Beatbox

Beatbox, von englisch beat für »Schlag« und box für »Schachtel«, auch Human Beat Box, Vokaltechnik, die Bezug auf Schlagzeug-Pattern nimmt, wie sie in jüngeren Dance-Floor-Stilen wie House, Hiphop und Techno üblich sind; die Technik wird häufig ausschließlich mit Stimmbändern, Mund und Nase ausgeführt, wenn auch gelegentlich die Hände als Resonanzraum eingesetzt werden. Die Tätigkeit selbst wird Beatboxing genannt.

Vorbild für das Beatboxing sind die Rhythmus-Pattern, die in von elektronischen Klangerzeugern bestimmter Tanzmusik mit Hilfe von Drum-Computern oder analog arbeitenden Rhythmusboxen konstruiert werden. Die dürren Klänge vor allem der analogen Geräte wie auch die mit diesen Instrumenten möglichen hohen Geschwindigkeiten werden exakt nachgeahmt, wobei insbesondere die für die Bildung von Konsonanten erforderlichen Vokaltechniken eingesetzt werden. Variiert werden kann das klassische Beatboxing – bei dem nur Perkussionsgeräusche zu hören sind – durch das Einflechten von Tönen, die ebenfalls einfachen Synthesizern nachempfunden sind und bis hin zu Riffs zusammengestellt werden können.

Beatboxing ergab sich vermutlich aus der Not der Umstände: Junge Hiphop-Musiker konnten sich die um 1980 verfügbaren Rhythmus- und Drum-Maschinen nicht leisten und entwickelten analog zum Rap das Beatboxing, mit dem sie Rhythmus-Boxen wie die TR-808 der Firma Roland nachahmten. Wenn es auch einige Musiker gibt, die die Erfindung des Beatboxing für sich reklamieren, so handelt es sich um eine Kunst, die auf den Straßen der amerikanischen Großstädte entstand und deren eigentliche Urheber namenlos blieben, Die ersten Aufnahmen, bei denen das Beatboxing zu hören ist, entstanden Anfang der 1980er-Jahre. Die Hiphop-Gruppe The Fat Boys veröffentlichte 1984 den Titel »Human Beat Box«, und Darren Robinson nannte sich The Human Beatbox. Auch der Rapper Doug E. Fresh behauptet, Urheber der Technik zu sein, was er durch entsprechende Wahl seines Namens unterstrich: The Original Human Beat Box.

Als Effekt fand das Beatboxing – dessen Protagonisten einige Jahre benötigten, um aus der bloßen Nachahmung eine eigenständig kreative Form zu entwickeln – bald das Interesse auch von Musikern und Bands, die nicht dem Hiphop verpflichtet waren; selbst Michael Jackson beschäftigte sich mit der Technik und ließ 1994 anlässlich eines Interviews mit Oprah Winfrey eine Kostprobe seines Könnens hören. Einige Beatboxer konnten sich eine eigene Karriere aufbauen, etwa Rahzel, eigentlich Rahzel M. Brown, der auch Mitglied der Formation The Roots war, Killa Kela, eigentlich Lee Potter, und Bina, eigentlich Christian Birawsky.

Die Grenzen des Beatboxings sind unscharf, da die Technik eigentlich zu den vielen und vielgestaltigen vokalen Techniken gehört, mit denen Musikinstrumente wie überhaupt Geräusche aller Art allein mit den Mitteln des menschlichen Stimmapparates nachgeahmt werden – lediglich ein Mikrofon wird zusätzlich eingesetzt, dieses aber durchaus in klangformender Weise. Zu den Zeugnissen dieser Möglichkeiten zählen einige Alben etwa von Diamanda Galas, Björk, David Moss und Tom Tom Club. Die Nähe zu jüngeren Formen von Literatur wie auch die Reminiszenzen an Dada ist offensichtlich.

Diskografie

David Moss: Full House (1984)
Tom Tom Club: – (1981)

Weblink

www.humanbeatbox.com/ (Website mit diversen Informationen zum Beatboxing)