Brill Building

Brill Building Pop, auch nur Brill Building, Bezeichnung für eine bestimmte Art konfektionierter Popmusik, den vor allem eine Reihe fest bei dem in New York City ansässigen Musikverlag Aldon Music Publishing angestellte Texter und Komponisten in Serie fertigten.

Der Begriff geht auf ein 1931 erbautes Hochhaus am Broadway (1619 Broadway) zurück, dessen Eigentümer die Gebrüder Brill waren. Die Brill-Brüder betrieben zwar ein Modegeschäft, in das neu erbaute Haus zogen aber ab 1932 diverse Musikverlage ein, bei denen die Kompositionen und Arrangements für die bekannten Big Bands der Zeit – geleitet etwa von Glenn Miller, Tommy Dorsey, Jimmy Dorsey und Benny Goodman – entstanden. Die ersten Verlage, die im Brill Building Räume bezogen hatten, waren Southern Music, Mills Music und Famous Music; Anfang der 1960er-Jahre hatten angeblich bis zu 165 mit dem Musikgeschäft verbundene Firmen hier ihre Büros.
Der Aldon-Verlag des Musikverlegers Don Kirshners (* 1934, † 2011), auf den der Begriff Brill Building Pop in besonderem Maße zurückgeht, residierte allerdings nicht hier, sondern mit einer Vielzahl weiterer Musikverlage in einem dem Brill Building schräg gegenüber liegenden Haus. Kirshner hatte für seinen Verlag Aldon Music Publishing an der Adresse 1650 Broadway 1958 einige Räume gemietet und jeweils mit einem Klavier und einem Schreibtisch ausgestattet. Die Songschreiber verfassten hier Tag für Tag Songs für den Mainstream-Markt, vor allem also eingängige Pop-Songs mit leicht wieder erkennbaren Melodien in mitunter oppulent Arrangements. Der Druck, den die Verleger auf die Autoren ausübten, war enorm, die Zeit für die Ausarbeitung eines Songs kurz; in täglichen Konferenzen – Auditions – wurden die am Tag zuvor produzierten Songs begutachtet, dann verworfen oder angenommen.
Mit dem im Brill Building und bei Kirshner geradezu »industrialisierten« Verfassen von Songs sind Namen wie Burt Bacharach, Hal David, Tommy Boyce, Bobby Hart, Neil Diamond, Gerry Goffin, Carole King, Jerry Leiber, Mike Stoller, Laura Nyro, Doc Pomus, Mort Shuman, Barry Mann, Cynthia will, Neil Sedaka, Phil Spector und Paul Simon verbunden – Simon schrieb unter dem Pseudonym Jerry Landis. Auch einige seinerzeit höchst erfolgreiche Stars wie Connie Francis, Bobby Darin, Ben E. King, Tony Orlando und Gene Pitney hatten hier die Büros ihres Managements, außerdem gab es Studios und die Niederlassugnen von Plattenfirmen und Rundfunksendern.
Entgegen des Eindrucks, dass es eine Art »Brill Sound« gab, ist die unter dem Begriff gefasste Musik äußerst heterogen, zumal sie auch den Wandlungen der Zeit unterlag. Die Art der Musikproduktionen war allerdings stets höchst effektiv – irgendeiner der Brill-Building-Songs war immer in der Hitparade, die Zahl der Hits also immens.



Literatur

Emerson, Ken: Always Magic in the Air: The Bomp and Brilliance of the Brill Building Era; New York 2005
Frith, Simon: The Sociology of Rock; London 1978



Weblink

http://www.history-of-rock.com/brill_building.htm (Website mit Informationen zum Brill Building Pop)