Beatlemania

Beatlemania, zusammengesetzt aus Beatle und englisch »mania« für »Leidenschaft, Wahnsinn«, von der britischen Presse 1963 aufgebrachter Begriff für die Beschreibung der öffentlichen Reaktion auf die Beatles als Personen, deren Musik und deren Konzerte.

Die Beatles wurden durch den massiven Einfluss der Medien zu Objekten des öffentlichen Interesses gemacht. Die Folge war eine sich bei öffentlichen Auftritten der vier Musiker – nicht nur bei Konzerten – regelmäßig einstellende Massenhysterie, zu der auch eine hemmungslose Vermarktung der Beatles als Emblem gehörte. Bei Konzerten der Band sorgten kreischende und schreiende Teenager für eine permanente Lärmkulisse, die es den vier Musikern mehr als einmal unmöglich machte, sich überhaupt selbst zu hören. Ihr bloßes Erscheinen sorgte besonders in den USA und in Australien für Menschenaufläufe und Verfolgungsjagden. Einen Eindruck der Beatlemania gibt der Film »Yeah Yeah Yeah« (1964; der Soundtrack wurde unter dem Titel »A Hard Day’s Night« veröffentlicht), der das Phänomen milde ironisierte, etwa durch die Figur eines (fiktiven) Onkels Paul McCartneys. Das Teenager-Geschrei setzten die vier Musiker 1967 selbst künstlerisch ein: Zu Beginn des Songs »A little Help From My Friends« auf der LP »Sgt. Pepper’s Hearts Club Band« ist der Aufschrei einer großen Menschenmenge zu hören: Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Band mit der Aufnahme des Auftritts der Beatles in der Hollywood-Bowl-Arena 1964.

Die Vermarktung der Band war allumfassend: Frisuren, beliebige Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Kleidungsstücke, Stiefel und selbst Lebensmittel wurden mehr oder weniger plausibel dieser Vermarktung unterworfen. Es genügte häufig, den jeweiligen Gegenstand mit einem Schriftzug mit dem Bandnamen oder einem mehr oder weniger stilisierten Foto der Musiker zu versehen, um es als »Beatle«-Gegenstand den Fans anzudienen.

Massenhysterie in Zusammenhang mit Musik war indes keine bis dahin unbekannte Erscheinung. Die Auftritte der Kastraten in den Operhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, die Konzerte von Franz Liszt und Niccolò Paganini im 19. Jahrhundert und erst recht die Auftritte von Frank Sinatra oder Elvis Presley trugen bereits deutliche Zeichen dieses Phänomens. So ist die Beatlemania eher darin neu, dass hier erstmals die Massenmedien Auslöser und Nutznießer des Phänomens waren. Ohne die geballte Macht von Presse, Rundfunk, Film und insbesondere Fernsehen hätte die Beatlemania nicht diese Ausmaße erreichen können.

Natürlich trugen die vier Musiker aus Liverpool nolens volens zur Beatlemania bei, weniger durch ihre Musik – obwohl der Reiz und die Allgegenwart dieser Musik seinerzeit natürlich nicht vernachlässigt werden kann –, als vielmehr durch ihr Aussehen und ebenso witziges wie respektloses Auftreten – Mitte der 1960er-Jahre völlig neuartig, dass sich junge Leute derart gegen die traditionellen Autoritäten stellten, indem sie sich über sie lustig machten oder einfach ignorierten.

Literatur

Mojo (Special Edition): 1000 Days of Beatlemania