst erfuhr etwa in den 1990er-Jahren eine Umwertung: Bis dahin wurde unter einer Band in der Regel ein Rockband verstanden, die sich aus drei bis etwa zehn Musikern – Sängerinnen, Sängern, Instrumentalisten – zusammensetzte; seitdem wird als Band etwa auch eine Vokalgruppe wie beispielsweise Destiny’s Child, All Saints oder En Vogue bezeichnet. Noch in den 1970er-Jahren wäre eine Gesangsgruppe wie The Pointer Sisters nicht als Band bezeichnet worden, erst recht nicht beispielsweise The Supremes oder Four Seasons in den 1960er-Jahren.

Die emotionale Bindung des Publikums an die Besetzung einer Band ist in der Rock- und Popmusik weit stärker als in der Kunstmusik oder dem Jazz. In der Kunstmusik wird eine Umbesetzung entweder gar nicht weiter beachtet – etwa bei großen Orchestern – oder aber mit neugierigem Interesse betrachtet, wie etwa bei dem Austausch eines Musikers in einem Streichquartett. Ähnlich verhält es sich im Jazz; hier ist es sogar von größtem Interesse, wie sich der Klang eines kleinen, bestehenden Ensembles durch den Austausch eines Musikers verändert. Eine Formation etwa wie das Modern Jazz Quartet, dessen Besetzung über Jahrzehnte konstant blieb, stellt im Jazz die absolute Ausnahme dar. In Rock und Pop dagegen wird ein Musikerwechsel, gar die Auflösung einer Band, stets mit Beklemmung, Misstrauen und Trauer verfolgt, oft auch mit Liebesentzug bestraft.

Ein Schlüsselstellung in einer Band nimmt die Sängerin oder der Sänger ein: Sie oder er ist der Garant für den Gruppenklang und kann in der Regel nicht ersetzt werden. Diese Erfahrung mussten etwa die Bands Blood, Sweat & Tears, Queen, Yes, Chicago und viele andere machen. Exemplarisch zeigt dies auch der Verlauf der Karriere der Beatles: Der Klang dieser Band ist vom Gesang ihrer Mitglieder, vorrangig von Paul McCartney und John Lennon geprägt, obwohl auch George Harrison und Ringo Starr ihren unersetzbaren Anteil daran hatten. Als im Rahmen der »Anthology«-Serie auch mittels alter Kassettenaufnahmen Lennons »neue« Beatles-Songs entstanden, zeigte sich, dass dies nur mühsam gelang: Lennons Stimme ist in diesen Aufnahmen zwar zu hören, wirkt aber nicht authentisch und markiert geradezu den Bruch der Band aufs Neue.

Der Begriff »Band« taucht hier und da in Bandnamen selbst auf, etwa in Edgar Broughton Band, The Sensational Alex Harvey Band, Henrik Freischlader Band und weiteren mehr. In diesen Fällen steht oft ein bekannter Musiker oder aber der Bandgründer im Vordergrund und möchte dies auch im Bandnamen hervorgehoben wissen. In den ausgehenden 1950er- und in den 1960er-Jahren betonten die Bandnamen mehr das Gemeinsame, dem in Kombination von Artikel und Pluralbildung Rechnung getragen wurde, etwa The Beach Boys, The Turtles, The Rolling Stones, The Animals, The Rattles usw. Mitunter wurden Wortspiele eingesetzt, wie etwa in The Beatles – von Beetles für »Käfer« – oder The Monkees – von Monkeys für »Affen, Schlingel« – abzulesen ist. Spätestens Anfang der 1970er-Jahre wurde der Artikel weggelassen und auch eine gewisse Bildungs-Attitude schaffte sich Raum: Tritonus, Triumvirat, Popol Vuh, Genesis, Styx und Soft Machine seien stellvertretend für viele genannt. Zunächst Punk- und dann auch New-Wave-Bands setzten ab Mitte der 1970er-Jahre einen radikalen Schnitt. Der Artikel wurde wieder eingeführt – The Sex Pistols, The Stranglers, The Clash, The B-52s –, weit mehr aber gestatteten sich die Musiker in der Wahl des Bandnamens größte Freiheit, bezogen sich auf Romane und Novellen, auf Filme und selbst auf andere Rockmusik (Radiohead). Etwa seit den ausgehenden 1980er-Jahren kann an einem Bandnamen das Genre, in dem sich die jeweilige Band mit ihrer Musik bewegt, abgelesen werden, wenn dies vereinzelt auch schon bei früher entstandenen Rockbands möglich war. Eine Band mit dem Namen Black Sabbath beispielsweise trägt sicherlich weder Folk Music noch Jazzrock vor, war mit der Wahl ihres Namens aber bis in jüngste Zeit Vorbild für viele Heavy-Metal-Bands.

Die psychosoziale Dynamik innerhalb von Musik-Ensembles ist als Ganzes kaum erforscht, dürfte aber einigen Aufschluss über den kreativen Prozess in Kollektiven geben. Auch scheinbar nebensächliche Details – wie etwa die Namensgebung – wären eine nähere Untersuchung wert.