Cock Rock

Cock Rock, zusammengesetzt aus englisch cock, Vulgärsprache, für »Schwanz« als Bezeichnung für den erigierten Penis, und Rock: der Begriff wird zwar vor allem auf bestimmte Ausdrucksformen, die mit Hardrock und Heavy Metal verbunden werden, angewendet, meint aber weniger einen Sachverhalt innerhalb der Musik als eine bestimmt Form der Präsentation von Rockmusik.

Cock Rock lässt sich also nicht an bestimmten musikalischen Merkmalen erkennen wie beispielsweise Form der Kompositionen oder Instrumentierungen, eher schon – aber keineswegs immer eindeutig – an Texten, vor allem aber an Bühnenpräsentation und Gestik von Musikern, insbesondere Gitarristen. Als idealtypisch für Cock Rock gelten Musik und Konzerte der britischen Band Led Zeppelin, deren Protagonisten, der Sänger Robert Plant und der Gitarrist Jimmy Page, die Kennzeichen regelmäßig präsentierten: die stilisierte Umformung von Mikrofonständer bzw. Gitarre zum Penis durch entsprechende Gestik, die allemal darauf ausgerichtet sind, dem Zuschauer zu imponieren, Mimik zwischen Ekstase und Gewalt sowie eine Nutzung der Lautstärke als stilisiertes Mittel der Gewalt. Da Led Zeppelin die Stilmittel des Cock Rock ebenso virtuos wie ungeniert einsetzten, werden diese mit der Musik verbunden und daher häufig eben Bluesrock, Hardrock und Heavy Metal zugeschrieben; in der Tat gehören diese Stilmittel vorrangig zu diesen, vorrangig männlich geprägten Stilbereichen der Rockmusik und beinahe durchweg zum Präsentationsrepertoire der hier engagierten Musiker.
Die Herkunft des Begriffes ist nicht ganz zu klären, geprägt wurde er möglicherweise schon vor 1970, ist seit den 1970er-Jahren aber auf jeden Fall gängig. Natürlich ist der Begriff allemal abwertend gemeint und gehört in die Reihe Poodle Rock, Hair Metal, Pomp Rock usw. In jüngerer Zeit wurde er durch den Begriff Rockism, dt. Rockismus, zumindest teilweise ersetzt und wird mittlerweile mit milder Ironie verwendet. Zu den »Cock Rock«-Bands werden mit mehr oder weniger Berechtigung etwa Bands wie The Who, The Rolling Stones, Mötley Crüe, Aerosmith, Guns N’Roses, Quiet Riot, Extreme und Cinderella gezählt.
Der Begriff ist indes tatsächlich ein wenig zweifelhaft, denn natürlich können die genannten Stilmittel auch von weiblichen Rockmusikern verwendet werden; Beispiel boten bzw. bieten etwa die Konzerte von Suzy Quatro, Girlschool, Orianthi und 3rdeyegirl.


Literatur

Frith, Simon: The Sociology of Rock; London 1978
Frith, Simon: Sounds Effects: Youth, Leisure and the Politics of Rock’n’Roll; New York 1981; US-Fassung des Buches von 1978; dt.: Jugendkultur und Rockmusik; Reinbek 1981


Weblink

http://bitchmagazine.org/article/love-guns (»Who Put the Cock in Rock?«; Artikel von Juliana Tringali, in Bitch 2005