Close Harmony

Close Harmony, zusammengesetzt aus englisch close für »dicht, nahe« und harmony für »Harmonie«, Bezeichnung für eine Satztechnik, bei der die Einzeltöne von Akkorden den engst möglichen Abstand haben, in der Regel also Terzabstand; das Gegenteil von Close Harmony ist Open Harmony, bei dem die Töne eines Akkords in weiter Lage verteilt werden, die Intervalle also größer sind.

Grundsätzlich ist die Satztechnik der Close Harmony sowohl für den Vokal- als auch den Instrumentalsatz möglich, wenn die Voraussetzung erfüllt ist, dass die beteiligten Stimmen bzw. Instrumente überhaupt in derselben Lage Töne erzeugen können. Bei Instrumentalsätzen ist dies einigermaßen einfach zu erreichen, wenn mehrere gleiche Instrumente in Close Harmony spielen – etwa drei Posaunen –, oder sie zur gleichen Familie gehören, etwa bei Saxophonen. So ist ein Satz in Close Harmony auch besonders wirkungsvoll, wenn die Instrumente die gleiche oder wenigstens sehr ähnliche Klangfarbe haben; in einen Saxophonsatz kann also durchaus eine Klarinette gemischt werden.

Close Harmony wird häufig mit A-Cappella-Gesang verbunden und tatsächlich wird diese Satztechnik häufig bei Vokal-Trios und -Quartetts eingesetzt. Sofern es sich dabei um ausschließlich weiblich oder ausschließlich männlich besetzte Ensembles handelt, ist die Technik auch ohne Weiteres möglich, ist aber bei gemischt besetzten Gruppen mitunter nur durch bestimmte Kunstgriffe verwendbar, etwa wenn tiefere männlich Stimmen einfach eine Oktave nach unten versetzt werden, damit der Sänger die Stimme überhaupt singen kann. Diese Technik wird Drop 2 genannt und widerspricht im Grunde dem Gedanken der Close Harmony. Ausschließlich männlich besetzte Gruppen sind häufig mit zwei Tenören und zwei Basstimmen besetzt, bei weiblichen Gruppen sind es zwei Soprane und zwei Altstimmen.
Ein Sonderfall des Close-Harmony-Singens ist der Barber-Shop-Gesang, weil die Satztechnik hier ausschließlich zum Einsatz kommt, dadurch bedingt die Stimmen sich permanent parallel bewegen.
Close Harmony wurde etwa von den Band-Leadern Glenn Miller (Saxophone, Posaunen) und Billy Vaughn (Saxophone) häufig eingesetzt und prägte den Klang dieser Bands. Bei Vokalgruppen – zu denen auch Rockbands mit mehr als einem Sänger zählen – ist Close Harmony zumindest abschnittsweise eine obligate Satztechnik, zu hören bei The Beatles, The Beach Boys, Blood, Sweat and Tears und vielen anderen, erst recht aber bei allen Gesangsgruppen in Soul und R’n’B.