Hoquetus

Hoquetus, englisch: hocket, etymologisch nicht restlos geklärt, aber wohl von lateinisch (H)occ(it)are für »(immer wieder) schneiden, eggen«, rhythmisch bestimmte Satzart, wobei zu einem Tenor – einer gehaltenen Stimme –, zwei Stimmen derart angeordnet sind, dass eine immer dann in die andere springt, wenn diese pausiert.

Die Satztechnik Hoqetus tritt gelegentlich auch in de Rockmusik auf, etwa im Zusammenspiel von E-Bass und E-Gitarre: Wenn in der Stimme des Basses eine Pause auftritt, springt die E-Gitarre mit ihrer Stimme in diese Lücke und umgekehrt; dazu muss natürlich die Lage der Stimme so gewählt sein, dass beide Instrumente diesen Tonhöhenbereich möglich ist. Die Stimmen sind mithin so verzahnt, dass sie sich komplementär ergänzen. Beispiele finden sich in der Rockmusik etwa bei den Beatles (»Ticket to Ride«, 1965; »In My Life«, 1965), bei den Animals (»Don’t Let Me Be Misunderstood«, 1965) und The Zombies (»Time of the Season«, 1968).
Die Satztechnik ist sehr alt und frühe Beispiele finden sich schon in der so genannten Notre-Dame-Schule zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Aus der Technik entwickelte sich ein Gattung,deren Bedeutung aber schon im 14. Jahrhundert wieder sank. Einige Komponisten griffen die Technik im 20. Jahrhundert wieder auf, so etwa Sofia Gubaidulina, György Ligeti, Harrison Birtwistle und György Kurtag.