Barbershop Music

Barbershop Music, auch Barbershop Harmony, Barbershop Singing, A-Cappella-Chorgesang, der sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entwickelte und in den 1940er-Jahren im Rahmen eines Revivals standardisiert wurde.

Der Barbershop-Gesang ist allerdings weit älter und entstand vermutlich im Kirchengesang der schwarzen Bevölkerung der USA. Der Name weist auf den Friseurladen als Entstehungsort, in dem sich die Männer die Wartezeit mit Singen vertrieben. War der Barbershop-Gesang ursprünglich also Sache der Männer, so gibt es längst auch rein weiblich besetzte wie auch gemischte Chöre.

Auffällige Kennzeichen des Barbershop Singing sind einerseits das Singen in enger Lage – Close Harmony genannt –, andererseits die Parallelführung der Stimmen, meist im Terz- oder Quintabstand. Im Satz herrschen Dominantseptakkorde vor. Über der als »lead« bezeichneten führenden Stimme liegt der Tenor, darunter Bariton und Bass. Da auf Textverständlichkeit größter Wert gelegt wird, sind die Melodien zumeist einfach gehalten. Zwar gibt es keine rhythmischen Extravaganzen, doch wird in langsamen Songs – im Sinne eines sehr freien Rubatos – die Zeit im Einklang mit der Aussage des jeweiligen Textes stark gedehnt. Das Hauptaugenmerk der Sänger liegt dabei stets auf sauberer Intonation. Ein besonderes Phänomen, als »Ringing Chord« bezeichnet, entsteht aufgrund der angestrebten und oft erreichten Perfektion des Gesangs: Der eigentlich vierstimmige Chorsatz lässt den Eindruck einer fünften Stimme entstehen, die tatsächlich aber nicht vorhanden ist. In dieser »Overtone« genannten Stimme finden sich die Obertöne der beiden oberen Gesangsstimmen zusammen. Voraussetzung für diesen als »expanded Sounds« bezeichneten Effekt ist die reine, also nicht temperierte Intonierung.

Die Barbershop-Sänger sind weltweit gut organisiert, in den USA und in Kanada in der Barbershop Harmony Society (früher: Society for the Preservation and Encouragement of Barber Shop Quartet Singing in America), Frauen in den eigenen Vereinen Sweet Adelines International und Harmony Incorporated. In Deutschland sind die Barbershop-Chöre seit 1991 in der Dachorganisation »Barbershop in Germany« (BinG) zusammengefasst.

Die meisten Barbershop-Sänger sind Autodidakten und verstehen ihren Gesang als Freizeitgestaltung. Doch wird Barbershop-Gesang auch von professionellen Ensembles gepflegt und ist zumindest gelegentlich bei jedem Vokalensemble zu hören, etwa bei den Comedian Harmonists, beim Golden Gate Quartet, bei den Andrews Sisters und den Pointer Sisters, aber auch bei Girl- und Boy-Groups jüngerer Zeit. Selbst die Beatles ließen zu Beginn ihres Songs »Nowhere Man« (1965) Barbershop-Gesang hören.