Leslie

Leslie, auch Rotationslautsprecher, Bezeichnung für eine Verstärker-Lautsprecher-Kombination, die 1938 von dem Amerikaner Donald Leslie (* 1911, † 2004) erstmals vorgestellt wurde; ein Leslie wird bevorzugt für die Verstärkung der von einer elektromechanischen oder elektronischen Orgel erzeugten NF-Spannung verwendet.

Leslie

Geöffnetes Rotationslautsprecher-Kabinett: Unten die Tieftöner-Kammer, darüber die Tieftöner-Rotortrommel, ganz oben der Hochtöner-Rotor

Das klassische Leslie besteht aus einer in einem gemeinsamen Gehäuse untergebrachten Verstärkerendstufe und einem Zwei-Wege-Lautsprecher-System. Bei dem Verstärker handelt es sich um eine mit Röhren aufgebaute Endstufe, die etwa 40 Watt leistet; jüngere Rotationslautsprecher können auch über eine transistorisierte Endstufe oder über eine Kombination von Röhren-Vorstufe und Transistor-Endstufe verfügen. Bei den Lautsprecher handelt es sich um einen Tieftonlautsprecher von ca. 38 cm (15 Zoll) Durchmesser, und einen Druckkammer-Hochtöner; beide Lautsprecher stammen bei klassischen Leslies von der amerikanischen Firma Jensen. Die Trennfrequenz zwischen Hoch- und Tieftöner liegt bei 800 Hz, doch gibt es auch Rotationslautsprecher, bei denen die Trennfrequenz höher (1200 Hz) liegt. Die Schallöffnungen der Lautsprecher weisen nicht direkt in die Richtung des Publikums, sondern strahlen nach unten (Tieftöner) bzw. nach oben (Hochtöner) in spezielle Hörner, die senkrecht drehbar gelagert sind. Die Hörner werden jeweils von zwei Elektromotoren angetrieben, so dass beide Schallöffnungen einen Kreis beschreiben. Der Organist kann von der Orgel aus mittels eines Fuß- oder eines Handschalters (Halbmondschalter) die Drehgeschwindigkeit der Hörner verändern; zur Wahl stehen neben Stillstand eine langsame (ca. 70 U/min) und eine schnelle Geschwindigkeit (ca. 300-350 U/min). Die Hochtoneinheit weist zwar regelmäßig zwei Hörner aus, doch ist nur eines davon tatsächlich in Betrieb, das zweite Horn dient der Auswuchtung.

Rotationslautsprecher dienen nicht nur der ausreichenden Verstärkung des Orgel-Tonsignals, sondern sind daneben Effektgeräte. Die durch die langsame oder schnelle Drehung der Hörner hervorgerufene Klangveränderung ist signifikant und fester Bestandteil des Orgelklangs in Jazz und Rock, ihre akustische Grundlage kompliziert: Es handelt sich nicht um ein Vibrato, sondern eher um ein Tremolo, das darauf beruht, dass sich der Hörer periodisch direkt in Richtung der Austrittsöffnung der Hörner befindet; allein daraus ergibt sich eine periodische Veränderung der Lautstärke. Reflexionen im Lautsprechergehäuse selbst, das auf drei Seiten über oft schlitzartige Schall-Austrittsöffnungen verfügt, wie auch im Konzertraum selbst führen zu diversen Verstärkungen und Auslöschungen (Interferenzen). Da der Organist die Drehgeschwindigkeit im schnellen Wechsel verändert, ergeben sich weitere Klangveränderungen
Rotationslautsprecher, die nicht nur von der Firma Leslie hergestellt werden, gibt es in diversen Ausführungen; mittlerweile sind auch elektronische Surrogate für den Effekt verfügbar, doch bevorzugen Jazz- wie Rockorganisten, aber auch manche Rock-Gitarristen (David Gilmour, Eric Clapton, Steven Wilson) reale Geräte. Rotationslautsprecher werden von nahezu allen Organisten verwendet, manchmal auch in Kombination mit Gitarrenverstärkern, die an Stelle des eingebauten Verstärkers treten. Insbesondere die Modelle 122, 147 und 125 der Firma Leslie haben sich als Standard durchgesetzt.

Weblinks

Leslie-Mysterien (Website mit ausführlichen Informationen zu Leslie-Rotationslautsprechern)