Konzert

Stichworte Michael Kamen | Keith Emerson



Konzert, italienisch concerto, eigentlich Wettstreit, Ursprung in lateinisch concertare wetteifern, englisch concert

1) Umgangssprachliche Bezeichnung für jede öffentliche Aufführung von Musik, die nicht in Kombination mit szenischer Darstellung kombiniert ist; in diesem Fall handelt es sich um Oper, Operette, Singspiel oder Musical. Wird eine Oper aufgeführt, ohne dass sie auch gleichzeitig szenisch dargestellt wird, spricht man von einer konzertanten Aufführung. Der Begriff Konzert wird für jede Darbietung von Musik verwendet, gleichgültig ob traditionelle Kunstmusik, Jazz oder Rock gespielt wird. Auch spielen Größe des Klangkörpers wie die Umgebung, in der das Konzert stattfindet, keine Rolle, wenn es auch für die Aufführung von Musik spezielle Konzerthäuser gibt – meistens insbesondere für die Darbietung von Kunstmusik gebaut.Entstanden ist das Konzertwesen aus den Ambitionen von Liebhabern, die – oft in Vereinen organisiert – Konzerte veranstalteten; zuvor waren Konzerte zumeist Angelegenheit von reisenden Berufsmusikern. So standen am Anfang des bürgerlichen Konzertwesens in Europa etwa die Berliner Singakademie (1791) und die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (1812). Bereits seit 1781 wurden in Leipziger Gewandhaus gegen Bezahlung öffentliche Konzerte veranstaltet.

2) Im engeren Sinn eine Komposition, bei der verschiedene Klanggruppen zusammenwirken. Der Begriff wurde seit dem 16. Jahrhundert zunächst für die Musizierweise von Sänger- und Instrumentalgruppen verwendet, die in wechselnden Kombinationen eingesetzt wurden. Im Laufe der Entwicklung wurden dann gleich Instrumentalgruppen – immer von Generalbass-Instrumenten begleitet – nach Chören zusammengefasst. In einem weiteren Schritt kam der Begriff Concerto auch für das von mehr oder weniger zahlreichen Generalbass-Instrumenten begleitete solistische Spiel zur Anwendung. Als im 17. Jahrhundert dieses Prinzip auf Kanzone, Sonate und Sinfonia übertragen wurde, bildeten sich zwei Typen des Konzertes heraus. Das Solo-Konzert, in dem das Orchester mit einem Soloinstument in Kontrast steht und das Concerto Grosso, bei dem dem chorisch besetzten Orchester – Tutti oder Ripieno genannt – eine kleine Gruppe von Streichern – Concertino genannt – gegenüber steht. Diese Formen des Konzertes wurde insbesondere on Antonio Vivaldi zu einer standardisierten Form vereinheitlicht und wurden damit Vorbild für diverse andere Komponisten, wie etwa Johann Sebastian Bach. Solo-Konzerte wurden zu dieser Zeit vor allem für Violine und Violoncello komponiert, doch konnten diese Instrumente auch durch andere – praktisch eben gerade verfügbare Instrumente – ersetzt werden. Im 18. Jahrhundert erhielt die Satzform der Sonate wachsende Bedeutung und wurde daher auch für die Komposition von Konzerten eingesetzt. Das Concerto grosso geriet dabei stetig in den Hintergrund, wenn es auch in der Sinfonia Concertante sowie in Doppel-, Tripel- und Quadrupelkonzerten noch überlebte. Größere und zunehmende Bedeutung erfuhr das Instrumentalkonzert, bis im 19. Jahrhundert das Virtuosenkonzert entsprechend seines Namens Instrumentalisten weiten Raum für die Darstellung der eigenen Künste bot. Im Vordergrund standen dabei Werke für Violine oder Klavier, während andere Instrumente weit weniger bedacht wurden. Auch gab es im 20. Jahrhundert Konzerte für Instrumentenkombinationen wie etwa Violine und Klavier. In der Rockmusik gibt es vereinzelt Kompositionen, die den Begriff Concert zumindest im Titel führen. Jon Lords »Concerto for Group and Orchestra«, das er mit seiner Band Deep Purple 1969 mit dem Royal Symphony Orchestra unter Malcolm Arnold in der Royal Albert Hall aufführte, greift die Idee des Concerto grossos zumindest in Teilen wieder auf, stellt einerseits die Rockband als Concertino gegen das Tutti des Orchesters, greift andererseits jedoch ebenso auf den Typus des Solo-Konzertes zurück, in dem die Band als Instrumenten behandelt wird. In ähnlich historisierender – als eigentlich überlebter – Manier komponierte Michael Kamen seine zwei Konzerte, eines für Saxophon und Orchester, eines für Gitarre und Orchester, so reizvoll dieses Werke im Detail auch sind. In diese Reihe gehört auch Keith Emersons »Piano Concerto No. 1« (Works, 1977). Sowohl Kamens Werke als auch Emersons Komposition verstehen sich allerdings nicht als genuine Rockmusik, sondern als Werke im Sinne der traditionellen Kunstmusik.



Literatur

Schering, Arnold: Geschichte des Instrumental-Konzertes bis auf die Gegenwart; 1927
Young, Percy Marshall: The concert tradition. From the middle ages to the twentieth century; Leondon 1965
Buschkötter, Wilhelm/Schaefer, Hansjürgen: Handbuch der internationalen Konzertliteratur; München 1996