enharmonische Umdeutung

enharmonische Umdeutung, auch enharmonische Verwechslung, aufgrund der gleichschwebend-temperierten Stimmung gegebene Möglichkeit, einen vorhandenen Akkord auch als Bestandteil einer Akkordfolge einer anderen Tonart zu sehen.

Praktisch bedeutet dies, dass ein Cis gleichzeitig ein Des, ein Dis ein Es, ein Fis ein Ges usw. ist und daher als ein in mehreren Tonarten beheimateter Ton angesehen werden kann, Dies eröffnet dem Komponisten große Möglichkeiten der Modulation von einer in eine andere Tonart, ein Möglichkeit, die besonders von Komponisten im 19. Jahrhundert bis zur Auflösung der Tonalität im 20. Jahrhundert genutzt wurde.
Von instrumental-praktischer Bedeutung ist die Möglichkeit, eine Komposition enharmonisch umdeuten zu können, denn dies kann die Lesefreundlichkeit von Partituren für transponierende Instrumente erhöhen. So müsste eine in E-Dur stehende Komposition für ein Alt-Saxofon in Es eigentlich in Cis-Dur geschrieben sein, wird aber dann in Des-Dur notiert. Das Klangresultat ist das gleiche.