Bridge (Song-Teil)

Bridge, englisch für »Brücke«, Teil der Form eines Rocksongs; der Begriff ist mehrdeutig und wird nicht einheitlich gebraucht. Die Bridge wird häufig auch Middle-Eight genannt; tatsächlich handelt es sich tatsächlich oft um acht Takte, doch ist dies nicht zwingend, es gibt auch kürzere – vier Takte – und längere Bridges. Ein Rocksong muss nicht unbedingt eine Bridge enthalten.

Ein Beispiel für die Verwendung einer Bridge bietet etwa der Song »All Together Now« (1967) der Beatles: In diesem Song – der wie ein Kinderlied wirkt – folgen auf eine Introduktion von acht Takten zwei Strophen mit ebenfalls je acht Takten. Die Bridge, die sich anschließt, umfasst zehn Takte. Es folgt der Refrain. Im weiteren Verlauf des Songs dient die Bridge dazu, zwei Gruppen von je zwei Refrains miteinander zu verbinden. Eine Bridge verbindet also nicht unbedingt Strophe und Refrain, sondern kann ebenso die Brücke zwischen zwei Verses bilden. Oder aber einen Verse und einen Chorus mit einer weiteren Verse-Chorus-Kombination miteinander verknüpfen, so beispielsweise in »Getting Better« (1967).

Dagegen enthält »Penny Lane« (1967), ebenfalls von den Beatles, keine Bridge: Hier folgt auf einen Verse – die Strophe – von acht Takten ein zweiter, wiederum acht Takte lang; daran schließt sich der Chorus (Refrain) an, er beginnt mit den Worten »Penny Lane is in my ears and…«. Diese gesamte Konstruktion wird wiederholt, wobei der zweite Verse nunmehr nicht gesungen wird, sondern das bekannte Trompeten-Solo enthält. Danach folgen wiederum zwei Verses, dann aber zweimal der Refrain; der zweite Refrain beendet den Song.

Eine Bridge als Bestandteil einer kompositorischen Form entstand in den 1930er-Jahren aus der auch im Jazz üblichen AABA-Form. Die 32 Takte dieser Form werden aus zwei Verses von jeweils acht Takten Länge, einen von A abweichenden Teil B – ebenfalls acht Takte lang – und die Wiederholung von Teil A gebildet. »Smoke Get’s In Your Eyes« von Jerome Kern oder »I Got Rhythm« von George Gershwin geben Beispiele für diese Form. »Yesterday« von den Beatles ist ebenfalls in dieser Form gehalten. Häufig wird die AABA-Form bemüht, wenn es darum geht, ein etwas »altmodisches« Lied zu schreiben; natürlich spielt die Thematik des Textes eine gewisse Rolle bei der Wahl der Form. Oft haftet der Bridge aber auch eine gewisse Dramatik an, etwa – wiederum bei den Beatles – in »Lady Madonna«, in dem der Teil B mit den Worten »Friday Night arrives…« beginnt, oder aber auch bei den Kinks in deren Song »Lola«: Hier ist es die Zeile »Well, we drank champagne and danced all night«, mit der der Teil B eingeleitet wird.
Wie an der AABA-Form zu erkennen ist, befindet sich die Bridge entgegen ihrer zweiten Bezeichnung Middle-Eight keineswegs in der Mitte, sondern ist Teil Drei in einer vierteiligen Form. Auch müssen es nicht acht Takte sein, es gibt diverse Beispiele, bei denen es nicht so ist. Sinn bekommt der Name Middle-Eight dennoch in vielen Rocksongs, nämlich in denen, die nicht dem strengen AABA-Schema folgen. Es wurde dann auch, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Musik der Beatles, möglich, den Übergang zwischen Verse und Chorus, also zwischen Strophe und Refrain mittels einer mehr oder weniger langen Bridge zu gestalten. Auch können in einen Song mehrere Bridges eingebaut werden. Auf diese Weise lassen sich auch größere Kompositionen gestalten, indem etwa mehrer verschiedene Bridges Strophen und Refrain miteinander verbinden. Beispiel bietet der Progressive Rock, bei dem mittels des virtuosen Umgangs mit den Formteilen die bekannten, so genannten Rock-Suiten entstanden. Nicht selten wird eine Bridge auch dazu benutzt, die Tonart zu wechseln; oft sind sie in der Dominant-Tonart des Songs gehalten.

In der einschlägigen Literatur führt der Formteil, der als Bridge zu bezeichne ist, ein etwas ambivalentes Leben: War die Bridge – dann zutreffender eben tatsächlich als Middle-Eight bezeichnet – in der Form AABA von Bedeutung, so wechselte die Bedeutung des Teils B. Diesen Wechsel dokumentiert gerade die Musik der Beatles, die ebenso virtuos wie unbekümmert die Formteil Verse, Chorus und Bridge einsetzten. Es ist also ein Frage der Historie, was eine Bridge bedeutet: In einem Song von Rodgers and Hart eben etwas anderes als in einem Song von The Police oder Porcupine Tree.

Literatur

Fritsch, Markus/Kellert, Peter: Arrangieren und Produzieren; Bergisch-Gladbach 1995
Kaiser, Ulrich/Gerlitz, Carsten: Arrangieren und Instrumentieren – Barock bis Pop; Kassel 2005
Kramarz, Volkmar: Die PopFormeln – Die Harmoniemodelle der Hitproduzenten; Bonn 2006
Kramarz, Volkmar: Warum Hits Hits werden – Erfolgsfaktoren der Popmusik; Bielefeld 2014