Free Funk

Free Funk, Ende der 1970er-Jahre in New York entwickelter Jazz-Stil; Kennzeichen sind neben Funkrhythmen vor allem prägnante Bassriffs, die häufig auch formbildenden Charakter haben.

Aufgekommen gegen Ende der 1970er-Jahre in New York, erwies sich Free Funk als die stärkste Strömung innerhalb des Jazz der 1980er-Jahre. Free Funk ist weit mehr als der Jazzrock der 1960er- und beginnenden 1970er-Jahre eine Musikrichtung, an der sowohl Rock- als auch Jazzmusiker beteiligt waren. Mehrere Gruppen sind es, die am Beginn von Free Funk standen: das Quartett des Gitarristen James Blood Ulmer, Material, Defunkt, später dann Luther Thomas‘ Band Dizzazz und Ronald Shannon Jacksons Decoding Society. Ausgangspunkt ihrer Musik war in jedem Fall eine Funk-Rhythmusgruppe, die einerseits für einen ständig durchlaufenden Beat sorgte, andererseits den Gegenpol zu dem jeweiligen Solisten darstellte. Die Riffs waren an die Bassfiguren des Funk angelehnt, doch war das Tempo in der Regel schneller und die Ausformung des Riffs komplizierter; vor allem aber sind viele Riffs – ein- oder zweitaktig – zweiteilig angelegt, wobei der erste Teil nicht verändert wurde, während der zweite Teil Spielmaterial des Bassisten ist und ständig variiert wurde. Häufig trat noch ein Gitarrist zu der Rhythmusgruppe und fügte typische Funk-Rhythmusmuster hinzu. Die Solisten dagegen waren tonal nicht, wie die Rhythmusgruppe, gebunden, sondern improvisierten zumeist frei, fanden sich aber auch oft in modale Skalen. Zu vielen Free-Funk-Bands gehörte obligat ein Sänger oder eine Sängerin.

Free Funk hat in den 1980er-Jahren den größten Einfluss auf den Jazz gehabt; Kompositionen nach den Maßgaben des Free Funk sind dann auch bei vielen Jazzmusikern zu finden, selbst die Musik von Miles Davis (»Tutu«, »Decoy«) schöpfte aus diesem Jazz-Stil. Aber auch auf den Funk wiederum hatte Free Funk Rückwirkungen, vor allem in der Konstruktion von Riffs. Letztlich ist Free Funk nicht losgelöst von anderer Rock- und Jazz-Musik zu sehen, sondern befand sich in einer Tradition und ist Teil eines geschichtlichen Ganges.

Diskografie

Defunkt: Defunkt (1980)
Defunkt: Thermonuclear Sweat (1982)
Donkey Kong: Multi Scream (1984)
James Blood: Tales of Captain Black (1978)
Toshinoro Kondo: Metal Position (1986)
Luther Thomas & Dizzazz: Yo‘ Momma (1981)
Material: American Song (1981) (USA: Celluloid)
Material: Ciquri/Detached (1981)(I: Base)
Material: Temporary (o.J.)
Material: Memory Serves (1981)
Material: One Down (1982)
Material with Nona Hendryx: Busting Out (o. J.)
Pig Bag: – (1983)
Pig Bag: Lend An Ear (1983)
Pig Bag: Dr Heckle and Mr Jive (1982)
Music Revelation Ensemble: No Wave (o. J.)
Noodband: Shiver (1983)
Rip Rig and Panic: Attitude (1983)
Rip Rig and Panic: I Am Cold (1982)
Ronald Shannon Jackson and The Decoding Society: Mandance (1982)
Ronald Shannon Jackson and The Decoding Society: Decode Yourself, 1985 (USA: Island)

Literatur

Stern, Chip: What’s in a name anyway?, in: Magazin JazzFest Berlin ’81