Modal Jazz

Modal Jazz, englisch, Spielart des modernen Jazz, in dem nicht mehr eine Folge von Harmonien das Material für Improvisationen bestimmt, sondern modale Skalen, die formalen Abschnitten zugeordnet sind; die theoretischen Grundlagen des Modal Jazz formulierte der Pianist, Komponist und Theoretiker George Russell (* 1923) 1953 in seinem Lydian Chromatic Concept (Lydisches Konzept).

Russells Ideen wurden etwa von dem Trompeter Miles Davis und dem Saxofonisten John Coltrane übernommen. Bereits 1958 präsentierte Miles Davis mit seiner LP »Milestones« erste nach diesem Konzept zustande gekommene Kompositionen und Improvisationen. Seine 1959 veröffentlichte LP »Kind of Blue«, an deren Produktion neben anderen der Pianist Bill Evans, sowie die Saxofonisten John Coltrane und Julian Adderley teilgenommen hatten, gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse des Modal Jazz. In den Kompositionen »So What« und »Flamenco Skteches« setzte Davis das auf Modi basierende Improvisationskonzept konsequent um. »So What« beispielsweise besteht aus 32 Takten, gegliedert in drei Abschnitte von 16, acht und noch einmal acht Takten. Davis gab zwei Modi vor: Einer galt für die eröffnenden 16 Takte und die schließenden acht Takte, währen der zweite Modus für die mittleren acht Takte verwendet werden sollte. Aus der Anordnung der Takte wie der Wahl der Modi ergab sich eine Art Mischform zwischen Lied und Blues. Das modale Konzept Russells gibt Komponist wie Musiker größeren Freiraum hinsichtlich formaler Gestaltung einer Komposition wie Ausführung der Improvisation. Der Musiker muss lediglich den formalen Aufbau einer Komposition und die zugrunde liegenden Modi kennen. Themen oder Themen ähnelnde Motive sind lediglich Konzession an überkommene Modelle des Jazz, nicht aber mehr zwingende Notwendigkeit. Musikhistorisch stellt der Modal Jazz den Übergang vom Bebop zum Free Jazz dar. Im Free Jazz schließlich wurde auch die Bindung an einen Modus aufgegeben.