Grammy Award

Grammy Award, auch kurz nur Grammy, amerikanischer Musikpreis, im Frühjahr jedes Jahres von der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) für Schallplattenproduktionen in diversen Kategorien vergeben; der Preis in Form eines kleinen goldenen Grammophons auf einem schwarzen Sockel wurde erstmals 1959 für Produktionen des Jahres 1958 verliehen.

Die NARAS, eine Organisation von Schallplattenproduzenten, Toningenieuren, Musikern und anderen im Musikgeschäft Tätigen, wurde 1957 gegründet. Der Preis wurde eingerichtet, um gegenüber dem im Laufe der 1950er-Jahre höchst erfolgreichen Rock’n’Roll die traditionelle Popmusik der USA aufzuwerten. Über die Vergabe des Preises entscheiden die Mitglieder der NARAS.
Wenn auch die Modalitäten der Kür bereits mehrmals geändert wurden, so ist das Verfahren im Prinzip stets gleich: Der Rechnungs-Zeitraum erstreckt sich über 12 Monate, die allerdings nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen, sondern vom Oktober des vorletzten Jahres bis September des letzten Jahres reichen, also etwa von Oktober 2001 bis September 2002; verleihen wird der Preis für diesen Zeitraum im Jahr 2003.
Zunächst werden von einer Jury aus den Tonträger-Veröffentlichungen dieses Zeitraums in jeder Kategorie fünf Kandidaten nominiert. Diese im Januar veröffentlichten Listen werden den Mitgliedern der NARAS übermittelt, die dann die Kandidaten ihrer Wahl nennen; wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt, erhält einen Grammy. Die Nominierung erfolgt beispielsweise 2010 in 30 so genannten fields (Felder) – etwa Pop, Dance, Rap, Rock, Country, Traditional Pop, Classical, Spoken Word, Comedy, American Roots, Music Video usw. – in 109 Kategorien – beste Interpreten, bestes Album, beste Single, beste Produktion usw.; Zahl wie Art der Felder und Kategorien wird dabei von Zeit zu Zeit angepasst. Die vorerst letzte Modifikation folgte 2011 für die Preisverleihung des Jahres 2012. Eine besondere Kategorie stellt der seit 1965 verliehene Grammy Lifetime Achievment dar, mit dem ein Künstler für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird. Von größtem Interesse ist natürlichdas General Field mit den Kategorien Record Of The Year, Album Of The Year, Song Of The Year und Best New Artist.
Schon die Nominierung wird als Auszeichnung verstanden und zieht – wie erst recht die tatsächliche Auszeichnung – eine verstärkte Nachfrage nach der jeweiligen Veröffentlichung nach sich. Ein Musiker oder Produzent kann durchaus in mehreren Kategorien ausgezeichnet werden. So haben – um nur wenige Beispiele zu nennen – etwa Eric Clapton und Carlos Santana jeweils gleich mehrere Grammys während einer Preisverleihung erhalten. Die für 2003 erstmals nominierte Sängerin Norah Jones erhielt für ihr im Vorjahr veröffentlichtes Album »Come Away with Me« selbst fünf Grammies, drei weitere gingen an Komponist und Produzent, die an der Produktion des Albums beteiligt waren. Die meisten Grammys erhielt aber nicht ein Künstler aus dem Bereich Pop oder Rock, sondern der Dirigent Sir Georg Solti mit 31 Grammys, nicht gerechnet die, die etwa Orchester oder Produzenten erhielten, die mit ihm zusammengearbeitet hatten.
Die Preisverleihung selbst geschieht in einer öffentlichen Veranstaltung, die sich über Stunden hinzieht und von diversen Auftritten bekannter Musiker geprägt ist; fester Bestandteil sind auch die Lobreden, die Musiker-Kollegen auf Musiker-Kollegen halten.
Die Kriterien der Preisvergabe sind indes nicht transparent: Da der Grammy ein amerikanischer Preis ist, werden natürlich amerikanische Produktionen bevorzugt. Aber schon die Nominierung gibt Rätsel auf. Die Mitglieder der NARAS wählen aus der Vorauswahl aus, doch gibt es dafür keine Regeln; musikalische Kriterien können dabei eine Rolle spielen, es zählen aber auch technische oder gar optische Gründe. Die Verkaufszahlen sind offiziell zwar nicht bedeutend, doch dürfte allein die mediale Präsenz mancher Musik – erst recht nach erfolgter Nominierung – das Abstimmverhalten der NARAS-Mitglieder zumindest beeinflussen.
In gewisser Weise reagierte die amerikanische Schallplattenindustrie auf diese Umstände, als sie 1997 die Latin Academy of Recording Arts and Sciences gründete: Da die Zahl der in den USA lebenden Lateinamerikaner sich nach dem Zweiten Weltkrieg stetig vergrößert hatte, war die von dieser Bevölkerungsgruppe bevorzugte Musik bei der Verleihung der Grammys unterrepräsentiert. So wurden ab 2000 die Latin Grammy Awards vergeben. Dieser Grammy bezieht sich anders als der traditionelle Grammy im field Latin auf weltweit in den Sprachen Lateinamerikas produzierte Musik; der traditionelle Latin Grammy gilt den in den USA entstandenen Produktionen.



Weblink

http://www.grammy.com/ (Offizielle Website zum Grammy Award)