Britpop

Britpop, englisch, Kunstwort aus britisch für »britisch« und Pop, spezifisch britische Rockmusik seit Anfang der 1990er-Jahre; zu den Protagonisten der nicht einheitlichen Musik zählen die Bands Blur und Oasis.

Britische Medien lancierten den Begriff Ende der 1980er-Jahre und leiteten damit eine Kampagne ein, an der sich auch einige Plattenfirmen beteiligten und etwa auf CD-Hüllen Aufkleber anbrachten, die mit der unmissverständlichen Aufforderung »By British!« auch chauvinistische Züge trug. Tatsächlich sah vor allem die britische Musikpresse die Rockmusik der Insel durch Grunge, Hiphop und Techno an den Rand gedrängt. Die Bands des Britpop schienen in der Lage, diese Dominanz zu durchbrechen, führten sie doch einen schnörkellosen Gitarrenrock vor und fanden ihre Vorbilder in der britische Rockmusik der 1960er-Jahre, also in der Musik von The Beatles, The Kinks, The Small Faces und The Who. In Paul Weller, ehedem Führungsfigur der Band The Jam fand sich auch eine Art Mentor. Die beiden Bands Oasis einerseits und Blur andererseits eigneten sich als Galionsfiguren, die die beiden seinerzeit im selben Verlag erscheinenden Musikzeitschriften New Musical Express und Melody Maker in eine künstliche Idealkonkurrenz zwangen – hier Blur als Wiedergänger der Beatles, dort Oasis als der der Rolling Stones. Hinter dem Getöse der beiden Musikblätter geriet die Musik der zu dieser Zeit eigentlich wirklich interessanten Bands – etwa The Verve, Suede, Elastica, Pulp, Ocean Colour Scene, Catatonia, Manic Street Preachers, Stereophonics, Supergrass und andere – ins Hintertreffen.

Vom Britpop nahmen Rockhörer außerhalb Großbritanniens nur am Rande Notiz, und bald erlahmte auch das Interesse der britischen Musikpresse an den internen Auseinandersetzungen in der Band Oasis und an der Unentschlossenheit Damon Albarns, Song-Autor und Sänger von Blur. Da auch die Verkaufszahlen einiger CDs der Bands, die dem Britpop zugeschrieben wurden, den hochgespannten Erwartungen weder in Großbritannien noch weltweit entsprachen, gerieten eine Reihe der Band in Schaffenskrisen und lösten sich um das Jahr 2000 auf. Es zeigte sich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts auch, dass manch eine Band, wie etwa Radiohead, Coldplay oder Muse – die also nicht explizit dem Britpop zugerechnet worden waren -, Maßgaben der Musik der 1960er- und 1970er-Jahre weit mehr in die eigene Musik integriert hatten als die Protagonisten des Britpop.

 

Literatur

Haines, Luke: Bad Vibes. Britpop and My Part in Its Downfall; London 2009, deutsch: München 2010

 

Diskografie

Oasis: Definetely Maybe (1994)
Blur: The Great Escape (1995)
Blur: Leisure (1991)
Blur: 13. (1999)
Catatonia: International Velvet (1997)
Catatonia: Equally Cursed and Blessed (1999)
The Verve: Urban Hymnes (1997)
Suede: – (1993)