Country Music

Country Music, zusammengesetzt aus englisch country für »Land« und music für Musik, auch Country & Western, oder kurz nur Country, damit aber auch den – minimalen – Unterschied zwischen Country Music und Country Rock verwischend, Sammelbegriff für verschiedene Ausprägungen nordamerikanischer Musik, die ihrer Herkunft und ihrem Wesen nach Volksmusik ist, durch Schallplatte, Rundfunk, Film und später auch Fernsehen einerseits eine große Verbreitung, andererseits durch die Kommerzialisierung mehr oder weniger starken Veränderungen unterlag. Wenn Country Music ihr Publikum auch nicht nur in den USA findet, sondern auch in vielen Ländern Europas – insbesondere in Großbritannien – Australien und Japan, so gilt Nashville (Tennessee) als ihr Zentrum. Der Begriff Country kam in den 1940er-Jahren auf, um die Begriffe Hillbilly und Old Time Music zu vermeiden, während die Bezeichnung Country & Western Anfang der 1940er-Jahre von der amerikanischen Musikzeitschrift »Billboard« eingeführt wurde, um Hitparaden dieser Musik herausgeben zu können. Sämtliche genannten Begriffe werden nicht einheitlich gebraucht.

Zur Country Music werden Bluegrass, Hillbilly, Honkytonk, Western Swing und Nashville Country Pop gezählt, in einem weiteren Sinne auch Cajun Music, Rockabilly, Texmex und Country Rock. Jedoch sind die Grenzen innerhalb der Country Music fließend und lassen sich auch zur Folk Music nicht eindeutig ziehen, zumal viele Musiker von einer zur anderen Stilrichtung wechseln. Da die Country Music in der von Europa nach Nordamerika gebrachten irischen, schottischen, englischen und deutschen Volksmusik wurzelt, dominiert formal auch hier das Lied in seinen verschiedenen Ausprägungen. Meist handelt es sich also um Strophenlieder mit einfacher Melodik und Harmonik. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden auch Elemente aus dem Blues übernommen, Country Music gar »der Blues des weißen Mannes« genannt, dies nicht ganz zu Unrecht: Zwar sind die Gegebenheiten in der Machart der Musik andere, doch sind die Themen ähnlich. Wie beim Blues sind es die Einsamkeit des Menschen angesichts einer überwältigenden und oft genug auch feindlichen Natur wie auch tatsächliche und offensichtliche soziale Verwerfungen und Benachteiligungen. So ist es wohl auch kein Zufall, dass die erste Wirkung der Country Music, seinerzeit noch Hillbilly, wenn nicht gleich Oldtime Music genannt, in die Zeit der großen Depression fiel. Arbeitslosigkeit, soziale Isolation, Alkoholismus und Partnerprobleme sind die konstanten Themen. Anders als die Musiker in einigen Bereichen der Folk Music nimmt die Country Music keine eindeutig politische, schon gar nicht links gerichtete Haltung ein. Andererseits ist die Country Music als Ganzes auch nicht die »Redneck Music«, als die sie vor allem in Europa häufig verschrieen wurde. Vielmehr singt die Country Music Hymnen auf den unabhängigen, autarken, wenn auch einsamen Mann. Den sah man im Laufe der Jahrzehnte mal in Lastwagenfahrern – natürlich Trucker genannt – mal in Motorradfahrern. Die Instrumente der Country Music waren und sind die Instrumente der europäischen Volksmusik, regional mitunter spezifisch – wie das Akkordeon bei den Cajuns Louisianas –, in der Regel aber durchweg Saiteninstrumente: Streichinstrumente wie die Fiddle und der Kontrabass einerseits, Zupfinstrument wie Banjo, Gitarre und Mandoline andererseits. Die europäische Gitarre wurde bald vergrößert und mit Stahlsaiten ausgestattet, manchmal auch statt mit sechs Saiten mit 12. Es bildeten sich bei fast allen Instrumenten spezielle Spielweisen heraus. In der archaischen Country Music spielen Perkussionsinstrumente eine weniger bedeutende Rolle, zu nennen wären überhaupt nur Maultrommel, Waschbrett und Löffel. Nachdem seit den 1930er-Jahren elektrische Gitarren verfügbar waren, wurden auch diese Instrumente benutzt und mit der Steel Guitar und später der Pedal Steel Guitar sogar neue Spielweisen und Instrumente einbezogen. Der wimmernde, glissandierende Klang der Steel Guitars wurde sogar zu einem Kennzeichen der Country Music. Gegen Ende der 1930er-Jahre, mit dem Aufkommen des Big-Band-Swing, wurde das Schlagzeug in den Western Swing integriert, eine Mischung von Swing und Country. Im Laufe der 1970er- und 1980er- Jahre wurde das Drum Set nicht zuletzt unter dem Einfluss des seit Ende der1960er-Jahre entstandenen Country Rocks, auch in der Country Music zum obligaten Instrument. In gleicher Weise ersetzten elektrische Gitarren und Bässe allmählich, wenn auch nicht in ganzer Breite, die traditionellen Instrumente. Außer dem Klavier und verschiedenen Harmonikainstrumenten spielen Tasteninstrumente wie die Hammond-Orgel, elektrische Klaviere und Synthesizer in der Country Music keine Rolle; erst in jüngeren Formen der Country Music, die sich der Popmusik annähern, werden sie von Fall zu Fall eingesetzt. Gleiches gilt für alle Blasinstrumente: In Einzelfällen werden sie verwendet, gehören aber nicht zum Standardinstrumentarium. Zwar handelt es sich beim Gesang meistens um Solo-Gesang, doch ist der Satzgesang in verschiedenen Formen, auch a capella, ein gängiges und hoch differenziertes Stilmittel. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Country Music stark vom Blues. Eine Besonderheit stellt das Jodeln dar, das in verschiedenen Ausformungen der Country Music eine übliche Gesangstechnik ist. Insgesamt ist die Country Music reich an attraktiven Melodien. Die Country Music hat, wie eingangs schon gesagt, ihre Wurzeln in der europäischen Volksmusik. Da die Einwanderer in die USA aus verschiedenen Ländern Europas kamen, war Mischung und gegenseitige Einflussnahme von vornherein nicht auszuschließen., zumal die Musik nicht schriftlich fixiert war und auch weiterhin mündlich weitergegeben wurde. In einzelnen Regionen der USA hielt sich dennoch die überkommene Volksmusik und entwickelte sich entweder gar nicht oder nur sehr langsam weiter. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch relativ heterogene Musik, etwa aus den südlichen Appalachen, wurde als Old Time Music bezeichnet. Einzelne Songs wurden auf Schallplatten veröffentlicht, doch erst 1927 nahm die Schallplattenfirma Victor den Sänger und Banjospieler J. Rodgers und die Carter Family unter Vertrag. Zu dieser Zeit war die Musik dieser Interpreten schon so gefragt, dass Millionen Schallplatten abgesetzt werden konnten. Die Akzeptanz und Popularität der »alten« Musik war seit Beginn des Jahrhunderts wegen der Existenz der Schallplatte zwar gewachsen, zu einem Massenphänomen wurde die Old Time Music aber erst durch den Rundfunk. Von 1925 an strahlte der Radiosender WSM wöchentlich eine Konzertsendung aus Nashville aus, die sich bald ausschließlich der Country Music widmete und 1927 den Namen Grand Ole Opry erhielt. An der schnell steigenden Bedeutung der Grand Ole Opry, die bald zu einer Art Maß gebenden Institution wurde, hatte der Sänger Roy Claxton Acuff (* 1903, † 1992). Acuff war auch der erste Country-Musiker, der mit Hickory Records ein eigenes Schallplatten-Label gründete, samt dem dazugehörigen Musikverlag. Andererseits steht Nashville auch dafür, dass die Musik sich aus dem ländlichen, von Amateuren bestimmten Rahmen löste und zu einer technisch perfekt produzierten Musik wandelte. Noch heute befinden sich in der Stadt eine Vielzahl von Studios und den dazugehörigen Produktionsfirmen und Verlagen. Wichtiger aber ist, dass hier aus einer Armada von hervorragenden Musikern ausgewählt werden kann und daher selbst viele Rock- und Pop-Produktionen in Nashville durchgeführt werden. Erheblichen Anteil an der Verbreitung der Countrymusic hatte seit den 1930er-Jahren der Tonfilm. 1930 war Ken Maynard der erste »Cowboy«, der in einem Film sang (The Wagon Master, 1930). Bis weit in die 1950er-Jahre hinein war Country Music unumgänglicher Bestandteil der meisten Cowboyfilme. Nicht wenige Musiker traten auch als Schauspieler auf und warben damit für die eigene Musik. Natürlich sorgte auch die Ausweitung der stilistischen Möglichkeiten der Country Music, wie sie beispielsweise der Western Swing darstellte, für eine Vergrößerung des Publikums.

Während der 1940er- und 1950er-Jahren konnten sich verschiedene Ausprägungen der Country Music als die populäre Musik der USA schlechthin etablieren und auch der Anfang der 1950er-Jahre aufkommende Rock’n’Roll wurzelte zumindest teilweise im Western Swing, also in der Country Music. Musiker wie Bill Haley (* 1925, † 1981), Carl Perkins (* 1932, † 1998), Jerry Lee Lewis (* 1935) und auch Elvis Presley (* 1935, † 1977) kamen aus dem Umfeld der Country Music. Dennoch bewirkte die Entstehung der Rockmusik eine Abgrenzung zur Country Music, die nunmehr, Anfang der 1950er-Jahre, von jüngeren Hörern als altmodisch und hinterwäldlerisch abgelehnt wurde – später wohl auch in zunehmendem Maß wegen der als konservativ oder sogar reaktionär empfundenen Themen der Country Music. Dennoch konnten selbst in den 1960er-Jahren Musiker wie Johnny Cash (* 1932, † 2003), Gene Vincent (* 1935, † 1971) und Roy Orbison (* 1936, † 1988) mehr oder weniger große Erfolge verzeichnen.

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre begannen junge Musiker, Elemente des Rock mit Country zu vermischen, kenntlich insbesondere an der obligaten Verwendung des Schlagzeugs. Wenn auch nach wie vor traditionelle Western-Gitarren verwendet wurden, so wurde den elektrischen Instrumenten der Vorrang eingeräumt; prototypisch für diese Ausprägung der Rockmusik kann die Musik der amerikanischen Bands The Eagles einerseits, der Dillards andererseits angesehen werden. In den 1970er-Jahren erhielt die Country Music gerade aus der Rockmusik Anregungen. Zwar gehörten Musiker wie Emmylou Harris (* 1947) und Gram Parsons (* 1946, † 1974) zunächst keineswegs zum Establishment der in Nashville tätigen Musiker, doch erschlossen sie der Country Music eine jüngere Hörerschaft. Zu diesen Musikern zählen auch etwa k. d. lang (eigentlich Kathryn Dawn Lang, * 1962), Lyle Lovett (* 1957) und Nanci Griffith (* 1953): lang versuchte die Country Music aus sich selbst heraus zu erneuern, Griffith ging an die europäischen Wurzeln und Lovett bezog Jazz und Blues ein.

Mit dem Begriff Country Pop ist die etwa seit den 1980er-Jahren in Nashville perfekt produzierte, alle mal für die Hit-Paraden taugliche Musik nicht falsch umschrieben. Sängerinnen und Sänger wie Mary-Chapin Carpenter (* 1958), Shania Twain (eigentlich Eileen Regina Edwards, * 1965), Garth Brooks (* 1962), Dwight Yoakam (* 1956) oder auch Clint Black (* 1962) stehen für diese Musik, die in der Konsequenz so weit von der Country Music entfernt sein kann wie etwa die von Faith Hill (* 1967), in deren Gesang sich zwar das Country-Element stets hier und da findet, deren Veröffentlichungen als Ganzes aber zum Mainstream der Popmusik gezählt werden müssen. Dies gilt auch für Taylor Swift (* 1989) und Miley Ray Cyrus (* 1992), Tochter des Country-Sängers Billy Ray Cyrus; in kleinerem Rahmen haben beide Sängerinnen aber auch überzeugend vorgeführt, dass sie trotz ihrer Karrieren in anderen Bereichen des Show-Geschäfts nach wie vor in der Lage sind, authentisch Country Songs zu singen.

Mit Auftreten des Rock’n’Roll waren in der Country Music stets Gegenbewegungen zur in Nashville mitunter apodiktisch vertretenen Auffassung von Country Music zu beobachten. In jüngerer Zeit zeugen von dieser Bewegung, die allemal als ein Versuch zur Rückkehr zu authentischer Musik angesehen werden können, Musiker und Bands wie etwa Howe Gelb (* 1956), Lucinda Williams (* 1953), Alison Krauss (* 1971) mit ihrer Band Union Station, Dixie Chicks, Calexico und The Jayhawks, um nur wenige zu nennen. Auch Johnny Cash war mit seinen letzten Veröffentlichungen Teil dieser Bewegung. Daneben gibt es immer wieder Außenseiter, sogar ganze Strömungen wie etwa den Cow Punk der 1980er-Jahre, die Einfluss auf die Country Music nahmen, mitunter auch an Nashville vorbei.

Wollte man Country Music grundsätzlich charakterisieren, so zeigt sie sich als eine Musik der Sängerinnen und Sänger – Patsy Cline, Kitty Wells, Loretta Lynne, Dolly Parton, June Carter, Hiram »Hank« Williams, Willie Nelson, Don Williams, Kris Kristofferson und Merle Haggard seien stellvertretend für viele genannt.

Literatur

R. Cantwell: Bluegrass breakdown. The making of the old Southern sound (Neuausgabe Urbana, Illinois, u. a. 1984)
Who’s who in new country music, bearb. v. A. Vaughan (London u. a. 1989)
B. Malone: Country music, U.S.A. (Neuausgabe Austin, Texas, 2002)
R. Carlin: Country music. A biographical dictionary (New York u. a. 2003)
S. A. Kallen: The history of country music (San Diego, Kalifornien, u. a. 2003)
The encyclopedia of country music, hg. v. P. Kingsbury (New York u. a. 2004)
W. Fuchs: Das neue große Buch der Country Music (2005)
The Billboard illustrated encyclopedia of country music, hg. v. T. Byworth (New York 2007)

Weblink

http://www.roughstock.com/history/ (Website zur Geschichte der Country Music)