Minimal Music

Minimal Music, zusammengesetzt aus englisch minimal für »sehr klein, minimal« und music für »Musik«, Bezeichnung für eine Musik, die aus der Wiederholung, Überlagerung und allmählicher rhythmischer Verschiebung einfacher Klangfiguren besteht. Terry Riley in den USA kann als der erste und zugleich hauptsächlichste Vertreter dieser Tonbandgeräte und Synthesizer verwendenden Klangkunst gelten. Der Begriff wurde in Analogie zur Minimal Art der 1960er-Jahre geprägt, die mit einfachen geometrischen Gestalten und deren vielfältiger Kombination arbeitet, sichtbar etwa in der Malerei von Victor Vasarely.

Aus welch einfachen Motiven und deren Abwandlungen ein ausgedehntes Werk aufgebaut werden kann, ersieht man aus den mitgeteilten Noten auf der Innenseite von Terry Rileys Komposition In C aus dem Jahre 1964. Im Anschluss an Riley, Phil Glass, Steve Reich und La Monte Young – weitere Vertreter der Minimal Music – haben auch einige Rockmusiker Stücke im Sinne einer Minimal Music komponiert, so etwa Gong, Soft Machine und Franco Battiato, in gewissem Sinn – obwohl im Dienst ekstatischen Ausdrucks – auch Magma, sodann in sehr vereinfachender Weise die bundesdeutschen Gruppen Kraftwerk und Harmonia/Cluster.

Britische Minimal Music unterscheidet sich von der US-amerikanischen durch einen gewissen Witz, der die US-amerikanischen Komponisten als Puristen erscheinen lässt; die Platten beispielsweise von Gavin Bryars und manch ein Stück von Brian Eno, vor allem aber die Musik des Penguin Cafe Orchestra verdeutlichen dies. Einige us-amerikanische Komponisten – vor allem der lockeren New Yorker Künstlerverbindung The Kitchen –, wiederum nahmen Anfang der 1980er-Jahre Erfahrungen der Rockmusik in ihre Werke auf, so etwa der New Yorker Komponist Glenn Branca. Seine ohrenbetäubenden Symphonien sind Stücke für zahlreiche Elektrogitarristen und Schlagzeuger; minimal sich verändernde Strukturen ergeben sich zufällig in den Obertönen des permanent auf den Gitarren geschlagenen Akkordes, aus dem seine Symphonien über lange Strecken lediglich bestehen. Die Minimal Music hat auch einigen Einfluss auf zur Dance Music gezählten Musik jüngerer Zeit gehabt. Wenn auch Minimal Music und Rock einige wenige Gemeinsamkeiten haben – etwa die formbestimmende Rolle von Ostinati –, so widersprechen sich Minimal Music und Rock in der ästhetischen Zielsetzung und damit auch in der einzunehmenden angebrachten Hörhaltung.

Literatur

Lovisa, Fabian R.: Minimal Music – Entwicklung, Komponisten, Werke; Darmstadt 1996
Mertens, Wim: American Minimal Music; London 1983, Nachdruck 1999
Götte, Ulli: Minimal Music – Geschichte, Ästhetik, Umfeld; Wilhelmshaven 2000

Diskografie

Gavin Bryars: The Sinking of the Titanic (1975)
Brian Eno: Discreet Music (1975)
The Penguin Cafe Orchestra: Music from the Penguin Cafe 1976)
The Penguin Cafe Orchestra: Broadcasting from Home (1984)