Elektronische Musik

Elektronische Musik, etwa seit 1950 im Zusammenhang mit dem Studio für Elektronische Musik (Herbert Eimert, Karlheinz Stockhausen u. a.) aufgekommener Begriff, der eine Musik bezeichnet, die ausschließlich aus durch elektrische Generatoren erzeugten Schwingungen besteht, wobei die Schwingungen in mehreren Verfahrensschritten (Tonbandschnitt, Filter, Nachhall, Ringmodulation, usw.) verformt werden können

In einem allgemeineren Sinn wird elektronisch auch eine Musik genannt, die zwar auf mechanischem Wege entsteht (elektrische Gitarre, Hammond-Orgel, Clavinet u. a.), jedoch elektroakustisch verstärkt und umgewandelt wird (in diesem Sinne versteht etwa auch der Saxophonist Andy Mackay von Roxy Music in seinem Buch Electronic Music den Begriff). In jüngerer Zeit hat sich als Oberbegriff der Begriff elektroakustische Musik eingebürgert, dem es allerdigns ebenfalls an letzter Schärfe fehlt: Natürlich lässt sich jedes Instrument mittels Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher elektrisch verstärken. Die daraus resultierende Musik ist deshalb dennoch keine elektroakustische Musik.
In der Rockmusik sind Kombinationen von elektrisch verstärkter und elektronischer Musik die Regel, selbst Gruppen, die im Rufe stehen, elektronische Musik zu machen (bspw. Tangerine Dream), verwenden oder verwendeten mechanische, aber elektrisch verstärkte Instrumente. Probleme in Bezug auf die Bildung eines Begriffes werfen Instrumente auf, deren Klangerzeugung auf Sampling beruht: zwar ist das Instrument selbst ein elektronisches Instrument, der eigentliche Klangerzeuger – das Instrument, das gesamplet wurde – aber kann durchaus ein herkömmliches Instrument wie Violine, Oboe, Trompete usw. sein.
Zwischen Komponisten Elektronischer Musik und Rockmusikern, die mit elektronischen Instrumenten arbeiteten, hat es kaum Dialoge gegeben. Zwar war und ist Karlheinz Stockhausen ein von vielen Rockmusikern bewunderter Komponist – dessen Platten häufig auch in Schallplattenläden stehen, die sich ausschließlich der Rockmusik widmen -, doch verstehen Rockmusiker unter elektronischer Musik vor allem die Ebene der Klangerzeuger, während diese für die Komponisten der Elektronischen Musik eher zweitrangig sind. Als Rockmusiker längst die Synthesizer der Firmen Moog und ARP verwendeten, blieben die Verfechter der Elektronischen Musik bei Tongeneratoren, Ringmodulatoren und Bandmaschinen. Auch hat Musik, die ausschließlich mit Synthesizern erzeugt wird, unter Rockhörern das Image von »Meditationsmusik«.
Mit der Entwicklung digitaler Tontechnik – die in Form von Computern und Soundkarten spätestens seit Anfang der 1990er-Jahre für jedermann erschwinglich wurden – erlebte die Elektronische Musik einen Aufschwung im Bereich der Popmusik, kenntlich etwa an Musikstilen wie Techno und HipHop, die ohne elektronische Klangerzeuger und Produktionsmittel wie Sequencer nicht denkbar sind. Auf dieser Ebene ist elektronische Musik äußerst populär geworden; der ursprüngliche Gedanke der elektronischen Musik findet sich hier aber nicht wieder.



Diskografie

Robert Margouleff/Malcolm Cecil: Tonto’s Expanding Head Band (1975)
Synergy: Sequencer (1976)
Joseph Byrd: Yankee Transcendoodle (1976)



Literatur

Eimert, Herbert/Humpert, Hans Ulrich: Das Lexikon der elektronischen Musik; Regensburg 1973
Stroh, Wolfgang Martin: Zur Soziologie der elektronischen Musik; Berg. a. I./Zürich 1975
Kneif, Tibor: Elektronik in der Rockmusik; in: Musik und Bildung 12/1979
Mackay, Andy: Electronic Music; Oxford 1981