Instrumental

Instrumental, englisch für »Instrumentalstück«, Komposition, bei der von vornherein auf Gesang in jeder Form verzichtet wird.

Da es sich bei Rock- und Pop-Musik entsprechend ihrer Herkunft von Volksmusik, Blues und Country um eine vokale Musik handelt, sind genuine Instrumentals hier extrem selten. Dennoch sind einige Instrumentals nicht nur populär geworden, sondern brachten es auch zu Plätzen in den oberen Rängen der Hitzparaden. In den 1950er-Jahren und zu Beginn der 1960er-Jahre waren es häufig Musiker wie Dick Dale, deren Musik mit einem besonderen instrumentalen Effekt verbunden ist, wie eben der »Twangy Guitar«. Dales Musik übte einen erheblichen Einfluss auf Surf Music aus, in der sich bei beinahe jeder Band Instrumentals finden. Andere Instrumentals stammen von Begleitbands, Bands also, die zwar nicht selbst über einen markanten Sänger verfügten, aber andererseits so bekannt waren, dass sie auch unter eigenem Namen Platten produzierten und verkauften. Zu diesen Bands gehörten beispielsweise die Gitarrenbands The Fireballs, The Ventures und vor allem The Shadows, die mit »Apache« 1960 eines der bekanntesten Instrumentals im Rockbereich vorlegten. Ähnlich populär wurde auch »Telstar«, eine Single, die The Tornados 1962 veröffenlichten. Auch die Soul-Begleitgruppen wie Booker T & The MGs (»Green Onions«; 1962), The Mar-Keys und The Bar-Kays präsentierten Instrumentals. Als solches kann auch noch etwa »Soul Finger« von The Bar-Kays gelten, wenn hier auch vokale Elemente eingestreut sind. Auch »I Was Kaiser Bill’s Batman« (1967) von Whistling Jack Smith erfüllt wohl noch die Bedingungen für ein Instrumental. Eine Art Reprise auf »Junk« bildet »Singalong Junk«: Beide Tracks finden sich auf Paul McCartneys erster LP von 1970, wobei »Junk« einen gesungenen Text enthält, während »Singalong Junk« ein Instrumental auf der Basis von »Junk« ist.
In Laufe der 1960er-Jahre wurden im Zuge des Blues-Revivals einerseits, des Jazzrocks andererseits, lange Instrumental-Improvisationen integraler Bestandteil von Rockmusik, häufig eingebettet in einen normalen Rock-Song. Als solcher kann noch »Albatross« (19699 von Fleetwood Mac gelten, während etwa »War and Peace« (19679 von The Nice, mehr noch aber »Free Form Guitar« (1970) con Chicago als komplett von Improvisation bestimmte Instrumentals angesehen werden müssen. De Facto handelt es sich natürlich bei aller Musik, die ohne Gesang auskommt, um Instrumentals. In einem engeren Sinne gilt für die Rock- und Popmusik jedoch, dass Improvisation eine sehr untergeordnete Stellung einnimmt. So werden die meisten Kompositionen von Weather Report oder viele von Colosseum oder Ten Years After nicht als Instrumentals im engeren Sinne angesehen.
Instrumentals finden sich in großer Anzahl bei Progressive-Rock-Bands, von Emerson, Lake & Palmer bis Porcupine Tree, erst recht bei Musikern und Gruppen, die in dem Bereich zwischen Jazz und Rock agieren wie etwa Jeff Beck oder Elephant 9. Einige der interessantesten Instrumentals hat etwa die britische Band King Crimson veröffentlicht. Ausgedehnte instrumentale Abschnitte könne im Progressive Rock zwar ihre Wurzel in der Improvisation haben, oft aber stehen sie in engem Bezug zur traditionellen europäische Kunstmusik, wenn es sich nicht ohne hin um Adaptionen handelt. Der enge Zirkel des klassischen Instrumentals wird hier aber natürlich verlassen; ablesen lässt sich dies etwa an der Musik Frank Zappas.
Ein besonderer Bereich des Instrumentals sind instrumentale Fassungen von Songs mit Gesang. Die Zahl der instrumentalen Versionen etwa von Songs der Beatles ist immens. Von Rockhörern werden diese Fassungen wie auch Songs von Queen oder Led Zeppelin, die für ein Orchester instrumentiert wurden, indes nicht mehr als Rockmusik angesehen.