Kopfhörer

Kopfhörer, englisch: Headphones, Schallwandler, der auf die Ohrmuscheln des Nutzers aufgesetzt wird.

Wenn es auch mehrer Möglichkeiten gibt, eine NF-Spannung in Schall zu wandeln, so haben sich die nach dem auch bei Lautsprechern angewendeten dynamischen Prinzip arbeitenden Kopfhörer durchsetzen können. Kopfhörer mit magnetischen oder kristallinen Wandlerelementen dagegen sind für hochwertige Wiedergabe ungeeignet, während nach dem elektrostatischen Prinzip arbeitende Kopfhörer sehr teuer sind. Bei dynamischen Kopfhörern sitzt eine Spule, an der die Membran befestigt ist, in einem Permanentmagneten und kann sich in dessen Feld frei bewegen; durchfließt die Tonspannung die Spule, so bewegt sie sich im Magnetfeld und damit auch die Membran, die dann den entsprechenden Klang hörbar macht.
Bei Kopfhörern sind stets zwei Wandlereinheiten vorhanden, für jedes Ohr eines; verbunden sind die Einheiten mit einem federnden Bügel, der die beiden Wandlergehäuse auf die Ohrmuscheln drückt. Die generelle Ausstattung mit zwei Wandlern bedeutet nicht, dass alle Kopfhörer stereophon ausgelegt sind. Besonders ältere Modelle sind nur für monaurale Wiedergabe geeignet. Für besondere Fälle gibt es auch Kopfhörer mit nur einem Wandler, doch spielen sie in der Wiedergabe von Musik keine Rolle mehr; bis in die 1960er-Jahre allerdings waren an den so genannten Phonobars Stielkopfhörer üblich, Kopfhörer also, die man ähnlich wie einen Telefonhörer in der Hand hielt und an das Ohr setzte. Da die Wiedergabe der Geräte in der Phonobar – die etwa in Plattenläden aufgestellt war – ohnehin nur für Mono-Wiedergabe ausgelegt war. Kopfhörer für die Quadrophonie-Technik besaßen je Wandlergehäuse zwei voneinander unabhängige, und es gibt auch Kopfhörer, di ein jedem Gehäuse mehrere für jeweils bestimmte Frequenzbereiche zuständige Wandler beinhalten.
Grundsätzlich gibt es bei Stereo-Kopfhörern zwei Bauformen, die als geschlossen Bauweise und offene Bausweise bezeichnet werden. Bei der geschlossenen Bauweise umschließt das Gehäuse des Wandlers die gesamte Ohrmuschel und dichtet sie gegen die Umgebung weitgehend ab; bei manchen Ausführungen sitzt das Gehäuse aber auch auf der Ohrmuschel selbst. Die geschlossene Bauweise ermöglicht zwar ein nahezu störungsfreies Hören, hat aber den Nachteil, dass sich die Ohrmuschel schnell erwärmt. Auch wird die sich zwangsläufig ergebende akustische Abschirmung von der Umgebung von vielen Nutzern als unangenehm. Bei korrektem Sitz ist vor allem die Übertragung tiefer Frequenzen in der Regel ausgeglichener als bei so genannten offenen Kopfhörern. Bei offenen Kopfhörern ist das Wandlerelement von einer Schaumstoffschicht umgeben und das Gehäuse sitzt nur auf den Ohren, ohne sie zu umschließen. Auch sind Kopfhörer dieser Bauart leichter und schneiden den Nutzer nicht so rigoros von der Umwelt ab wie geschlossene Kopfhörer. Erkauft wird dieser Vorteil mit einer unter Umständen geringfügig schlechteren Basswiedergabe.
In den 1970er-Jahren brachten amerikanische und japanische Hersteller die niederohmigen Kopfhörer auf den Markt, die die bis dahin in Deutschland vornehmlich gebrauchten hochohmigen Kopfhörer rasch verdrängten. Einige deutsche Firmen, vor allem Sennheiser, stellten daraufhin mittelohmige offene Kopfhörer vor, die den Vorteil hatten, auch an höher-ohmige Kopfhörerausgänge angeschlossen werden zu können.; mittelohmige Kopfhörer haben sich auf breiter Front durchwetzen können.
Als in den 1960er-Jahren kleine mobile Transistorradios auf den Markt kamen, lag diesen Geräten meist ein Ohrhörer bei, ein kleiner Schallwandler, der, versehen mit einem entsprechenden Kunststoffteil, in den äußeren Gehörgang gesteckt wurde. Dieser einteilige Ohrhörer wurde bald auch als Stereo-Ohrhörer hergestellt und gehört seitdem beispielsweise zum Lieferumfang von Walkman, Discman und MP3-Playern. Die Wiedergabe-Qualität dieser Wandler kann hohen Ansprüchen genügen, erreicht allerdings nicht die von hochwertigen Kopfhörern.
Kopfhörer werden nicht nur für die Rezeption von fertig produzierter Musik verwendet, sondern auch im Produktionsprozess selbst. Im Studio werden bei der Aufnahme Kopfhörer verwendet, um dem gerade im Aufnahmeraum befindlichen Musiker die schon vorliegenden Teile einer Aufnahme zuspielen zu können. Schlagzeuger beispielsweise bekommen währen der Einspielung ihre Parts einen Klicktrack zugespielt, nachfolgende Musiker etwa die schon fertige Schlagzeug- und Bass-Aufnahme. Nicht wenige Schlagzeuger verwenden im Konzert statt mit Lautsprechern ausgestatteten Monitorboxen lieber geschlossene Kopfhörer, wenn sie nicht gleich In-ear Monitoring bevorzugen.
Kopfhörer verändern die Hörhaltung. In der Regle hören die meisten Nutzer von Kopfhörern Musik wesentlich lauter, als sie dies mit Lautsprechern täten. Wegen der sehr geringen Nähe zwischen Membran des Wandlerelements und dem Trommelfell sind gesundheitliche Schäden – etwa Verminderung des Vermögens, hohen Töne hören zu können – nicht auszuschließen, erst recht, wenn es sich um geschlossene Kopfhörer oder Ohrhörer handelt; aus diesem Grund ist bei vielen mobilen Wiedergabegeräten der höchst erreichbare Lautstärkepegel begrenzt. Doch vermittelt der Kopfhörer auch eine Höreindruck, der mit der Realität nicht übereinstimmt: Bei stereophonen Aufnahmen sitzt der Zuhörer nicht quasi »vor« den Musikerzeugern – etwa einem Orchester oder einer Band -, sondern die Musik spielt sich in seinem Kopf ab. Bei Rock- und Popmusik mag dieser Umstand noch zu vernachlässigen sein, da der Raum ohnehin immer künstlich ist, also real nicht existiert, sondern bei der Produktion generiert wurde. Bei Musik, die historisch bedingt etwa erstmals auf einer Bühne gespielt wurde, kann es dagegen sehr irritieren, wenn das Orchester rechts und links auf Höhe der Ohren sitzt, eine Sängerin oder ein Sänger aber quasi »zwischen« den Ohren hin und her wandert.
Unerlässlich sind Kopfhörer für die Wiedergabe von Schallereignissen, die mit einem Kunstkopf aufgenommen wurden; hier vermitteln erst Kopfhörer den Eindruck, sich tatsächlich »im akustischen Geschehen« zu befinden. Vereinzelt wurde auch Rockmusik mittels der Kunstkopf-Aufnahmetechnik produziert, doch widerspricht diese Art der Produktion der in der Rockmusik üblichen. Auch hört sich mittels Kunstkopf-Technik aufgenommene Musik über Lautsprecher wiedergegeben seltsam matt und gleichförmig an.