Hardrock

Hardrock, auch Hard Rock, zusammengesetzt aus englisch hard für »hart« und Rock, im Laufe der Geschichte der Rockmusik mehrfach verwendeter Begriff, der allemal eine Rockmusik meinte, die mehr oder weniger kompromisslos auf Elemente der Popmusik verzichtet. In engerem Sinn wird als Hardrock eine vom Blues bestimmte Musik bezeichnet, wie sie in den 1960er-Jahren Bands wie The Who, Cream, Deep Purple und Led Zeppelin popularisierten; der Übergang zum Ende der 1960er-Jahre sich bildenden Heavy Metal ist fließend.

Der Blues als Rückgrat dieser Musik legt sie auch in ihren bestimmenden Elementen fest: Mit Ausnahme von The Who verwendeten die meisten Bands, die dem Stilbereich zugeordnet werden können, mehr oder weniger häufig das bekannte Blues-Schema als Form, stellten einerseits den Sänger, andererseits die elektrische Gitarre – ausnahmsweise auch die Hammond-Orgel – in das Zentrum, setzten für alle Instrumente auf Virtuosiät und präsentierten ihre Musik auf der Bühne in einer an virilen Posen reichen Form in Szene. Essentiell ist aber vor allem die große Lautstärke, die mit dem Einsatz einer großen Anzahl von Verstärkeranlagen erreicht wird. So ist auch der verzerrte Klang der Gitarre ästhetisches Kennzeichen des Hardrocks. Nicht wenige Hardrock-Musiker und -Fans hielten den Hardrock, der mittlerweile eine historische Dimension erreicht hat, für den eigentlichen Rock.

Nach 1970 ging das vage Genre in den Heavy Metal einerseits, in den Bluesrock andererseits auf; auch im Progressive Rock finden sich ab 1970 diverse Elemente des Hardrocks.

Als Hardrock wurden in der Geschichte der Rockmusik schon verschiedene Arten von Musik bezeichnet; zumeist wurde der Begriff auf eine kompromisslose Rockmusik bezogen, die Anbiederungen an ein nicht ausschließlich aus Fans bestehendes Publikum vermied. Auch stilüberschreitende Kompositionen wird man bei Hardrock-Bands eher als Ausnahme finden. In diesem Sinne kann man The Who als eine der ersten Hardrock-Gruppen sehen; weitere Bands, die diesen Rock-Stil Mitte der 1960er-Jahre begründeten waren Led Zeppelin, Stud, The Jimi Hendrix Experience, Deep Purple und mit einzelnen Songs auch das britische Trio Cream. Gerade die britische Band Deep Purple zeigt mit ihrer Musik, wie eng die Beziehungen der Rock-Stile gegen Ende der 1960er-Jahre noch waren. Die Band begann als Vertreter eines frühen Progressive Rock unter der Führung ihres Organisten John Lord. Erst mit der LP »Deep Purple« in Rock (1970) erwies sich die Gruppe als der Prototyp der Hardrock-Bands: Die Polarisierung der Musik zwischen Sänger und Gitarrist, die Led Zeppelin noch in zumeist kooperativer Weise lösten, wurde bei Deep Purple zu einer Ursache ständiger – und keineswegs immer fruchtbarer – Reibereien zwischen Gitarrist und dem Rest der Band.

Tatsächlich aber gab es zu Beginn der 1970er-Jahre kaum eine Hardrock-Band, die ausschließlich Hardrock spielte. Umgekehrt waren die Stilmittel des Hardrock bei vielen anderen Bands zu finden, so etwa bei High Tide, Jeff Beck Group, Atomic Rooster – bei der Band stand der Klang der Hammond-Orgel Vincent Cranes im Vordergrund -, Clark-Hutchinson, Jethro Tull, Back Door, Catapilla, Hard Stuff, Comus in England, Troyka, April Wine in Kanada, Kiss, Aerosmith, Attila, Bohemian Vendetta, Cold Blood und The Fraternity of Man in den USA. Spezielle Hardrockgruppen, darunter – wie Blue Cheer – einige direkte Vorläufer des Punk Rock, gab es selbst um 1979 relativ wenig, zu nennen wären Stack Waddy in England und die meisten bekannteren Gruppen aus Detroit, so The Frost, MC 5 und The Stooges.

Mit der Gruppe Black Sabbath und Alice Cooper entwickelte sich mit dem Heavy Metal zunächst eine spezielle Spielart des Hardrock, die schnell aber eine völlig eigenständige Richtung wurde und seit Beginn der 1990er-Jahre einen großen Publikumszuspruch fand. Hardrock allerdings findet man nach wie vor bei Bands, die weniger Wert auf Äußeres legen, stattdessen auf die virtuose Beherrschung der Stilmittel des Hardrock. Zu ihnen gehören beispielsweise die Gitarristen Ted Nugent und Eddy Van Halen, der Sänger David Lee Roth, die australische Band AC/DC, die deutsche Band Scorpions, Puhdys, Silly, City, dann Judas Priest, Uriah Heep und andere mehr. Von Fall zu Fall werden diese Musiker aber auch als Heavy-Metal-Musiker bezeichnet, Judas Priest und Uriah Heep mit wenig Grund hier und da auch dem Progressive Rock. Andererseits könnte die Musik, die etwa dem sogenannten Hardcore zuzurechnende Bands vorführen, auch als Hardrock bezeichnet werden, wie auch Stadium Rock in der Regel nichts anderes ist als Hardrock.

Hardrock wird von seinen Kritikern häufig als stumpfsinnig und niveaulos angesehen, doch ist dies eine oberflächliche und nicht in ganzer Breite zutreffende Sichtweise. Wohl ist die formale und harmonische Struktur der meisten Hardrock-Stücke leicht zu durchschauen, doch steht kompositorische Kunst nicht im Interesse der Hardrock-Musiker. Sie sind vielmehr die Handwerker unter den Rockmusikern, denen es vor allem darauf ankommt, ihre Instrumente meisterhaft zu beherrschen und dies einem staunenden Publikum vorzuführen. Konzerte von Hardrockgruppen zeigen außerdem, dass das Publikum von diesen Bands auch ganz bestimmte Dinge erwartet: Eben die Dinge, die sie bei anderen Rockhörern in Verruf bringen.

Literatur

Jeffries, Neil (Hrsg.): The Kerrang! Direktory of Heavy Metal; London 1993