Dynamik

Dynamik, von griechisch dýnamos für »Kraft«, Abstufung eines Tones, einer Tonfolge oder einer ganzen Komposition nach Lautstärkegraden, oft aber auch nur andere Bezeichnung für Lautstärke.

Diese Grade werden in der Notation mit verschiedenen Zeichen von relativer Bedeutung ausgedrückt (fff, ff, f mf, p, pp, ppp usw.: forte fortissimo, fortissimo, forte, mezzo forte, piano, pianissimo, piano pianissimo). Die subjektiv empfundene Lautstärke wird in der inzwischen veralteten Einheit Phon angegeben. Statt ihrer wird mittlerweile das Maß dB (Dezibel) verwendet, das z. B. auch einen Zusammenhang zwischen Schallquelle und Entferung von ihr ausdrücken kann; naturgemäß nimmt die Lautstärke einer Schallquelle mit zunehmender Entfernung von ihr ab. Eine Aussage wie: »Die Lautsprecher strahlen mit 100 dB ab« ist also ohne Wert, wenn nicht gleichzeitig gesagt wird, in welcher Entfernung von der Schallquelle dieser Wert gemessen wurde.
Als eines der Merkmale von Rockmusik gilt nichtabgestufte und übersteigerte Lautstärke. In der Tat wird der dynamische Verlauf sehr vieler Stücke nicht variiert; je nach Stilrichtung steht aber die dynamische Gestaltung der Musik mehr oder weniger im Vordergrund des Interesses der Musiker: Hardrock und Heavy Metal variieren die Lautstärke allenfalls in großen Abstufungen, während Rockmusik, die dem Jazz oder der Kunstmusik näher steht, sehr wohl auch feinere dynamische Abstufungen kennt. Grundsätzlich allerdings ist Rockmusik aufgrund der notwendigen elektrischen Verstärkung und des obligatorischen Einsatzes eines Schlagzeugs lauter als andere Musik. Das Komprimieren kompletter Musikstücke zum Zweck einer größeren »Lautheit« wird seit Anfang der 1990er-Jahre in einigen Bereichen der Rock- und Popmusik beinahe obligat angewendet. Dieses Vorgehen in der Produktion von Musik hat einen zweifelhaften Wert: Bei obligater Anwendung und auf lange Sicht verändert es das Hören.
Mögen einerseits historische Gründe die Ursache für die in Rock-Konzerten übliche Lautstärke sein, so ist auch das zwanglose Verhalten des Publikums ein weiterer Grund: In Roc-Konzerten wird geredet, gepfiffen, gejohlt, im Raum umhergegangen.
Problematisch erscheint größere Lautstärke, wenn sie das Musikhören erschwert. Außer mühsam zurückgehaltener Aggression oder beginnender Taubheit bei Musikern und Ton-Mixer kann es für derartige Attacken keinen Grund geben. Tatsächlich schadet überhöhte Lautstärke in Diskotheken, bei Konzerten und selbst in manchen Schallplattenläden – die zuweilen leicht die Schmerzgrenze überschreitet –, vor allem den für diese Lautstärke Verantwortlichen, den Musikern selbst. Pete Townshend von der britischen Gruppe The Who beispielsweise kann in Konzerten nicht mehr Solo-Gitarre spielen, weil sein Gehör mittlerweile so weit zerstört ist.
Der Verzicht auf eine fein abgestufte Dynamik, die auch mit elektrisch verstärkten Instrumenten möglich ist, bedeutet dabei auch einen Verzicht auf Gestaltungsmöglichkeiten der Musik. Die Musik Kate Bushs, Lisa Dalbellos, Regina Spektors oder Peter Gabriels ist ohne akribische Komposition der Lautstärkegrade undenkbar. Andere Bands, wie z.B. Sonic Youth oder My Bloody Valentine, benutzten Lautstärke als zentrales Moment ihrer Musik.



Diskografie

Kate Bush: The Dreaming (1982)
Lisa Dalbello: Whoman Four Says (1984)
Henry Cow: Legend (o. J.)
Regina Spektor: Begin to hope (2006)