Easy Listening

Easy Listening, zusammengesetzt aus englisch »leicht« und listening für »Hören«, auch Orchestral Pop oder in jüngerer Zeit Lounge Music, weniger Bezeichnung für eine bestimmte Hörhaltung als eine für eine bestimmte tatsächliche Instrumentalmusik; der Begriff wurde 1965 von Claude Hall, seinerzeit Mitarbeiter bei dem amerikanischen Musik-Branchenblatt Billboard geprägt, ist vermutlich aber schon früher gängig gewesen.

Billboard hatte als bedeutendstes und sehr einflussreiches Organ der Schallplattenindustrie schon seit einigen Jahrzehnten sich die Hoheit über die Begriffsbildung in der Musik, insbesondere der gesamten Popmusik angeeignet. Bezeichnungen, die von Billboard etwa in ihren Charts benutzt wurden, wurden meist auch von anderen Musikmagazinen und natürlich vom Rundfunk für die Programmgestaltung übernommen. Hall bezeichnete mit Easy Listening eine oft rein instrumentale Musik, häufig von um Streichergruppen verstärkte Big Bands präsentiert, die von angenehmen Melodien, geringer, ausgeglichener Dynamik und einem insgesamt unauffälligen, auf jeden Fall nicht störenden Klangbild bestimmt ist; Instrumente mit elektrischer Tonerzeugung sind in diesen Arrangements die Ausnahme. Derartige Musik wurde etwa in Empfangshallen von Flughäfen und Bahnhöfen, in Kaufhäusern und Malls eingesetzt, aber auch in Privathäusern etwa bei der Hausarbeit quasi »nebenbei« gehört. Es handelt sich dabei aber nicht wie bei Muzak um eine rein funktional bestimmte Musik – deren Sinn gerade darin besteht, keinen Wiedererkennungswert zu besitzen -, sonder um eine durchaus perfekt gestaltete und produzierte Musik, die deshalb auch, anders als Muzak, von jedermann im Schallplattenladen gekauft werden konnte. Protagonisten des Easy Listenings waren bzw. sind etwa die Komponisten, Band Leader und Produzenten Bert Kaempfert, Henry Mancini, Burt Bacharach, Billy Vaughn, Herb Alpert, Percy Faith, Ray Conniff mit seinem Chor, außerdem zumindest gelegentlich Frank Sinatra, Stan Getz, Antonio Carlos Jobim, später auch etwa Dionne Warwick, The Fifth Dimension, Pink Martini, De-Phazz, Pizzicato Five. Die Orchester Kaempferts, Mancinis und anderer spielten dabei nicht nur Arrangements von Kompositionen ihrer Band Leader, sondern auch Musik aus Filmen und Musicals, je nach Eignung auch aktuelle Hits.
Easy Listening hat immer wieder in der einen oder anderen Form eine gewissen Einfluss auf die Rockmusik gehabt, in Überspitzung etwa bei Phil Spector, später vor allem bei den Beatles, als George Martin einige Songs von Lennon und McCartney mit einem entsprechenden instrumentalen Arrangement versah. Beispiele bieten »Yesterday« (1965), »She’s Leaving Home« (1967; Arrangement: Mike Leander), »When I’m Sixty Four« (1967) oder auch »Good Night« (1968); in all diesen Fällen wird aber der eingängigen Musik durch die Thematik des jeweiligen Songs oder auch der Ironie des Textes widersprochen – es ist Musik, die im Gewande des Easy Listenings daherkommt, aber kein »Nebenbeihören« erlaubt.
Der Begriff verlor schon gegen Ende der 1960er-Jahre an der nötigen Trennschärfe, einerseits zu Muzak hin, andererseits zu einigen Ausprägungen der Rock- und Popmusik. Die Übergänge zum Soft Rock beispielsweise sind keineswegs immer sicher auszumachen. Als zunehmend auch vokal bestimmte Musik als Easy Listening bezeichnet wurde, gab Billboard den Begriff auf und ersetzte ihn durch Adult Contemporary Music; diese Bezeichnung wiederum ist von vornherein weiter gefasst als Easy Listening – und auch einigermaßen nichts sagend
In der Beurteilung von Rockmusik ist der Begriff Easy Listening natürlich abwertend gemeint.