Doo Wop

Doo Wop, überwiegend von schwarzen Vokalgruppen der 1950er-Jahre vorgestellte Musik, die eine Mischung von Gospel, Tin Pan Alley und Rhythm & Blues bildet.

Der Name Doo Wop wurde wohl erst Ende der 1950er-Jahre hier und da verwendet, doch gab es die Musik schon weitaus länger. Bereits in den 1920-Jahren hatten sich männlich besetzte Vokalgruppen gebildet – man könnte sie auch als Vorläufer der Boy Groups sehen –, die in mehrstimmigen Satz vorwiegend A cappella sangen, instrumentale Begleitung war die Ausnahme und auch im Doo Wop der 1950er- und 1960er-Jahre werden in vielen Fällen als instrumentale Begleitung lediglich Klavier und Schlagzeug eingesetzt. So wurden die Aufgaben in den aus vier bis sechs Sängern bestehenden Ensembles mehr oder weniger klar aufgeteilt: Ein Teil der Stimmen, etwa Bass und Sopran, stellten eher instrumentale Teile des Satzes dar, anderen, insbesondere dem Tenor, ist der Text zugewiesen; die Aufgaben wechseln aber mitunter. Der Sopran wird im Falsett gesungen und führt wie der Bass nur Melismen auf sinnlosen Silben aus; im Bass eben etwa Doo Wop, damit einen Kontrabass nachahmend.

Anfang der 1950er-Jahre wurde die Musik der Doo-Wop-Gruppen einem größeren Publikum bekannt, nachdem Ensembles wie The Orioles, The Clovers, The Dominoes und The Five Keys mit ihren Schallplatten einigen Erfolg hatten. Der Erfolg der zu dieser Zeit noch ausschließlich von Afroamerikanern gebildeten Gruppen führte dazu, dass auch weiße Sänger – auffallend viele Italo-Amerikaner darunter – Doo-Wop-Ensembles formierten; Gruppen wie The Penguins und The Five Satins fanden dann ebenfalls erheblich Publikumszuspruch. Gegen Ende der 1950er-Jahre gab es dann auch Gruppen, in denen weiße und schwarze Sänger vertreten waren. Insgesamt blieb Doo Wop eine durch und durch amerikanische Musik, die in Europa zwar registriert wurde, aber in der Gunst des Publikums längst nicht die Stellung erreichte wie in den USA. Doch auch in den USA waren Anfang der 1960er-Jahre die Tage dieses Erfolgs gezählt: Die British Invasion führte dazu, dass die Gesangsgruppen bis Mitte der 1960er-Jahre aus den Hitparaden nahezu völlig verschwanden. Namen wie The Teenagers mit Frankie Lymon, The Drifters, Clyde McPhatter, The Gladiolas, Dion & the Belmonts, The Cuff Links, The Spaniels, The Chords, The Chantels und zahllose andere waren damit Geschichte.

Wenn Doo Wop natürlich auch kein Rock’n’Roll oder Rock ist, so bleiben die Elemente des Doo Wop im Rock lebendig, wenn sie auch nicht eben häufig genutzt werden: Frank Zappa etwa griff immer wieder – oft in ironischer Absicht – auf die Stilmittel der Musik zurück und selbst eine Sängerin wie Cindy Lauper nahm mit »Maybe He’ll Know« (»True Colors«; 1986) einen Doo-Wop-Titel auf. Die Klangwelt des Doo Wop findet sich in Ansätzen auch in der Musik der Beach Boys, wenn auch nicht in reiner Form: Zwar gibt es den im Doo Wop üblichen Falsett-Gesang, doch drängten die Beach Boys den instrumentalen Anteil des Doo Wops zurück, weil ihnen die Mittel der Surf Music zur Verfügung standen, also Gitarren für die Mittelstimmen und ein elektrischer Bass für die tiefen Töne.

Doo Wop wird in jüngerer Zeit gelegentlich von A-cappella-Formationen im Konzert vorgeführt, ist aus der Rock- und Popmusik insgesamt aber nahezu verschwunden.

Diskografie

The Mothers of Invention : Cruising with Ruben & the Jets (1968)
Diverse: The Very Best of Doo Wop (1996; Zusammenstellung)

Literatur

Gribin, Anthony J./Schiff, Matthew M.: Doo-wop – The Forgotten Third of Rock’n’Roll; Iola (Wisconsin) 1992