Mersey-Beat

Mersey-Beat, Bezeichnung für die Rockmusik von Liverpool und Umgebung um 1960-64, benannt nach dem 109 km langen Fluss Mersey zwischen Liverpool und Birkenhead (Mersey-Side), der in die irische See mündet.

Leichter als sonst in England waren amerikanische R&B-Platten in der Hafenstadt Liverpool erhältlich, deren Musik um 1960 etwa 300 Beatgruppen in Liverpool nacheiferten (nach Angabe der unten genannten Literatur). Außer in unzähligen Kellern und Beatschuppen wurde diese Musik in Tanzlokalen wie Cavern-Club, The Iron Door, The Jacaranda und Blue Angel Club gespielt; im Cavern Club hat Brian  Epstein die Beatles »entdeckt«. Die von Bill Harry herausgegebene Zeitung  Mersey Beat (um 1962-64 »Britain’s Leading Beat Paper«, wie im Untertitel zu lesen war) hat lokale Informationen und kritischen Gedankenaustausch verbreitet. Die wichtigsten Gruppen waren The Searchers, The Escorts, Rory Storm and the Hurricanes, Cass and the Casanovas (später The Big Three mit dem Bassisten John Gustafson), The Mojos, Gerry and the Pacemakers, Billy J Kramer & The Dakotas, The Formost und The Swinging Blue Jeans. Während des Mersey-Beat-Booms um 1963-64 haben Londoner Manager viele andere Gruppen ans Licht der britischen Öffentlichkeit gezogen, von denen die meisten jedoch nach einigen Singles in Vergessenheit gerieten. Ihre die Schlagzeiten des Taktes hart betonende, mit Vokalharmonien durchsetzte Musik, die vielfach jeden Vergleich mit den frühen Beatles besteht, halten einige Sammelplatten fest. Da die Beatles ihre weitere Karriere in London fortsetzten, geriet die Liverpooler Musik bald in Vergessenheit.

Liverpool selbst zählte später zu den Krisenregionen des Landes und hat auch als Hafenstadt nicht mehr die Bedeutung wie in den 1960er-Jahren. Musikalische Impulse gingen von ihr kaum mehr aus, lediglich die Gruppe Frankie Goes To Hollywood konnte Mitte der 1980er-Jahre Erfolge verzeichnen, unter anderem mit  einer Cover-Version des Songs »Ferry cross the Mersey«, der von Gerry and the Pacemakers stammt. Weitere mehr oder weniger bekannte Liverpooler Musiker und Bands waren bzw. sind Cilla Black, Billy Fury, John Gustafson (The Big Three, Roxy Music), Echo and the Bunnymen, The Farm, The Rascals, Big in Japan, The Boo Radleys, The Teardrop Explodes, The Scaffold, China Crisis, a Flock of Seagulls, Orchestral Manœuvres in the Dark und The Zutons. Nach wie vor ist Rockmusik als Hobby bei der Liverpooler Bevölkerung sehr beliebt und viele Einwohner spielen in einer der angeblich mehr als 1000 Bands.

Diskografie

Mersey-Beat at Liverpool (1974; 2 LP)
Mersey Beat ’62-’64. The Sound of Liverpool (o.J.; Mono)

Literatur

May, Chris/Philipps, Tim: British Beat; London 1974
Harry,Bill: Mersey Beat – The Beginnings of the Beatles; London 1977)