Boygroup

Boygroup, auch Boyband, zusammengesetzt aus englisch boy für »Junge« und group für »Gruppe«, Vokalensemble aus drei bis fünf, selten auch mehr Sängern; der Begriff wurde analog zu dem der Girlgroup geprägt ist aber jünger.

Ob Barbershop-Gruppen als Vorläufer der Boygroups angesehen werden können, ist eher Ermessenssache, als dass ich allzu viele musikalische Gemeinsamkeiten dies rechtfertigen könnten; der Umstand, dass sich auch Männer zu gemeinsamen Gesang einfinden, reicht ebenfalls nicht aus, ein von männlichen Stimmen dominiertes Gesangsensemble in jedem Fall als Boygroup anzusehen. Vielmehr gibt es wesentliche Kennzeichen, die auch für Girlgroups gelten: Es wird im Satz gesungen, die Sänger spielen keine Instrumente und verfassen in der Regel ihre Songs auch nicht selbst; außerdem ist Tanz ein wesentlicher Bestandteil der Konzertauftritte von Boygroups. So ist auch der Begriff Band problematisch, da er in der Regel auf Ensembles angewendet wird, deren Mitglieder wenigstens ein Instrument spielen und gelegentlich auch singen.

So gesehen sind auch Geschwisterbands wie The Jackson Five oder Casting Bands wie The Monkees keine Boygroups im engeren Sinn, wenn auch etwa das Casting von Gruppenmitgliedern bei Boygroups der jüngeren Geschichte der Popmusik eine wesentliche Rolle spielt. Auch die Beatles sind nur in dem Sinne eine Boygroup, als dass jeder der vier zu dieser Band gehörenden Mitglieder solistisch als Sänger hervortrat, Satzgesang eine bedeutende Rolle spielte und schließlich das Publikum der Band zumindest Anfang der 1960er-Jahre zu einem erheblichen Teil von weiblichen Teenagern gestellt wurde; damit enden allerdings auch die Gemeinsamkeiten zu später auftretenden Boygroups.

Als Boygroups im engeren Sinne – wenn auch nicht so genannt – müssen dagegen die in den 1950er-Jahren erfolgreichen Doo-wop-Ensembles wie The Clovers, The Coasters, The Drifters, The Moonglows, The Chords und zahllose weiter mehr gelten; Vorläufer dieser Gruppen waren etwa The Ink Spots und The Mills Brothers.

Der Begriff Boygroup kam aber erst um 1990 auf, als nach dem Vorbild der Bostoner Gruppe New Edition Ensembles wie New Kids On the Block, später Take That, East 17, all 4 One, Boyz II Men die Bühnen betraten, teils auf ein weibliches Teenager-Publikum fixiert, teils aber auch mit Blick auf den so genannten Adult-Bereich des amerikanischen Musikmarkts. Äußerst erfolgreich waren in den 1990er-Jahren auch Boygroups wie Backstreet Boys und ‚N Sync. Weiterhin wären zu nennen Westlife, Boyzone und 98 Degrees.

Mehr noch als die Girlgroups haben die Boygroups mit dem Problem der Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Zumal die europäische Musikpresse schätzt Boygroups als nach außermusikalischen Prämissen zusammengestellte Formationen ein, deren Mitglieder verdächtigt werden, eine Gitarre noch nicht einmal halten zu können. Tatsächlich werden Boygroups häufig durch Casting auf ähnliche Weise zusammengesetzt wie Girlgroups, also nach »Typen«, die in puncto Aussehen und modischer Präferenzen sich innerhalb der Gruppe ergänzen müssen. Das gilt natürlich auch für die Musik, die wenig originell das oft Gesagte noch einmal sagt; möglich, dass eine der Ursachen für die musikalische »Dürre« der Boygroups in ihrer fehlenden Geschichte liegt. Immerhin gelang einigen Boygroups eine beeindruckende, über Jahre dauernde Karriere.