Blackface

Blackface, zusammengesetzt aus englisch black für »schwarz« und face für »Gesicht«, schwarz geschminkter weißhäutiger Schauspieler.

In den Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA sehr populären Minstrel Shows verkörperten Weiße regelmäßig den verarmten schwarzen Sklaven, der durch oft grundlose Fröhlichkeit, groteskes Augenrollen, Singen und Tanzen und nicht zuletzt durch seine grenzenlose Naivität auffiel. In den Minstrel Shows gab er, dann auch mitunter Jim Crow genannt, den Clown, der zwar Wahrheiten ungestraft sagen durfte,dies aber um den Preis, nicht ernst genommen zu werden. In dieser Hinsicht ähnelt die Rolle des Jim Crow zwar der des Arlecchino in der italienischen Commedia dell’arte, ein direkter Vergleich aber ist problematisch, zumal der europäischen Maske die rassistische Nebenbedeutung fehlt.

Der Vorgang, sich als Weißer schwarz zu schminken wird ohne weitere Umstände »blackfacing« genannt: Der Schauspieler schminkt sich das Gesicht schwarz, nimmt dabei aber die Mundpartie aus und färbt diese – dann auch grotesk vergrößert – rot. Die Haare werden, wenn erforderlich, schwarz gefärbt und zerzaust. Auch die Kleidung wird lächerlich übersteigert, etwa, wenn zu schwarz-weiß gemusterten Hosen ein Frack getragen wird. Schauspieler, die als Blackface auftraten, behielten diese Rolle mitunter über Jahrzehnte.

Als Blackface trat auch Al Jolson auf und verkörperte noch 1927 im ersten Tonfilm der Geschichte, »The Jazz Singer« (Regie: Alan Crosland), mit schwarz geschminktem Gesicht einen afroamerikanischen Sänger. Jolson selbst hatte sich aber schon vor dem Ersten Weltkrieg öffentlich gegen die am Broadway übliche Diskriminierung Schwarzer gewandt.

Ohne dass die Begriff Blackface oder Blackfacing verwendet wurden, war es in Theater und Oper auch schon zu früheren Zeiten üblich, dass weiße Schauspieler und Sänger als Schwarze auftraten – beispielsweise in Giuseppe Verdis Oper »Othello«, dann eben auch entsprechend geschminkt. Umgekehrt war es 1961 ein Sensation, als die schwarze US-amerikanische Sängerin Grace Bumbry bei den Bayreuther Festspiele die Venus sang (Richard Wagner: »Tannhäuser«), und damit die ungeschriebene Regel brach, das Weiße alle Rollen singen können, Schwarze aber nur schwarze. Zu dieser Zeit galten in den USA noch die so genannten Jim Crow Laws, die erst 1964 aufgehoben wurden.