Karaoke

Karaoke, japanisches Kunstwort, zusammengesetzt aus kara für »leer« und oke für »Orchester«, Unterhaltungsspiel, bei dem Amateursänger und –sängerinnen zu Aufnahmen bekannter Songs aus Rock und Pop singen; Karaoke kam Anfang der 1970er-Jahre in Japan auf und wurde zunächst dort, seit Mitte der 1980er-Jahre weltweit eine beliebte Form der Unterhaltung.

Als Erfinder des Karaoke gilt der japanische Musiker Daisuke Inoue, der spezielle Geräte anbot, mit denen es möglich war, zu bekannten Titeln aus Rock und Pop selbst zu singen. Daisuke Inoue versäumte es, diese Erfindung patentieren zu lassen und so wurde seine Idee bald kopiert. Völlig neu war die Idee des japanischen Musikers natürlich nicht, denn Sing-a-long-Veranstaltungen gab es im Rundfunk und im Fernsehen hier und da schon in den 1960er-Jahren, und im privaten Umfeld dürfte das Mitsingen zu Schallplatten wohl seit Verfügbarkeit der Schallplatte üblich gewesen sein. Daisuke Inoues Neuerung bestand aber gerade darin, dass der Gesang aus den jeweiligen Aufnahmen entfernt worden war, so dass sich jedermann an die Stelle des Stars setzen konnte. Die Idee gehorchte der Not: In Lokalen engagierte Bands spielten ihr Repertoire ohne Gesang auf Band, so dass in Abwesenheit der Band der Sänger trotzdem ein Engagement erfüllen konnte, indem er zu der vom Band kommenden Musik sang.
Für Karaoke sind mehrere Voraussetzungen notwendig: Es muss eine Musik-Wiedergabeanlage vorhanden sein, die über eine Kassettenrecorder oder einen CD-Player verfügt, gleichzeitig aber auch über wenigstens einen Mikrofoneingang. Zum anderen muss es entsprechend vorbereitete Tonträger geben, die zwar den instrumentalen Teil eines Songs enthalten, nicht aber den Gesang. Da der Gesang bei den meisten Rock- und Pop-Produktionen im Stereo-Panorama eine zentrale Stellung hat, lässt sich dieser Anteil mit technischer Unterstützung einigermaßen gründlich aus dem Panorama entfernen. Der Text konnte früher auf einer Art Teleprompter abgelesen werden, mittlerweile werden Computer und Monitore für diesen Zweck eingesetzt. Der Text ist auf den Karaoke-CDs – technisch CD+G-Datenträger – enthalten und dem Sänger wird grafisch verdeutlicht, wo im Song er sich gerade befindet. Schließlich sind für Spielekonsolen Karaoke-Programme verfügbar.
Für Karaoke entwickelte sich in Japan schnell ein Markt, einerseits für die Geräte und die Playbacks, andererseits wurde die Idee von Diskotheken-, Hotel- und Restaurantbesitzern aufgegriffen. Es gibt unter dem Kürzel KTV auch Lokalitäten, die ausschließlich dem Karaoke-Gesang dienen. Die Elektronikindustrie lieferte Geräte für jeden Anspruch und bald waren auch die Playbacks als konfektionierte Tonträger erhältlich. Es bildete sich aber auch eine Art freier Markt, auf dem für den Karaoke-Gesang vorbereitete MIDI-Dateien erhältlich waren und über die Soundkarte des heimischen Computers abgespielt werden können. In Asien – insbesondere in Japan, Süd-Korea und den Philippinen – ist Karaoke eine beliebte Möglichkeit der Freizeitgestaltung und man trifft sich in speziellen Karaoke-Diskotheken, in denen von der Einzelkabine bis hin zu Sälen geeignete Räumlichkeiten auf Zeit gemietet werden können.
Außerhalb Asiens traf die Karaoke-Idee zunächst auf Verwunderung, denn Gesang gilt in westlichen Ländern als Entäußerung der Person und wird weit mehr als peinlich empfunden als in Japan. So gibt es zwar in größeren Städten Deutschlands Karaoke-Bars, doch werden diese eher als besondere Formen von Kneipen angesehen, bei denen nach vorheriger Anmeldung und anschließender mehr oder weniger gründlicher Enthemmung durch Alkohol auch Karaoke gesungen werden kann; in Betreiben, Büros und Vereine finden sich immer wieder Freunde derartiger Unterhaltung. Dennoch dauerte es bis weit in die 1980er-Jahre, dass Karaoke als Bestandteil auch der westlichen Freizeit-Kultur anerkannt war, kenntlich etwa daran, dass erst gegen Ende des Jahrzehnts Karaoke in Spielfilmen zu sehen war, etwa in »When Harry Met Sally« (1989), »Ladybird, Ladybird« (1994), »My Best Friend’s Wedding« (1997) und »Duets« (2000); in letzterem wird auch deutlich, dass aus dem Spaß Ernst werden kann, denn tatsächlich gibt es längst Karaoke-Wettbewerbe jeglicher Art bis hin zu Weltmeisterschaften. Bei Licht betrachtet, sind auch Castings-Shows der Art »Pop Idol«, »American Idol« und »Deutschland sucht den Superstar« nichts anderes als Karaoke-Shows. Denn tatsächlich ist Karaoke deshalb so beliebt, weil es den Wunsch befriedigt, selbst für drei oder vier Minuten der Star zu sein, selbst im Mittelpunkt zu stehen und sich auf einfache Weise selbst davon zu überzeugen, es mindestens so gut wie die Stars zu können. Diese verdeckt zentrale Idee des Karaoke lässt sich natürlich auch auf andere Gebiete übertragen und so gibt es auch Movieoke, bei dem interessierte Amateure sich als Schauspieler vor einen Bildschirm stellen, auf dem stumm ein Film läuft; der Amateur-Schauspieler spricht dann wenigstens Teile des Dialogs.
Fasst man die Idee weiter, so sind die Grenzen zu Computer-Spielen, bei denen der Spieler in bestimmte Rollen schlüpft – und wenn er das Spiel einer kompletten Fußballmannschaft bestimmt – fließend.
Bleibt die Musik selbst, die als Vorlage für Karaoke gewählt wird: In Deutschland sind es neben den weltweit bekannten Balladen großer Vorbilder allemal Schlager des kompletten 20. Jahrhunderts, also etwa »Aber bitte mit Sahne«, »What A Wonderful World«, »Rivers of Babylon«, »Yesterday«, »Hey Jude«, »I Will Survive«, »Er gehört zu mir« und »Wahnsinn (Hölle, Hölle, Hölle)«.



Weblink

http://www.dmoz.org//Arts/Music/DJ/Karaoke/ (Website mit diversen Links zum Thema Karaoke)