Loveparade

Loveparade, Umzug der im westlichen Teil Berlins beheimateten Techno-Szene auf den Straßen der Stadt, jeweils im Juli veranstaltet; der von dem DJ Dr. Motte, eigentlich Matthias Roeingh, * 1960, und der Künstlerin Danielle de Picciotto ins Leben gerufene Korso fand erstmals 1989 statt.

An dem Umzug nahmen einschlägige Musik-Clubs der Techno-Szene Berlins teil. Auf mehreren Lastwagen und Sattelschleppern installierte Musikanlagen sorgten für die musikalische Untermalung der Parade, an der ansonsten jeder Interessierte als Fußgänger bzw. Tänzer teilnehmen konnte; meistens verkleideten sich die Teilnehmer zu diesem Anlass. Innerhalb eines Jahrzehnts steig die Zahl der Teilnehmer an der Loveparade von 1990 etwa 2000 auf 1,3 Millionen Besucher im Jahr 2000. Da die Loveparade stets als politische Demonstration ausgegeben und angemeldet wurde, war die Durchführung der Organisation hinsichtlich der öffentlichen Dienste wie Polizei und Straßenreinigung Sache der Stadt. So entwickelte sich parallel zum Wachstum der Parade ein Streit über die tatsächlichen Kosten der Veranstaltung. 2001 wurde die Loveparade nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts allerdings als kommerziell bestimmtes Ereignis eingestuft.
Zudem häuften sich Probleme, die sich allein aus der Größe der Loveparade ergaben – der Tiergarten-Park, an der Siegessäule gelegen, wo der Umzug stets mit einer Art »Kundgebung« endete, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, die hygienische Versorgung der Paraden-Besucher war nicht in ausreichendem Maße gewährleistet, und noch Stunden nach dem Umzug waren Teile der Stadt, etwa am Breitscheidt-Platz, mit Glassplittern
und Müll jeder Art übersät. So war der Umzug 2003 die vorerst letzte Loveparade; immerhin hatte sie noch 500 000 Besucher anziehen können.
In den Jahren 2004 und 2005 fand keine Loveparade statt, wohl aber 2006, als der Fitness-Unternehmer Rainer Schaller die Veranstaltung sponserte, die Rechte an der Loveparade übernahm und Geschäftsführer der Firma Loveparade Berlin GmbH, Veranstalter der Parade, wurde. Schaller suchte für die Loveparade einen neuen Veranstaltungsort und kam mit der Vermarktungsagentur metropoleruhr GmbH überein, die Loveparade von 2007 im Zeitraum von fünf Jahren in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets zu veranstalten: 2007 war Essen Gastgeber, 2008 Dortmund. 2009 sollte Bochum Austragungsort der Loveparade sein, doch wurde die Veranstaltung abgesagt. Bei der Loveparade 2010 in Duisburg kam es auf dem Veranstaltungsgelände zu einer Panik, in deren Verlauf 21 Menschen ums Leben kamen. Schaller gab wenig später bekannt, keine Loveparade mehr veranstalten zu wollen.
Die Loveparade war zu keiner Zeit gänzlich unumstritten: Als das Fest in den 1990er-Jahren rasch zu unerwarteten Dimensionen wuchs, trug das aus einer Fetenlaune heraus entstandene Konzept nicht mehr. Die List, Kosten zu sparen, in dem die Loveparade mit allgemeinen, auch politisch zu verstehenden Parolen zu einer Demonstration gemacht wurde, war bald nicht mehr glaubwürdig, zumal Clubs und Schallplattenfirmen die Parade als Werbefläche nutzten. Schwerer aber wogen die kaum zu bewältigenden Umweltprobleme, die die Besucher der Loveparade nolens volens erzeugten. Die Stadt Berlin verhielt sich indifferent: Einerseits beteiligte sich die Messegesellschaft der Stadt an dem Ereignis, andererseits überzog sie die Veranstalter mit einer Vielzahl strikter Auflagen. Als der Demonstrationsstatus aufgegeben werden musste, gerieten auch die Veranstalter aneinander. Da die Loveparade ihre Kosten nun selbst erwirtschaften musste, stiegen die Preise für Werbeflächen an den LKW, so dass viele früher an der Loveparade engagierte Teilnehmer aufgaben und die Veranstaltung mieden.
Schließlich war auch der Charakter der Loveparade selbst nach und nach aufgegeben worden: Aus den Lautsprechern erscholl nicht nur Techno-Musik, sondern elektronische Musik jeglicher Art. Die schon seit Mitte der 1990er-Jahre aus dem gesamten Bundesgebiet anreisenden Besucher verstanden die Loveparade als eine Art sommerlichen Karneval, bei dem man sich wenigstens für einen Tag im Jahr unter Gleichgesinnten unbeschwert amüsieren konnte.