Direct-to-Disc-Recording

Direct-to-Disc-Recording, englisch für »unmittelbar auf Platte aufnehmen«, auch Direktschnitt-Verfahren genannt, analoges Aufnahmeverfahren, bei dem ohne den Zwischenschritt des Speicherns auf Tonband das Schallereignis direkt auf die Mater geschnitten wird.

Direct-to-Disc-Recording ist das ursprüngliche Verfahren, Musik auf Tonträgern festzuhalten. Seit der Erfindung der Tonaufnahme auf Wachszylindern durch Thomas A. Edison bis zur Einführung von Magnetdraht- und Magnetbandgeräten, war dieses Verfahren das einzig Mögliche. Die Konservierung von Schallereignissen auf magnetischen Trägern stellt einen Zwischenschritt dar, dessen Vorteil darin zu sehen ist, dass vor dem Schnitt der Mater noch Korrekturen an der Aufnahme vorgenommen werden können bis hin zur Wiederholung der Aufnahme. Das Verfahren, zunächst auf Wachsplatten aufzunehmen, war noch bis in die 1950er-Jahre üblich.
Die Aufnahme auf magnetischen Trägern, in der Regel Tonbändern, hat aber auch Nachteile, die vor allem in der eingeschränkten Dynamik und im Eigenrauschen des Bandes zu sehen sind. Um diese Nachteile zu umgehen, bietet sich das Direct-to-Disc-Recording an, bei dem die Tonspannung über den Schnittverstärker direkt auf den Schneidkopf wirkt. Das Verfahren stellt hohe Anforderungen an die beteiligten Musiker: Da nachträgliche Manipulationen an der Aufnahme, also etwa auch Korrekturen, nicht möglich sind, findet die Aufnahme praktisch in Konzertatmosphäre statt, und seitens der Musiker sollten Fehler möglichst nicht unterlaufen. Da direkt in die Mater – eine Lackfolie oder beim DMM-Verfahren eine dünne Kupferfolie – geschnitten wird, stellt diese ein Unikat dar. Von der Mater werden die Platten direkt gepresst; ist die Mater verschlissen, so können keine weiteren Platten hergestellt werden. Da das Material der Mater sehr weich ist, können nur sehr kleine Auflagen einer Platte gepresst werden. Daraus ergibt sich auch ein recht hoher Preis der im Direktschnitt-Verfahren hergestellten Platten.
Das Direct-to-Disc-Verfahren war vor Einführung der CD vor allem für Jazz-Aufnahmen und für so genannte audiophile Aufnahmen einigermaßen gebräuchlich, wenn auch keineswegs häufig angewendet. Da Rockmusik weniger als Jazz eine Musik der Improvisation und damit des Augenblicks ist, gibt es nur sehr wenige Rock-Aufnahmen, für die dieses Verfahren eingesetzt wurde. Der Übergang zur digitalen Aufnahmetechnik machte das Direct-to-Disc-Verfahren überflüssig, wenn es gelegentlich auch noch angewendet wird.