Diskothek

Diskothek, Tanzstätte, in den 1960er-Jahren aus Vorläuferformen entwickelt und besonders in den 1970er-Jahren von zentraler Bedeutung für bestimmte Bereiche der Pop Music.

Eine Diskothek ist ebenso ein realer Raum wie eine soziale Einrichtung; ungebräuchlich ist es dagegen in der Bundesrepublik Deutschland, eine Schallplattensammlung als Diskothek zu bezeichnen, wie es der Begriff analog zum Begriff Bibliothek nahelegt. Als Örtlichkeit ist eine Diskothek ein Tanzsaal von unterschiedlicher Größe Dabei kann es sich um alte Supermärkte, Kinos oder umfunktionierte Theater handeln.
Kern einer Diskothek ist immer die technische Ausrüstung, zu der der Arbeitsplatz des Disc Jockeys mit Platten- bzw. CD-Spielern, Mischpult, Verstärkern, Lautssprechern und der Schallplattensammlung gehört; von größter Wichtigkeit ist aber auch die Lichtanlage mit farbiges Licht abstrahlenden Scheinwerfern, Spot-Lights, Schwarzlicht, Stroboskoplampen und Spiegelkugel. Häufig gibt es auch Nebelmaschinen und Diaprojektoren. Auch die eigentliche Tanzfläche wird mitunter einer besonderen Gestaltung unterworfen. In einer Diskothek, kurz Disko genannt, spielt laute Musik die wichtigste Rolle, entsprechend dimensionert sind die Lautsprecherboxen. Es kommt auf den einzelnen Discjockey an, ob sich die Lautsprecherboxen als gesundheitsschädigende Folterinstrumente erweisen; übergroße Lautstärken, denen die Tänzer über lange Zeit ausgesetzt sind, schädigen ohne Zweifel das Gehör. Die Gestaltung von Diskotheken ist gewissen Moden unterworfen: Als die Diskos in den 1960er-Jahren aufkamen, waren es spärlich beleuchtete Räume, oft mit altem Mobiliar versehen. In den späten 1970er-Jahren gab es Diskotheken, die teilweise hell erleuchtet waren, doch gehört eine gewisse Dunkelheit zu einer Diskothek.
Als sozialer Raum ist die Diskothek der Treffpunkt von Jugendlichen; es gibt aber auch Diskotheken, die ein bestimmtes Publikum anziehen (Homosexuelle, Motorradfahrer usw.) und auf dieses auch die Musik abstimmen. Zwar gibt es Diskothekengänger, die jeden Tag in die Disko gehen, doch ist naturgemäß besonders das Wochenende dem Diskobesuch vorbehalten. Während der Disco-Welle in den 1970er-Jahren, die zu einer regelrechten Disko-Kultur führte, sahen viele Diskothekenbesucher hier auch die Möglichkeit, sich und ihre Kleidung zu zeigen, was in den 1960er-Jahren nicht unbedingt im Vordergrund stand.
Diskotheken stehen keineswegs immer in einem guten Ruf: Sie gelten als Stätten des Drogenhandels, als Versammlungsorte von Menschen, die nicht miteinander reden wollen – und aufgrund der herrschenden Lautstärke der Musik auch nicht können – und natürlich als Orte des Nepp. Wenn dies alles auf Einzelfälle auch immer wieder zutrifft, so dürfte es außer bei Konzerten keinen zweiten Ort geben, wo das sinnliche Erlebnis der Musik so intensiv ist wie in der Diskothek. Bekannte Diskotheken waren bzw. sind das Studio 54 in New York, das Metropol in Berlin, La Maine Bleue in Paris und Jubilation in Las Vegas.
In den 1980er-Jahren verloren die Diskotheken allmählich an Bedeutung und in den 1990er-Jahren – etwa mit dem Aufkommen von zunächst Rave Music und wenig später Techno änderte sich das Phänomen Diskothek: Einerseits gab es Orte, wo Ad Hoc Tanzveranstaltungen statt fanden, häufig durch Mundproaganda, Handzettel oder auch durch das Internet bekannt gemacht und mitunter illegal. So gab es Tanzveranstaltungen in leeren Fabrikgebäuden, Straßenbahndepots und stillgelegten Kraftwerkhallen. Daneben konnten sich feste Veranstaltungsorte halten und sogar überregionale Bedeutung erreichen, wie etwa das Tresor in Berlin. Diese nennen sich aber nicht mehr Diskothek, sondern Club.



Literatur

Hanson, Kitty:: Disco Fieber; München 1979