Mod

Mod, Abkürzung von modernist, englisch für etwa »Moderner«, Vertreter der Ende der 1950 in London entstandenen Jugend-Subkultur; die Mod-Kultur ist eine der ersten Jugend-Subkulturen, die nicht nur Musik und mehr oder weniger unwesentliche Accessoires umfasste, sondern neben Musik und Kleidung nahezu alle Aspekte des Lebens in einer großstädtischen Gesellschaft.

Zunächst wurden als Modernists Jugendliche bezeichnet, die statt des traditionellen Swing- oder gar Dixieland-Jazz Bebop, mehr noch aber Cool Jazz bevorzugten. Gegen Ende des Jahrzehnts wandten sich diese Jugendlichen dem Rhythm and Blues zu, daneben aber auch vor allem dem Ska, dann auch dem Soul. Musik allein genügt aber nicht zur Kennzeichnung der Mod-Kultur: Mods, die größtenteils der Arbeiter- oder Kleinbürgerschicht angehörten, legten großen Wert auf Kleidung, trugen Anzug und schmale Krawatten, darüber einen Armee-Parka. Sie trafen sich in der Freizeit zu ausgedehnten Parties, wobei sie – um die Beanspruchung durch den Arbeitstag und die nächtlichen Vergnügen bewältigen zu können – sich mit Amphetaminen wach hielten; das Beschaffen dun Einnehmen von Pillen – womit allemal Aufputschmittel gemeint waren – ist eines der Themen der Mod-Kultur. Als oft genug erträumtes Fortbewegungsmittel galt dem Mod ein italienischer Motorroller (Vespa, Lambretta), der in bestimmter Weise ausgestattet wurde, etwa mit zusätzlichen Scheinwerfern, Rückspiegeln, Stoßfängern, Fahnenstangen und einer Windschutzscheibe.
In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre weckte die britische Rockmusik das Interesse der Mods, einige Bands – so etwa The Kinks, The Who und The Small Faces – galten als Mod-Bands; der Sänger Rod Stewart etwa wurde auch »Rod the Mod« genannt. The Kinks besangen 1966 den Mod als »Dedicated Follower of Fashion«, Pete Townshend widmete der Kultur das Album »Quadrophenia« (1973), das dem 1979 veröffentlichte gleichnamigen Film (Regie: Franc Roddam) als Grundlage diente; in dem Film spielte Sting einen Mod. Der Film stellt auch, mehr als das Doppel-Album, die rituellen Auseinandersetzungen der Mods mit den Rockern, in den Vordergrund: Mods und Rocker – die sich aus der Teddy-Boy-Kultur herausgebildet hatte – sahen im jeweils anderen den genuinen Feind und trafen sich an den Wochenenden in britischen Seebädern wie Brighton, Bournemouth und Margate, um sich zu prügeln. Von der Öffentlichkeit wie von der Presse wurde dieses Treiben mit Argwohn betrachtet und wohl auch aufgebauscht, führte aber auch dazu, dass die Jugendkulturen überhaupt als existent bemerkt wurden.
Nach 1965 zeigten sich erste Auflösungstendenzen der Mod-Kultur, spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wurde sie von der Hippie-Kultur abgelöst. In späteren Jahren gab es immer wieder Ansätze, die Mod-Kultur aufleben zu lassen – so etwa um 1980 von der Band The Jam um den Sänger und Gitarristen Paul Weller -, doch fanden diese Versuche keine größere Resonanz, und schon gar nicht entwickelte sich daraus eine Kultur. Weitere Mod-Bands dieser Zeitwaren etwa  Secret Affair, Purple Hearts and The Chords. Als Nachklang der Mod-Kultur kann auch der Brit Pop der 1990er-Jahre gesehen werden, denn Bands wie Oasis, Blur und The Verve – um nur wenige zu nennen – bezogen ihre musikalischen Anregungen vor allem aus der Musik der Kinks, der Who und der Small Faces.
Die Mod-Kultur ist möglicherweise die erste Jugend-Subkultur, die stärkere Beachtung fand, nicht zuletzt der Publizistik. Schon 1959 veröffentlichte der Schriftsteller Colin McInnes * 1914, † 1976) das Buch »Absolute Beginners«, in dem er sich mit der Mod-Kultur in erzählender, aber authentisch untermauerter Form mit den Mods und ihrem Lebensstil auseinander setzte. Auf McInnes Buch basiert der 1986 veröffentlichte gleichnamige Film (Regie: Julian Temple); der Rocksänger David Bowie spielte in dem Film, formal ein Rock-Musical, eine Hauptrolle.



Diskografie

The Kinks: Dedicated Follower of Fashion (1966; Single)
The Who: Quadrophenia (1973)



Literatur

McInnes, Colin: Absolute Beginners; London 1959
Rawlings, Terry: Mods – A Very British Phenomen; London 2005



Weblink

http://www.modculture.info/ (Website, die sich der Mod-Kultur widmet)