Bluegrass

Bluegrass, amerikanische Volksmusik, die in der Volksmusik irischer und schottischer Siedler der Apalachen wurzelt. Die Herkunft des Namens ist ungeklärt, soll aber auf die bläuliche Färbung des Grasses auf den Wiesen der Apalachen zurückgehen.

In der Bluegrass-Musik findet man schnelle Tanzmusik ebenso wie langsame Balladen. Der häufig mehrstimmige, eng in den Hauptharmonien gesetzte Gesang wird mit Gitarre oder Dobro, Fiedel, Mandoline und Banjo begleitet. Als »Vater« des Bluegrass gilt der Mandolinist Bill Monroe, der mit seiner Band The Bluegrass Boys diese Musik weltweit popularisierte und auch auf die Rockmusik, besonders aber auf Country Music großen Einfluss hatte. Monroe selbst nannte seine Mischung von europäischer Liedtradition und Elementen schwarzer Musik »the old southern sound«. Zu Monroes Band gehörten zeitweilig der Banjospieler Earl Scruggs – der aufgrund seiner three-finger picking-Technik berühmt wurde – und der Gitarrist Lester Flatt. 1948 gründeten diese beiden Musiker eine eigene Band. Zwischen 1945 und 1954 hatten etwa ein Dutzend Bluegrass-Bands Verträge bei großen Plattenfirmen, doch geriet Bluegrass mit dem Aufkommen des Rock ’n‘ Roll aus dem Publikumsinteresse. Erst die Volksmusikbewegung der 1960er-Jahre weckte aufs Neue die Aufmerksamkeit des Publikums, das in Bluegrass eine authentische amerikanische Volksmusik sah; Scruggs und Flatt nahmen zu dieser Zeit ihr Album »Songs of Our Land« auf. Ebenfalls in den 1960er-Jahren gab es auch Berührungspunkte mit Rock- und Country-Musikern. Einerseits wandten sich beispielweise Bob Dylan und Joan Baez der Country Music und damit auch dem Bluegrass zu, andererseits nahmen Scruggs und Flatt Kompositionen Dylans auf; der Dobro-Spieler Mike Auldridge – um eine weiteres Beispiel zu geben – nahm Anfang der 1970er-Jahre Platten u. a.mit Emmylou Harris und Linda Ronstadt auf. Folgerichtig verwendeten Ende der 1960er-Jahre auch Bluegrass-Musiker wie Scruggs elektrisch verstärkte Instrumente. In seiner Band The Earl Scruggs Revue spielten seine Söhne elektrische Gitarre bzw. Bassgitarre. Flatt hingegen blieb bei der traditionellen Auffassung von Bluegrass, die auf die Verwendung akustischer Instrumente baut.

Bluegrass ist als Musik nach wie vor lebendig. Nach dem New Grass Revival Anfang der 1970er-Jahre haben immer wieder junge Musiker wie der Mandolinist und Fiedler Sam Bush, der Mandolinist David Grisman oder der Sänger und Instrumentalist Ricky Scaggs dem Bluegrass neue Impulse gegeben.

Literatur

Artis, Bob: Bluegrass; New York 1975
Price, Steven D.: Old As the Hills: The Story of Bluegrass Music; New York 1975
Kochman, Marilyn (Hg.): The Big Book of Bluegrass; New York 1984
Cantwell, Robert: Bluegrass Breakdown. The Making of the Old Southern Sound; Chicago 1984