Medicine Show

Medicine Show, von englisch Medicine für »Medizin, Arznei« und Show für »Vorführung«, Vorführungen, in denen durch die USA reisende Händler obskure Arzneimittel, meist in Form von Wässern und Tinkturen anboten; um die Anziehungskraft ihrer Shows zu erhöhen, gehörten zu der Show allerlei Kleinkunst, wie Zauberkunststücke, Akrobatik und auch musikalische Einlagen.

Der Typus des umherreisenden Medizinhändlers bildete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA heraus. Doch war diese Zeit auch in Europa der Glaube an geheimnisvolle Tinkturen verbreitet. Meist handelte es sich dabei – vereinfacht gesagt – Kräuterschnäpse, die in kleine Flaschen verkauft wurden. Überflüssig zu sagen, dass die meisten diese angeblich gegen und für alle Krankheiten und Leiden anwendbaren Elixiere trotz ihrer mitunter sehr fantasiereichen Namen und Bezugnahme auf angeblich existierende Heilmittel gleicher Art in Asien – wie etwa das Snake Oil, Schlangenöl, das geradezu zum Synonym für »Quacksalberei« wurde – völlig wirkungslos waren, sieht man einmal von der Wirkung des Alkohols ab. Es gab auch mehr oder weniger erfolglose Apotheker, die sich der Herstellung derartiger Wässerchen widmeten. So braute etwa der Apotheker John Pemberton 1886 eine Flüssigkeit zusammen, die später als Coca Cola weltbekannt wurde, wenn auch nicht als Medizin.
Die Protagonisten der Medicine Shows reisten meist mit einem geschlossenen Pferdewagen durch die Regionen der USA. Ihren Shows schlossen sich Musiker und Kleinkünstler an, die quasi das Beiprogramm für die eigentliche Attraktion – die Präsentation der Wundermedizin – besorgten.
Das Phänomen der Medicine Shows wurde auch in der Musik aufgegriffen, so etwa von den amerikanischen Formationen Old Crow Medicine Show, Dr. West’s Medicine Show and Junk Band, vor allem aber natürlich im Namen der Rockband Dr. Hook & The Medicine Show; die meisten dieser Bands widmen sich dem Bluegrass und der so genannten Old-time Music, also archaischer Country Music.
Medicine Shows konnten sich im Übrigen über das 19. Jahrhundert hinaus halten, wenn wohl auch nur noch wenige Wunder von den Inhalten der kleine Flaschen erwarteten, so hielt sich der Glaube daran immerhin so hartnäckig, dass noch in den 1940er-Jahren die Hadacol Show ein großes Publikum anzog, nicht zuletzt, weil die Shows mit reichlich Musik garniert waren.