Multiinstrumentalist

Multiinstrumentalist, journalistische Bezeichnung für einen Musiker, der mehrere Instrumente spielen kann; im Jazz-, Rock- und Popbereich ist es nicht notwendig, jedes der Instrumente in Vollendung spielen zu können, um als Multiinstrumentalist angesehen zu werden.

Im Bereich der Kunstmusik gab es bis in die Barockzeit durchaus ebenfalls Multiinstrumentalisten. Ein Stadtpfeifer beispielsweise, der sich im Übrigen als Handwerker und nicht als Künstler verstand, musste mehrere Instrumente beherrschen. Mit der Entwicklung der Musikinstrumente und Verfeinerung der Spieltechnik wurde es spätestens im 18. Jahrhundert nahezu unmöglich, zumal unter der Prämisse spieltechnischer Perfektion, mehrere Musikinstrumente gleichermaßen virtuos spielen zu können. Doch gab es selbst im 19. Jahrhundert, in dem sich der Virtuose als Musiker-Typus endgültig herausbildete, Musiker, die nicht nur mit einem Instrument umgehen konnten, sondern mit mehreren. Der Violinvirtuose Niccolò Paganini (* 1782, † 1840) beispielsweise konnte gleichermaßen virtuos Violine wie Gitarre spielen. Auch in jüngerer Zeit spielen die meisten Berufsmusiker zwar zusätzlich zu ihrem Hauptinstrument zwar Klavier, doch nur selten bringen sie es in dem zweiten Instrument zur Konzertreife; eine Ausnahmeerscheinung ist die deutsche Geigerin Julia Fischer (* 1983), die zwar hauptsächlich als Geigerin auftritt, gelegentlich aber auch als Pianistin konzertiert.

In Jazz und Rock liegen die Verhältnisse anders. Hier kommt es nicht darauf an, ein Instrument bis an die Grenzen der Möglichkeiten virtuos zu beherrschen, sondern auf einen individuellen Instrumentalklang – dazu muss man kein Virtuose sein. Auch spielt im Jazz, erst Recht in der Rockmusik, das autodidaktische Lernen eine bedeutende Rolle. Ein Autodidakt lernt aber in der Regel stets nur das, was er lernen will und was er für eine bestimmte Aufgabe benötigt. So sind bzw. waren etwa der Pianist Keith Jarrett (Klavier, Orgel, Cembalo, Saxofon), Steve Winwood (Orgel, Klavier, Keyboards, Gitarre, Schlagzeug) und Prince (Gitarre, Bassgitarre, Keyboards, Schlagzeug) hervorragende Mulitinstrumentalisten, ohne dass sie auf jedem ihrer Instrumente eine gleichermaßen gründliche Ausbildung genossen hätten.

Manche Instrumente sind mit anderen Instrumenten so eng verwandt sind, dass ein Musiker, der das ein Instrument spielen kann, sich auch auf dem anderen sicher bewegt. Ein Gitarrist kann z.B. ohne weiteres die Bassgitarre spielen, mitunter sogar virtuoser als ein Musiker, der nur Bass spielt. Paul McCartney beispielsweise lernte Gitarre und übernahm Anfang der 1960er-Jahre den Bass geradezu zwangsweise. Dennoch ist er auf der Bassgitarre ein Virtuose; nebenbei kann er auch Klavier spielen. Auch die meisten Saxofonisten spielen weitere Instrumente, etwa Klarinette, Flöte oder – wie Andy Mackay von Roxy Music – Oboe.