Canterbury-Scene

Canterbury-Scene, auch Canterbury-Rock oder Canterbury-Sound, Bezeichnung für eine musikalische Strömung in Großbritannien, die ihren Ausgangspunkt teilweise in Canterbury hat; die Canterbury-Scene wird als Ganzes dem Progressive Rock zugeordnet, gilt aber auch als spezifisch britischer Ausdruck eines Jazzrocks, der sich unabhängig von amerikanischen Vorbildern entwickelte

Als erste Bands der Canterbury-Scene können die Bands The Wilde Flowers und Delivery angesehen werden. Überregionale Bedeutung erhielt die Strömung durch die Gruppen Soft Machine und Caravan, aus denen weitere Bands dieser Stilrichtung hervorgingen. Wenn der Namen auch suggeriert, dass es sich um eine regional begrenzte Strömung handelt, so werden auch Bands zur Canterbury-Scene gezählt, die weder in Canterbury beheimatet waren, noch deren Mitglieder aus dieser Stadt kamen. So werden Gruppen wie Egg, Hatfield and the North, Matching Mole, Gilgamesh, Henry Cow, National Health, Gong, Art Bears und Slapp Happy dazu gezählt, aber auch eine kontinental-europäische Band wie die niederländische Supersister.

Zu der Canterbury-Scene gehören somit auch eine Vielzahl britischer Musiker, die zum Teil auch Bedeutung im Jazz der Insel haben: Chris Cutler, Richard Sinclair, Dave Sinclair, Mike Ratledge, Elton Dean, Karl Jenkins, John Marshal, Robert Wyatt, Richard Coughlan, Pip Pyle, Phil Miller, Fred Frith, Peter Blegvad, Lol Coxhill, Lindsay Cooper, Pye Hastings, Bill McCormick, Alan Gowen, John Greaves, Steve Hillage, Daevid Allen, Tim Hodgkinson, Allan Holdsworth, Geoff Leigh und Dagmar Krause.

Die Klangwelt der Canterbury-Scene wird bestimmt vom verzerrten Klang der Hammond-Orgel, elektrischer Gitarre, Holzbläsern, vor allem aber einer spezifischen Art von Gesang, den etwa Richard Sinclair, Robert Wyatt und Dagmar Krause typisch präsentieren. Entsprechend der Bedeutung des Jazz für die Canterbury-Scene spielt Improvisation eine zentrale Rolle, daneben bezieht die Musik Einflüsse aus Neuer Musik, traditioneller Kunstmusik, Rock und Pop – letzteren meist in ironisierter Form.

Die Canterbury-Scene ihrerseits war in den 1970er- und 1980er-Jahre zwar weitgehend von der britischen Rockmusik isoliert – wenn es auch in der Band 801 eine kurzzeitige Zusammenarbeit von Musikern der Canterbury-Scene etwa mit Mitgliedern von Roxy Music gab –, doch übt die Klangwelt bis in jüngste Zeit einigen Einfluss auf verschiedene Progressive-Rock-Bands aus. Musiker aus der Canterbury-Scene ihrerseits – so etwa Fred Frith – kamen im Laufe der 1980er- und 1990er-Jahre zu einiger Bedeutung im amerikanischen Jazzrock.

Literatur

Halbscheffel, Bernward: Früher Jazzrock in Großbritannien – Die Canterbury-Strömung; in: Jazzforschung/Jazz Research 22 (1990); S. 139 ff.

Weblink

calyx.perso.neuf.fr/index.html (Website mit Informationen zur Canterbury-Scene)
www.progbibliography.de/canterbury.htm#teil1 (Litearturliste zur Canterbury-Scene)